Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Bürger legen Finger in die Wunden

Stadtmarketing Bürger legen Finger in die Wunden

Zur Veranstaltung der Neuausrichtung des Stadtmarketings, bei der Umfrageergebnisse von Händlern und Passanten erläutert wurden, kamen nur knapp 100 Interessierte.

Voriger Artikel
"Perlenkette" zieht sich durch die Stadt
Nächster Artikel
"Kirmessau" findet Abnehmer

Professor Christian Friedrich (links) und Oliver Stöhr von der IHK (rechts) stellten die Befragungsergebnisse vor, Bürgermeister Christian Somogyi moderierte.

Quelle: Klaus Böttcher

Stadtallendorf. Im Jahr 2014 gab es zum Stadtmarketing zwei voneinander unabhängige Umfragen bei Einzelhändlern und Bürgern. Die Ergebnisse und der empfohlene Handlungsbedarf wurden jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt. Anhand der Besucherzahl wurde deutlich, dass nur wenige Stadtallendorfer interessiert sind. Die Organisatoren vermissten vor allen Dingen auch die Einzelhändler der Stadt, die nur spärlich vertreten waren.

Die hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung in Gießen (HFPV) hatte eine Umfrage bei 400 Passanten und 38 Einzelhändlern organisiert (die OP berichtete mehrfach). Das Ergebnis der von Studenten durchgeführten Befragung gab Professor Christian Friedrich bekannt. Man hatte im Vorfeld 205 Einzelhändler eingeladen, aber nur 38 ließen sich befragen.

Die Industrie- und Handelskammer Kassel- Marburg (IHK) war vertreten durch Oliver Stöhr, der die Ergebnisse der Befragung von 350 Passanten vorstellte. Diese Befragung erfolgte in Verbindung mit der Georg-Büchner-Schule.

Es besteht Verbesserungsbedarf

Bei der Bürgerbefragung durch die HFPV haben die Bürger Stadtallendorf insgesamt gut bis befriedigend bewertet, jedoch besteht in einigen Bereichen Verbesserungsbedarf. Für die Verbesserung der medizinischen Versorgung sollten beispielsweise mehr Fachärzte angeworben werden.

Das kulturelle Angebot in der Stadt wurde bemängelt. Gewünscht werden Kino, Theater oder Museen. „70 Prozent der Befragten empfinden die Stadt als unattraktiv“, lautet das niederschmetternde Urteil der Untersuchung. Der Vorschlag von Seiten der HFPV ist die Verbesserung des Einkaufsangebotes, zum Beispiel durch höherwertige Kleidung, und die Ausweitung des Gastronomieangebotes.

Eine Feststellung der Studenten lautet: „Die Bürger nehmen Stadtallendorf in erster Linie als Arbeitsplatz- und Wohnstandort wahr.“ Die Bürgerbefragung der IHK zeigte ähnliche Ergebnisse wie die der HFPV.

Dabei wurden die Attraktivität und der Erlebnischarakter der Stadt ebenso negativ dargestellt wie das mangelnde Freizeit- und Gastronomieangebot. Als weitere Negativpunkte wurden das schlechte kulturelle Angebot und die mangelnde Vielfalt beim Warenangebot, besonders fehlende Markenwaren, herausgestellt. Die Aspekte Gestaltung der Innenstadt, die regionale Verbundenheit, die Sauberkeit und die Erreichbarkeit schlossen bei den Bewertungen nur mit „befriedigend“ ab. Als gut bewertet wurden die Parkmöglichkeiten und die Barrierefreiheit. Das Ambiente der Stadt und der Erlebnischarakter wurden nur mit ausreichend bewertet.

„Schockierend“ wenige Veränderungen

Professor Friedrich erläuterte umfangreich die Einzelhändlerbefragung. Die Befragten waren zu 50 Prozent Einzelhändler, zu 23 Prozent Dienstleister und zu 10 Prozent Gastronomen. Auf die Frage, wenn sie etwas verbessern könnten, was wäre dies, stand das städtebauliche Konzept und die Erhöhung der Attraktivität der Stadtmitte an der Spitze. Es folgten die Verbesserung der Angebotsstruktur, die Werbung, das Veranstaltungswesen und der Einzelhandel. Als „schockierend“ bezeichnete Friedrich den Umstand, dass 35 Prozent der befragten Einzelhändler keine Veränderungen planen.

Die HFPV gab auch Handlungsempfehlungen an die Stadtverwaltung. Danach sollte die Infrastruktur durch Anbindung und Verbindung der einzelnen Standorte und Anbringen von Hinweisschildern verbessert werden. Durch Entgegenwirken gegen die Leerstände vieler Gebäude und die Schaffung einer Marktatmosphäre solle das Erscheinungsbild optimiert werden.

Beide Vortragenden gingen auf den demografischen Wandel und den zunehmenden Onlinehandel ein, wodurch die Bevölkerungszahl schrumpft und die Kaufkraft beim örtlichen Einzelhandel abnehme. „Die Konkurrenz ist nicht nur Kirchhain, sondern auch das Internet“, brachte es Friedrich auf den Punkt.

„Wir haben einen runden Tisch gebildet mit Stadtallendorf Aktiv zusammen. Auch die Einzelhändler der Niederkleiner Straße sind dabei“, sagte Bürgermeister Christian Somogyi. Durch den Edeka-Markt hoffe man auf Kaufkraftzugewinn. „Das Stadtbild wird nicht durch die Stadt alleine bestimmt“, betonte er und forderte dazu auf: „Gestalten Sie mit.“

von Klaus Böttcher

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr