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Büffeln für das Wohl der eigenen Kinder

23 Zuwanderer absolvierten in Stadtallendorf den Deutschkurs B1 Büffeln für das Wohl der eigenen Kinder

Wenn es stimmt, dass der Spracherwerb für Migranten der Schlüssel zu Integration ist, dann sind 23 im Ostkreis beheimatete Ostkreis dieser den entscheidenden Schritt näher gekommen.

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Stolz präsentierten die Absolventen des Deutschkurses für Migranten und Flüchtlinge ihre B1-Zertifikate. Dieses Zertifikat ist einer Voraussetzung für die Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft. Foto: Matthias Mayer

Stadtallendorf. Sie absolvierten in Stadtallendorf den Sprachkurs B1. Hinter dieser Feststellung steckt eine große Leistung, denn neben Familie und/oder Beruf erlernten die zum Großteil in Stadtallendorf, aber auch in Neustadt und Wohratal lebenden Kursteilnehmer über neun Monate in 20 Unterrichtsstunden die deutsche Sprache. Zusammen ergibt das 660 Unterrichtsstunden. Eine lange Strecke, die längst nicht alle Interessenten durchstanden.

„Die Fluktuation war hoch. Um so schöner ist es, dass Sie durchgehalten und sich so toll am Unterricht beteiligt haben“, sagte Dr. Helmut Wiegand während einer kleinen Abschlussfeier zur Übergabe der Zertifikate im Evangelischen Gemeindezentrum. Wiegand war als Geschäftsführer und Kursleiter des Vereins Lingua Oeconomicus sowohl organisatorisch als auch als Lehrkraft in die Kurse eingebunden.

Die Absolventen sprechen als Muttersprache Russisch, Polnisch, Arabisch, Türkisch, Suaheli, Italienisch und Afghanisch und wurden deshalb in verschiedenen Kleingruppen unterrichtet. Ziel des B1-Kurses ist es, den Teilnehmern die deutsche Sprache so zu vermitteln, dass sie alle Alltagssituationen sprachlich stressfrei bewältigen können. Bewertet werden drei Kategorien: Wie gut versteht der Schüler die deutsche Sprache im Gespräch und beim Lesen? Wie gut kann er sich auf Deutsch ausdrücken? Und wie gut sind die schriftlichen Deutschkenntnisse? Ein beträchtlicher Teil der Absolventen schnitt in allen drei Kategorien sehr gut ab.

Dr. Helmut Wiegand ermutigte diese Absolventen, sich auch noch an dem B2-Kurs zu versuchen. Dieser sei Voraussetzung für Berufe, die einen ständigen Umgang mit Menschen erfordern.

Finanziert werden diese Kurse vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, für das Dr. Thomas Weyrauch die Zertifikate übergab.

Nur zwei Teilnehmerwollen den deutschen Pass

Das B1-Zertifikat hat eine enorme formale Bedeutung, denn des ist für Flüchtlinge und Migranten die wohl höchste Hürde auf dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft. Der deutsche Pass war allerdings nur für zwei der 23 Kurs-Absolventen Motivation für die große Anstrengung. Sie nannten für den Spracherwerb unterschiedliche Gründe. Das nun mögliche Gespräch mit deutschen Nachbarn wurde ebenso genannt wie Erleichterungen bei alltäglichen Dingen wie Einkaufen oder Behördengängen, die Fähigkeit, mit den eigene Kindern deutsch zu sprechen und die Fähigkeit, sich am Arbeitsplatz besser mit den Kollegen austauschen zu können.

Am häufigsten wurde das Thema Schule genannt. Mütter wollen ihren Kindern in schulischen Angelegenheiten helfen und mit den Lehrerinnen und Lehrern kommunizieren können. Für diesen Zweck hatte der Stadtallendorfer Verein Internationale Kultur und Bildung an der Waldschule einen speziellen Elternkurs angeboten. An dieser Schule ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund besonders hoch. In vielen Familien scheitert die schulbezogene Unterstützung der Grundschüler durch ihre Familien an der Sprachbarriere.

Über das große Engagement der Mütter von der Waldschule, die sich schon vor der Veranstaltung selbstbewusst auf Deutsch unterhielten, freute sich Dr. Nina Kollhöfer sichtlich. Die Repräsentantin des Vereins würdigte die Lernbereitschaft der Frauen zum Wohle ihrer Kinder, die mit ihrer Persönlichkeit den Kurs geprägt hätten.

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