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Brutaler Raub hat Konsequenzen

Gerichtsurteil Brutaler Raub hat Konsequenzen

Fünf Jahre und drei Monate Haft wegen "besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung" lautete das Urteil der Schwurgerichtskammer des Landgerichts gegen einen Beteiligten am Überfall auf einen Stadtallendorfer Juwelier.

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Nach zwei Verhandlungstagen erging gestern das Urteil im Prozess um einen brutalen Raubüberfall. Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. Für die Kammer stand fest, dass der 36 Jahre alte Angeklagte aktiv an dem brutalen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft in der Niederkleiner Straße im November 2011 beteiligt war. Gemeinsam mit zwei Komplizen hatte er den Inhaber schwer misshandelt, festgehalten und wiederholt geschlagen sowie wertvolle Schmuckwaren im Wert von mindestens 50000 Euro erbeutet (die OP berichtete).

Die Täter gingen hierbei außergewöhnlich gewalttätig zu Werke, was bei dem Geschädigten zu „erheblichen Verletzungen“ führte, betonte der Vorsitzende Richter Dr. Marco Herzog die besondere „Brutalität der Vorgehensweise“.

Geschäft wurde ausgiebig ausgespäht

Daran sei auch der aktuelle Angeklagte beteiligt gewesen. Er hatte die Tat weitestgehend zugegeben, seine Rolle innerhalb der Bande dabei am ersten Verhandlungstag versucht, herunterzuspielen. Das ließ ihm auch Staatsanwältin Kathrin Ortmüller nicht durchgehen. Sie hob in ihrem Plädoyer die eindeutige Planung der Tat hervor. Der Angeklagte habe sich gezielt mit anderen zusammengetan und „den Entschluss gefasst, einen Raub zu begehen“.

Im Vorfeld wurde der Fluchtwagen vorteilhaft positioniert, das Geschäft ausgiebig ausgespäht und erst betreten als sich der Inhaber alleine darin aufhielt. „Das war alles geplant und abgestimmt“, fasste die Anklagevertreterin zusammen. Als besonders prekär wertete sie die brutale Behandlung des Geschädigten und „wirklich drastischen Tatfolgen“ für das bis heute psychisch belastete Opfer.

Alle drei Täter gingen „brutal und ohne zu zögern“ auf den überraschten Inhaber los, schlugen und traten den Mann wiederholt zu Boden. Für den Betroffenen bedeute die Tat bis heute „einen hohen wirtschaftlichen, physischen und psychischen Schaden“, betonte Ortmüller, die sich für fünfeinhalb Jahre Haft ausgesprochen hatte.

Sie blieb damit an der oberen Grenze der im Vorfeld mit den Prozessbeteiligten ausgehandelten Maximalstrafe. Die Verteidigung hob die Drogenvergangenheit des Täters hervor, der sich von dem in Aussicht gestellten Heroin als „Bezahlung“ zu dem Raub habe verleiten lassen.

Verteidiger betontWert des Geständnisses

Auch das umfassende Geständnis des Mannes sei keine Selbstverständlichkeit in einem solchen Fall. Er habe zudem zur Aufklärung der Sache beigetragen, verdeutlichte Verteidiger Robert Funk.

Als spektakulär an der weit zurückliegenden Tat entpuppte sich unter anderem, dass der gebürtige Litauer jahrelang untergetaucht war, erst in diesem Jahr in seiner Heimat aufgegriffen und an die deutschen Behörden ausgeliefert wurde. Seit Mai sitzt er in Untersuchungshaft. Da das Gericht weiterhin Fluchtgefahr sieht, bleibt diese weiterhin aufrechterhalten.

Zu seinen Gunsten wertete die Kammer, neben seinem Geständnis, die prekären Zustände der Auslieferungshaft in Litauen. Die Bedingungen innerhalb der Haftanstalten des EU-Landes seien im deutschen Vergleich miserabel, „die Zustände sind schlimm“, berichtete Verteidiger Robert Funk, der nicht zum ersten Mal einen litauischen Mandanten vertrat.

Dritter Täter sitzt in Auslieferungshaft

Zwischen vier bis sechs Gefangene teilten sich eine kleine Zelle, müssten mit hygienisch fragwürdigen Voraussetzungen, wie etwa „nur einem Plumpsklo und einer Rolle Toilettenpapier“ zurechtkommen, führte er aus.

In der Regel werten deutsche Gerichte daher die bereits verbüßte Haftdauer in dem Land auch mindestens doppelt so hoch. Auch in diesem Fall wurde die einmonatige Auslieferungshaft zeitlich im Verhältnis „zwei zu eins“ angerechnet, stimmte der Richter dem zu. Nach dem Urteil ist der 36-Jährige mittlerweile der zweite aus dem Räuber-Trio, der in Haft sitzt. Einer seiner Komplizen wurde vor drei Jahren zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Der dritte, bis vor kurzem noch flüchtige Täter, sitzt mittlerweile ebenfalls in Auslieferungshaft und wird sich in Zukunft ebenfalls für die Gewalttat verantworten müssen. Somit wurden, zwar erst fünf Jahre nach der brutalen Tat, letztendlich doch noch alle drei Täter gefasst. An einem solchen Fall sehe man wieder einmal, „das sich derartige Raubüberfälle nicht lohnen“, sagte Dr. Herzog während der Urteilsbegründung. Das spreche sich hoffentlich herum, so der Vorsitzende der Kammer.

von Ina Tannert

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