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Bürger kämpfen um Eschenallee

Sorge Bürger kämpfen um Eschenallee

"An den Bäumen wurde in der Vergangenheit jede Menge rumgeschnitten - aber nicht fachmännisch", ärgert sich Herbert Fischer und übt herbe Kritik an Hessen Mobil für die geplante Fällung der Eschenallee.

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Einige Amöneburger wollen nicht, dass Hessen Mobil die Bäume der Eschenallee fällt. Die Behörde sieht für bisher drei Bäume allerdings keine andere Lösung.Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Der Amöneburger Ortsbeirat und der Ausschuss für Bauen und Tourismus hat sich bereits mit den Plänen von Hessen Mobil, die Eschenallee an der Kreisstraße 30 zur historischen Ohmbrücke zu entfernen, beschäftigt und massive Kritik geäußert. Die Stadt legte daraufhin ein ­Veto ein, nun gehen auch einige Bürger auf die Barrikaden. „Wir müssen die Bäume retten“, betont Herbert Fischer - wirklich Hoffnungen auf Rettung der Eschen muss sich der ehemalige Ortsvorsteher der Kernstadt aber nicht machen.

Laut Hessen Mobil sind drei Bäume der Allee vom sogenannten „Eschentriebsterben“ betroffen - einer auf asiatischen Eschen eingeschleppten Pilzerkrankung, mit der die heimsche Eschenart nicht zurechtkomme. Die Infektion durch den Pilz im Frühsommer/Sommer verursache in der Regel eine „lokale Welke“ und häufig ein Absterben der Triebspitze (woraus sich auch der Name ableitet). Zunächst komme es zu einer starken Totholzbildung, was den Verkehr gefährde. „Als Nebenfolge kommt es zu pilzlichen Erkrankungen der Wurzeln und des Stammes, die mit einer Gefährdung der Stand- und Bruchsicherheit einhergehen können“, so Hessen Mobil. In der Folge werde der Stamm häufig durch Insekten befallen. Alle diese Faktoren führten zu einem relativ zügigen Absterben des betroffenen Baumes.

Herbert Fischer, Claudia Wittmann und Thomas Kleinschmidt - der Betreiber der Brücker Mühle, die in unmittelbarer Nähe der Eschenallee liegt - schätzen die Lage anders ein. Sie sagen, dass die Bäume durch einen richtigen Schnitt zu retten seien. Sie seien in der Vergangenheit eigentlich nur einseitig und somit falsch geschnitten worden, ärgert sich Kleinschmidt: „Die Bäume der Allee sind hochgeschossen und haben keine volle Krone.“

Dem entgegnet Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil: „Aktuell sind aus der Forschung keine Maßnahmen bekannt, die eine vorbeugende Bekämpfung ermöglichen. Auch kostenintensive Schnittmaßnahmen verzögern die Entfernung der Esche nur um etwa ein bis fünf Jahre.“ Ziel der Behörde sei es dennoch, die mit dem Pilz „Hymenoscyphus fraxineus“ infizierten Eschen in „diesem sensiblen Landschaftsraum“, der sich im Landschaftsschutzgebiet Auenverbund Lahn-Ohm befinde, zu erhalten. Für die drei jungen Bäume gebe es jedoch keine Rettung.

Zu einer Forderung, die Behörde solle Gutachter einsetzen, um die Bäume genau zu untersuchen, erklärt Lecher, dass Mitarbeiter von einem Experten der Universität Göttingen geschult würden, um Krankheiten an Bäumen zu erkennen. Mit wirtschaftlichen Gründen hätten die Fällungen nichts zu tun, ergänzt sie, verweist auf das Krankheitsbild und hebt hervor, dass Hessen Mobil schon im vergangenen Jahr in verschiedenen Landkreisen erkrankte Eschen habe fällen müssen und sich daher intensiv mit dem „Eschentriebsterben“ auseinandersetze.

Die Stadt hat ein Veto gegen die Pläne eingelegt und fordert, von den Fällungen abzusehen und zunächst ein Konzept zu erstellen. Fischer und seine Mitstreiter legen in der Brücker Mühle eine Unterschriftenliste aus, in die sich Gegner der Fällungen eintragen können. Für Kleinschmidt ist die Allee schließlich weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen und ein Hingucker: „Das ist Geschichte und ein Kulturgut. Es gab früher zahlreiche Alleen, die zum Schutz angelegt wurden“, weiß er und stellt die Gesamtkomposition aus historischer Mühle, Brücke und ­Allee heraus.

Dafür hat Lecher Verständnis - allerdings gehe Hessen Mobil davon aus, dass auch die anderen Eschen befallen werden. Daher sei angestrebt, 38 Stieleichen als Ersatz in die Baumlücken zu pflanzen. Die Behörde wolle „nachhaltig eine Allee mit neuen Bäumen entwickeln“ und den Alleencharakter erhalten. Wann die drei erkrankten Jungeschen gefällt werden, stehe noch nicht fest. Voraussetzung sei, dass sie vom Biotopschutz befreit werden. Daher habe sich Hessen Mobil an den Landkreis, Fachbereich Bauen, Wasser- und Naturschutz, gewendet. Grundsätzlich sei das Baumfällen und die Gehölzpflege nur zwischen Oktober und Ende Februar gestattet.

von Florian Lerchbacher

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