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Breites Bündnis wirbt bei der Bahn AG

Intercity-Anbindung Breites Bündnis wirbt bei der Bahn AG

In einem Brief an den Bahnvorstand rund um den Vorsitzenden Rüdiger Grube werben die Beteiligten für Stadtallendorf als dauerhaften Haltepunkt an der IC-Linie 26.

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Reiner Schmidt (Hoppe, von links), Vizelandrat Marian Zachow, Bürgermeister Christian Somogyi, Oberst Markus Kreitmayr und Andreas Fiedler (Winter) bei der Unterschrift unter den Brief an den Bahnvorstand. Ferrero-Chef Karl-Heinz Feußner unterschreibt separat. Foto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Immerhin einmal am Tag hält inzwischen ein Intercity in Stadtallendorf, morgens um 5.49 Uhr in Fahrtrichtung Frankfurt. Geht es nach Kreis, Stadt, den Unternehmen Ferrero, Winter und HOPPE und der Führung der Division Schnelle Kräfte, dann kann es dabei nicht bleiben, muss Stadtallendorf ein sogenannter Systemhalt werden. Also eine Stadt mit regelmäßigem IC-Halt.

Am Mittwoch unterzeichneten alle Beteiligten ein dreiseitiges Schreiben, adressiert an Mitglieder des Bahnvorstands mit Vorsitzendem Rüdiger Grube an der Spitze. Von einem „nachhaltigen Werben“ ist dort die Rede. Immerhin ist Stadtallendorf die größte Stadt an der Intercity-Linie 26 (Stralsund-Hamburg-Karlsruhe) ohne festen Halt mehrfach am Tage. Bahnpendler, die den IC morgens Richtung Frankfurt nutzen, sparen gegenüber der Rückfahrt ohne Fernzug eine halbe Stunde - allein auf dem kurzen Abschnitt Marburg-Stadtallendorf.

Für die großen, international agierenden Industrieunternehmen Ferrero, Winter und HOPPE wäre ein fester Intercity-Halt in Stadtallendorf ein großer Gewinn. Exemplarisch verdeutlichte das gestern Winter-Personalleiter Andreas Fiedler: „Immer wieder fragen Kunden und Lieferanten, wie es um unsere Zuganbindung steht.“ Zugleich dürfte es eine Intercity-Anbindung erleichtern, Führungs- und Fachkräfte nach Stadtallendorf zu holen, so die einhellige Überzeugung der heimischen Unternehmen. Die Division Schnelle Kräfte, seit 2010 in Stadtallendorf, hat sich von je her für eine wirkliche Anbindung der zweitgrößten Stadt im Kreis ausgesprochen. Aus zweierlei Gründen, wie Oberst i.G. Markus Kreitmayr vom Divisionsstab klarmachte: Als Division mit Standorten in der ganzen Republik ist Erreichbarkeit für Besprechungen von immenser Bedeutung. Zugleich „sind Soldaten von je her leidenschaftliche Zugfahrer“, formulierte Kreitmayr. Sie pendeln an den Wochenenden zu ihren Heimatorten und von dort wieder zurück in die Divisionsstadt. Doch momentan zwingt sie die Situation zum Ausweichen auf das eigene Auto, auch Kreitmayr ergeht es momentan so.

Bahn schweigt bis zum Erhalt des Briefes

Womit werben die Beteiligten ansonsten beim Bahnvorstand? Stadtallendorf ist der einzige Bahnhof zwischen Kassel und Marburg, der seit dem Hessentag über einen behindertengerechten Zugang zu den Bahnsteigen verfügt. Außerdem ist die Bahn dem Auto von der „jungen Stadt im Grünen“ aus deutlich überlegen. Ein Intercity benötigt von dort 1,18 Stunden bis Frankfurt, eine planmäßige Fahrt nach Kassel dauert 50 Minuten. Stadtallendorf zählt nicht allein: Die Stadt verfügt aus Sicht von Vizelandrat Marian Zachow (CDU) über ein Einzugsgebiet von rund 50000 Menschen, nur allein, wenn man auf den Ostkreis schaut. Fasse man das Gebiet größer, also bis Alsfeld oder Frankenberg, so wären es rund 100000 Menschen. Bürgermeister Christian Somogy (SPD) sieht jetzt eine gute Gelegenheit, noch einmal bei den Fahrplanverantwortlichen für die IC-Anbindung zu werben. „Wir müssen jetzt reagieren“, sagt Somogyi. Zachow und er sehen in dem geschmiedeten Bündnis eine Anknüpfung an eine Verkehrskonferenz im vergangenen Jahr in Stadtallendorf.

Die Bahn selbst schweigt im Augenblick zu dem Ansinnen der Beteiligten. Man könne sich erst dazu äußern, wenn der Brief dem Unternehmen vorliege, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage der OP. Bei der Information über den neuen Intercityhalt hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr allerdings in den Raum gestellt, weitere IC-Halte zumindest zu prüfen.

Es sei ein Denkprozess in Gang gekommen, meint auch Zachow auf Nachfrage. Für ihn ist der Zeitpunkt jetzt günstig, der Bahn „die ökonomische Bedeutung Stadtallendorfs und der Region bewusst zu machen.“

Doch allen Beteiligten ist bewusst, dass es noch dicke Bretter zu bohren gilt, um Stadtallendorf in Sachen Fernzugverbindung aufzuwerten. Denn das schiene nur denkbar, wenn andere, historisch bedingte IC-Systemhalte möglicherweise geschwächt würden. Stadtallendorf als ökonomisches Schwergewicht steht also in Konkurrenz, etwa zu Wabern oder Treysa. Manches historisch gewachsene habe sich im Laufe der Jahrzehnten eben verschoben, sagte Bürgermeister Somogyi, allerdings ohne die Namen der möglichen Wettbewerber um die Gunst der Bahn AG in den Mund zu nehmen.

von Michael Rinde

von Michael Rinde

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