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"Bürgerbus" steht in den Startlöchern

Sozialprojekt "Bürgerbus" steht in den Startlöchern

Zunächst probeweise für ein halbes Jahr lässt die Stadt Amöneburg immer montags einen kostenlos nutzbaren "Bürgerbus" durch ihre Gebiet und in die Nachbarschaft fahren.

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Hildegard Kräling (Zweite von links) und Burkhard Wachtel (Dritter von links) posieren mit den Fahrern (von links) Peter Hörl, Norbert Weber, Willi Ried, Lothar Döring, Elisabeth Grün und Michael Plettenberg (der im Notfall einspringen will). Nicht im Bild ist Fahrerin Rita Hörl-Eberl – ebenso wie das Fahrzeug, das die Stadt als Bürgerbus einsetzen wird.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Der „Bürgerbus“ steht in den Startlöchern - auch wenn das Amöneburger Projekt offiziell unter dem sperrigen Namen „ehrenamtliche Mitnahme“ laufen muss, weil auf der Fahrt die Grenzen der Gemeinde überquert werden. Doch die Stadt will ihren Bürgern eben einen sinnvollen Service bieten.

Und dafür ist es unumgänglich, die infrastrukturellen Vorzüge der direkten Nachbarn zu nutzen. Entsprechend fährt der „Bürgerbus“ eben auch Kirchhain und sein Ärztehaus beziehungsweise den Bahnhof sowie die Arzt- beziehungsweise Apotheken-Standorte Schweinsberg und Rauischholzhausen an.

Zunächst verkehrt das von ehrenamtlichen Fahrern gesteuerte Fahrzeug - das der Stadt gehört und zumeist als Kindergartenbus zum Einsatz kommt - nur montags (nicht an Feiertagen), dafür im Abstand von 75 Minuten aber gleich dreimal: Von Amöneburg geht‘s über Rüdigheim nach Schweinsberg, dann nach Erfurtshausen, Mardorf und Roßdorf, danach fährt der Bus nach Rauischholzhausen und Kirchhain, ehe die Rückkehr in die Kernstadt ansteht.

Ausnahmen bei gehbehinderten Nutzeren

Auf dem Fahrplan stehen dabei viele „potenzielle Ziele für Senioren“, wie Burkhard Wachtel, der Seniorenbeauftragte der Stadt, herausstellte - um gleich hervorzuheben, dass alle Bürger das neue Angebot kostenlos nutzen dürfen. Eigentlich stehen die Haltepunkte fest - bei gehbehinderten Nutzern werden aber auch Ausnahmen gemacht.

„Wir möchten den Menschen dabei helfen, ihre Eigenständigkeit zu behalten“, erklärt Hildegard Kräling, die Vorsitzende des Seniorenbeirats und betont, dass dabei die Mobilität ein wichtiger Aspekt sei.

Nicht jeder habe ein eigenes Auto oder eben die Möglichkeit, sich Mitfahrgelegenheiten zu organisieren. Und nicht jeder traue sich, den Bus zu nutzen, der zumindest in der Kernstadt häufiger verkehre, wie Lothar Döring einwirft. Der Amöneburger ist einer von derzeit sieben Freiwilligen, die den „Bürgerbus“ fahren wollen.

Er glaubt, dass das neue Projekt durch die ehrenamtlichen Fahrer, die alle aus dem Stadtgebiet kommen, persönlicher sei als der öffentliche Nahverkehr. „Es ist aber auch wichtig, dass die Menschen die Hilfe, die wir anbieten, auch annehmen. Sie müssen keine Berührungsängste haben“, sagt Kräling.

Für Heimweg andere Mitfahrgelegenheit suchen

Peter Hörl, der ebenfalls als Fahrer fungieren wird, glaubt auch nicht, dass die Fahrtzeit von insgesamt einer Stunde für die Mitfahrer ein Problem wird: „Dann ist man wenigstens durch die Gespräche über das Geschehen in der Stadt informiert“, erklärt er lachend.

„Das Projekt soll ja auch ein bisschen die Kommunikation fördern“, fügt Kräling hinzu - zum einen beim Warten auf den „Bus“ und dann im Fahrzeug an sich. Aber zum anderen auch, wie Wachtel hervorhebt, beim Rückweg.

Wer eben nicht auf die nächste Tour warten oder den Weg durch die gesamte Gemeinde in Kauf nehmen will, muss sich für den Heimweg eine andere Mitfahrgelegenheit suchen. „Da ergibt sich eigentlich immer etwas“, sagt er beispielsweise zum Nachhauseweg vom Supermarkt im Steinweg in die Oberstadt.

Weitere Fahrer sind neben seiner Frau Rita noch die Amöneburger Norbert Weber und Lothar Döring, der sich schon stark für die Flüchtlinge in der Stadt engagiert und die Mardorferin Elisabeth Grün. „Ich bin jetzt in Rente und wollte mich ehrenamtlich engagieren. Das Projekt klingt sinnvoll - und man wird ja auch älter. Vielleicht profitiere ich eines Tages selber davon.“

Bürgermeister als Ersatzfahrer

Hinzu kommt noch der Roßdorfer Willi Ried, der das Thema „Verkehrssicherheit“ in den Vordergrund hebt: Es sei wichtig, älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, sich nicht selber hinters Steuer setzen zu müssen. „Ich will keinesfalls alle über einen Kamm scheren - aber oftmals sind Senioren nicht mehr so gute Fahrer, weil sie auch körperliche Einschränkungen haben und sich beispielsweise nicht mehr gut drehen können.“ Der „Bürgerbus“ gebe ihnen die Chance, auf das Selberfahren zu verzichten.

Als Ersatzfahrer stellt sich Bürgermeister Michael Plettenberg zur Verfügung. Zudem hätten noch weitere Freiwillige angekündigt, mitzumachen, so Kräling: „Weitere Fahrer sind aber immer willkommen - je größer unser Pool ist, desto besser.“

Zunächst handele es sich schließlich nur um einen Versuch. „Die Praxis wird zeigen, ob unser Angebot in dieser Form sinnvoll ist“, betont Wachtel und animiert die Bürger dazu, Feedback zu geben. Die Erfahrungswerte seien wichtig, um das Projekt „Bürgerbus“ den Bedürfnissen entsprechend anzupassen.

Weitere Informationen beziehungsweise Kontakt zum Projekt: Burkhard Wachtel, E-Mail b.wachtel@amoeneburg.de, Telefon 06422/929518.

von Florian Lerchbacher

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