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Buchen machen Eichen den Garaus

Naturwaldreservat Buchen machen Eichen den Garaus

Im Revier von Förster Klaus Schild liegt der „Urwald von morgen“, ein Naturwaldreservat, das der Forschung über Jahrzehnte hinweg wertvolle Erkenntnisse bringen soll.

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Abgestorbene Bäume werden im Naturwaldreservat stehengelassen. Kleines Foto: Schilder weisen auf das besonders geschützte Waldgebiet hin.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Inzwischen ist das „Naturwaldreservat Hundsrück“, das sich innerhalb des Herrenwaldes befindet, genau 21 Jahre alt - und trotzdem schon ein kleines Stück Forstgeschichte. Es ist eines der Gebiete, das unter besonderem gesetzlichem Schutz steht. Diesen Schutz will das Land sogar noch ausbauen, das Abholzen der sogenannten „Bannwälder“ soll weiter erschwert werden.

Hinweisschilder am Rande eines Forstweges zeigen, das Spaziergänger vor einem besonderen Stück Wald stehen. Auf den Schildern ist auch deutlich zu lesen, dass dieses Waldstück eben nicht bewirtschaftet wird. Das Naturwaldreservat Hundsrück hat die Größe von etwa 20,7 Hektar, die dort mitten im östlichen Herrenwald liegen. Dieser Wald - und das macht ihn eben so besonders - entwickelt sich dort so, wie die Natur es will. Und das hat Folgen.

Eichen haben es dort immer schwerer, sich gegen die ohnehin dominierenden Buchenbestände durchzusetzen. Beim Gang durch einen kleinen Abschnitt des Naturwaldreservats blickt Förster Schild in die Geschichte zurück. Vor zwei Jahrhunderten hatten Bewohner der Region diesen Eichenbestand bewusst gepflegt. Eicheln dienten ihren Schweinen und Rindern als Futter. Diese Eichen werden nun Zug um Zug von den Buchen, die sie um­geben, erdrückt. „Ohne Zutun, also Bewirtschaftung, gäbe es hier überhaupt keinen Eichenbestand“, sagt Lutz Hofheinz, Leiter des Forstamtes Kirchhain.

Von einst 800 Eichen sind 100 bereits abgestorben

Das lässt sich mit Zahlen bereits klar belegen: Bei Einrichtung des Bannwaldes 1993 zählte der Forst dort etwa 800 teilweise jahrhundertealte Eichen. Inzwischen, so zeigen es verlässliche Schätzungen, sind es etwa 100 weniger. „Entscheidend ist dabei, dass Buchen weniger Probleme mit Schatten haben“, sagt Hofheinz.

Dass das Naturwaldreservat ein besonderes Stück Wald ist, zeigt sich am Totholz, abge­storbenen Bäumen wie auch Ästen. In den Lücken, zwischen abgestorbenen und lebendigen Bäumen, bilden sich eigene Pflanzenwelten. Imposante, stehengebliebene tote Eichen geben Insekten wie auch Vögeln natürliche Lebensräume.

Natürlich wird die Entwicklung des Naturwaldreservates Hundsrück intensiv wissenschaftlich begleitet. So existiert eine Vergleichsfläche mit entsprechender Vegetation, die normal bewirtschaftet wird. Für die Begleitung zeichnet die Senckenberg-Gesellschaft verantwortlich. Eines fehlt im Moment noch, was zur Erforschung eines Naturwaldreservates gehört: die genaue Aufnahme der in dem Gebiet vorkommenden Tierarten.

Hierzu ist, vor allem mit Blick auf die Insekten, eine aufwendige Untersuchung nötig, unter anderem mit besonderen Insektenfallen. In anderen hessischen Naturwaldreservaten ist das bereits geschehen. „Und man hat dabei teilweise spektakuläre Entdeckungen gemacht“, sagt Revierförster Schild. Rote-Liste-Arten hätten sich bei diesen Untersuchungen an Stellen gefunden, an denen sie keiner erwartet habe - und auch in beachtlichen Zahlen.

Wann solche Entdeckungen im Naturwaldreservat Hundsrück zu erwarten sind, ist noch nicht klar. Es gibt bisher keinen Termin für die Untersuchungen. „Wir hoffen, dass wir bald drankommen“, sagt Forstamtsleiter Hofheinz. Das brächte zusätzliche Aussagen über die in dieser Region vorkommenden Tierarten, die sich dann laut Hofheinz auch noch besser schützen ließen.

Kein Termin für Untersuchungen

Klar ist, dass im „Hundsrück“ vermehrt Spechte vorkommen, was am Totholzbestand liegen dürfte. Ansonsten geht das Forstamt Kirchhain von einem natürlichen Wildbestand in dem Naturwaldreservat aus. Dieses Wild wird auch normal bejagt, um Überpopulationen zu verhindern. Denn die natürlichen Feinde Bär und Wolf kommen auch im „Hundsrück“ nicht vor.

Ganz aktuell hat das hessische Umweltministerium den Schutz der 32 Naturwaldreservate, der Bannwälder, noch einmal erhöht. Wer überhaupt eine Erlaubnis zum Abholzen bekommt, muss künftig gleichwertigen Bannwald neu schaffen. Doch Abholzen ist für das Naturwaldreservat Hundsrück bei Stadtallendorf überhaupt kein Thema. Es wird auch nicht von der geplanten A-49-Trasse berührt. „Ich gehe davon aus, dass dieses Naturwaldreservat auf lange Zeit sicher ist“, sagt Hofheinz.

von Michael Rinde

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