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Breites Bündnis für ein nötiges Angebot

Sprache Breites Bündnis für ein nötiges Angebot

Was im November vergangenen Jahres begann übertrifft inzwischen alle Erwartungen. Allein in Stadtallendorf unterrichtet eine Lehrerin inzwischen 32 Kinder in ihrer Muttersprache Italienisch.

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Die Teilnehmer einer großen Runde hoben im Stadtallendorfer Rathaus den Daumen für eine langfristige Zukunft des herkunftssprachlichen Italienischunterrichts. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Stefano Barra freut sich über die Erfolge seiner elfjährigen Tochter. „Bei einer Romreise hat sie die Fremdenführung durch den Vatikan ganz allein verstanden“, sagt er gegenüber der OP. Barra ist Teil der Elterninitiative, die es möglich gemacht hat, dass italienischstämmige Kinder qualifiziert ihre Muttersprache erlernen können. Das geschieht in Stadtallendorf an der Georg-Büchner-Schule (GBS).

In Kirchhain gibt es inzwischen auch ein derartiges Angebot an der Grundschule. Innerhalb von zwei Wochen hatten sich 24 Kinder angemeldet, darunter auch viele, die Italienisch als Fremdsprache erlernen möchten. In Kirchhain ist das Angebot allerdings aktuell für Eltern noch vergleichsweise teuer, 20 Euro zahlen sie pro Monat. Dr. Salvatore Venneri von der Elterninitiative bedauert das sehr. „Ich weiß von vielen Eltern, die sich finanziell überfordert fühlen und ihre Kinder deshalb nicht angemeldet haben“, sagte er bei einer großen, hochkarätig besetzten Runde im Stadtallendorfer Rathaus. Mit am Tisch saßen beispielsweise die Bürgermeister von Stadtallendorf und Kirchhain, Christian Somogyi und Olaf Hausmann, Urban Sersch, Leiter der GBS oder Sparkassen-Vorstand Harald Schick und Claus Schäfer vom Büro für Integration. Zentrales Thema war die langfristige Sicherung dieses Angebots, das derart auf Interesse stößt und Erfolge zeigt. Unterstützung vom Land Hessen gibt es nämlich nicht. Das verweist, anders als die meisten anderen Bundesländer, auf den italienischen Staat. Doch der könne dies finanziell einfach nicht leisten, sagte Venneri nach Gesprächen mit der Botschaft.

Die Krux: Lehrerin Valentina Reggio, mit deren Arbeit alle Beteiligten nach eigenen Angaben hochzufrieden sind, soll langfristig weitermachen können. Derzeit ist sie über einen Vertrag beim Förderverein der GBS angestellt. In der Vergangenheit haben der Landkreis und die Sparkasse Marburg-Biedenkopf die Initiative unterstützt. „Wir sind dabei und wir bleiben auch dabei“, betonte Harald Schick für das Kreditinstitut.

Langfristige Sicherheit

Allerdings bräuchte es im nächsten Schritt noch exakte Zahlen, wie viel Geld aktuell fehlt, um das laufende Jahr finanziell zu sichern und auch für das Jahr 2017 Gewissheit zu schaffen. Claus Schäfer vom Büro für Integration sagte stellvertretend für den Landkreis auch zu, Möglichkeiten einer weiteren Beteiligung zu prüfen.

Doch das Bündnis, das sich im Stadtallendorfer Rathaus formiert hat, will mehr erreichen. Im Gespräch ist eine Resolution der beiden Stadtparlamente von Stadtallendorf und Kirchhain an das Kultusministerium, um dort Druck zu erzeugen. Somogyi wie auch Hausmann sagten dabei ihre Unterstützung zu.

Urban Sersch verdeutlichte den Wert des Angebots: „Das bei den Schülern vorhandene Interesse an Bildung muss einfach gefördert werden“ sagte er. Derzeit kann die Schule lediglich eine Teilnahmebestätigung ausstellen, eine Benotung oder ein Zertifikat sind nicht möglich. Dabei wäre insbesondere Letzteres für die jungen Teilnehmer sicherlich ein weiterer Ansporn. Lob für den Einsatz der GBS kam vom Ferrero-Betriebs­ratsvorsitzenden Friedhelm Lierse: „Wenn alle so kooperativ wären wie diese Schule, dann hätten wir es schon geschafft“, sagte er.

von Michael Rinde

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