Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Brand bricht in zwei Gebäuden aus

Feuer in der Tapetenfabrik Brand bricht in zwei Gebäuden aus

Der bei dem Großbrand am Sonntag entstandene Schaden geht nach Einschätzung der schwer betroffenen Marburger Tapetenfabrik definitiv in die Millionen.

Voriger Artikel
"Es war nicht alles nur Arbeit"
Nächster Artikel
Wanderer setzen auf bewährten Vorstand

Feuerwehrleute räumten am Sonntagabend die Wasserwerfer beiseite, mit denen der Brand bekämpft wurde. Rechts ist die Brücke zu sehen. Sie verbindet Produktion und das Hochregallager. 

Quelle: Michael Rinde

Kirchhain. Ein 21-jähriger, offenbar psychisch kranker Gießener, hat gestanden, das Feuer im Keller der Druckereigebäude der Marburger Tapetenfabrik (MT) gelegt zu haben. Er war in einem Lebensmittelmarkt in Amöneburg nach einem Einbruch festgenommen worden. Es gebe keinerlei Hinweise, dass der Mann auch dort habe Feuer legen wollen, sagte gestern Annemarie Wied, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft.

 

Warum der Mann in dem Gebäude der MT Feuer legte, bleibt unklar. Die Feuerwehren hatten am Sonntag zunächst auch mit einem Brandherd im Erdgeschoss des Hochregallagers zu kämpfen. Doch wie konnte sich der Brand vom brennenden Druckereigebäude bis zum Hochregallager ausbreiten? Die beiden Gebäude sind nur über eine Brücke miteinander verbunden. „Wir hatten zwei Brandherde, im Keller der Druckerei und am Hochregallager. Für uns ist nicht erkennbar gewesen, warum sich das Feuer dahin ausgebreitet haben sollte“, sagte Kreisbrandmeister Stephan Schienbein gestern.

Damit scheint klar, dass der mutmaßliche Brandstifter an zwei Stellen gleichzeitig aktiv gewesen sein dürfte. Hierzu gab es auf Nachfrage dieser Zeitung gestern jedoch noch keine Aussage seitens der Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Im von dem Feuer schwer getroffenen Unternehmen mit insgesamt rund 360 Mitarbeitern war gestern eine Bestandsaufnahme angesagt. Das einsturzgefährdete Gebäude, in dem die Druckerei Schröder, die Mustermacherei und das Unternehmen „Marburger Technik“ untergebracht waren, ist nicht mehr zu retten.

Hochregallager ist zurzeit nicht nutzbar

Jene Brücke, die die Feuerwehr dank massivem Kräfte­einsatz retten konnte, wird in den nächsten Tagen mit einer Hilfskonstruktion versehen, wie Dieter Buhmann von der Unternehmensleistung gestern gegenüber der OP erläuterte. Dann wäre die Statik der Brücke gesichert. Damit könnte das Unternehmen auch wieder auf das Hochregallager zugreifen, das für Produktion wie Auslieferung unersetzlich ist. „Wir hoffen, dass wir die rollenweise Auslieferung nächste Woche wieder aufnehmen können“, sagte Buhmann. Natürlich wolle das Unternehmen die Halle wieder aufbauen. Doch das wird logischerweise Monate dauern. Gegen den Betriebsausfall ist die Marburger Tapetenfabrik versichert.

Der Gesamtschaden für das Unternehmen geht definitiv in die Millionen. Neben dem Gebäude vernichteten die Flammen unter anderem auch eine erst wenige Monate alte Druckmaschine. Noch nicht abzuschätzen ist auch der Schaden, den die Sprinkleranlage und das Löschwasser in der zum Hochregallager gehörenden Kommissionierung angerichtet hat. Glücklicherweise ließ sich aber das lebenswichtige EDV-System des Unternehmens bereits gestern Vormittag wieder in Betrieb nehmen.

Aus der Brandruine drangen gestern Nachmittag vereinzelt immer noch Rauchwölkchen. Geborstene Betonsäulen verdeutlichten, wie sehr das Feuer im Keller der Halle gewütet hatte. Für die Feuerwehr endete der Großeinsatz erst gestern Morgen gegen 7 Uhr. Die Feuerwehr Emsdorf hatte die nächtliche Brandwache, das Technische Hilfswerk die Ausleuchtung übernommen, wie Schienbein erläuterte. Am Sonntagabend musste die Feuerwehr auch noch Streusalz einsetzen, da das Löschwasser auf dem Gelände gefror.

Eiskalter Wind hatte Konsequenzen

250 Einsatzkräfte waren am Sonntag an der Bekämpfung des offenbar gelegten Großbrandes insgesamt beteiligt. Die Schnelle Einsatzgruppe Ost des Roten Kreuzes hatte die Versorgung der eingesetzten Feuerwehrleute übernommen, unter anderem mit einer warmen Mahlzeit. „Das hat sehr gut funktioniert“, sagte Schienbein. Es habe sich wieder gezeigt, dass der Kreis bei solchen nicht alltäglichen Großeinsätzen in der Lage sei, schnell Einsatzkräfte zusammenzuziehen. Der heftige, eiskalte Wind am Sonntag hatte gleich mehrere Konsequenzen. Zum einen fachte er das Feuer im Druckereigebäude an, zum anderen half er dabei, dass sich die Rauchgase schnell verflüchtigten. Er war aber auch für die Feuerwehrleute im Einsatz eine große Belastung. „Einige von uns sind am Sonntag an ihre Belastungsgrenzen gekommen“, sagte Gordon Schneider, Sprecher der Kirchhainer Feuerwehren.

Ab 7.30 Uhr waren Feuerwehrleute und Bauhof ihrerseits damit beschäftigt, das beim Großbrand benutzte Material wieder einsatzbereit zu bekommen. Mehrere Kilometer Schlauch mussten zu den Feuerwehren nach Marburg und Biedenkopf transportiert werden, um dort gereinigt zu werden. „Der Stützpunkt glich am Morgen zuerst einem Schlachtfeld“, fasste es Gordon Schneider, zusammen. Die Einsatzbereitschaft war aber jederzeit sichergestellt. Während des Großbrandes hatte sie Feuerwehren aus Stadtallendorf und Marburg gewährleistet.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr