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Bracht setzt auf den Brennstoff Stroh

Viertes Rauschenberger Bioenergiedorf? Bracht setzt auf den Brennstoff Stroh

Wird Bracht Rauschenbergs viertes Bioenergiedorf? Die Stadt möchte jetzt die Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen. Diese ist Voraussetzung für das Projekt.

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Strohrollen liegen auf einem abgeernteten Feld am Ortsrand von Bracht-Siedlung. Mit Stroh könnten, so eine Ideenskizze, Nahwärmenetze in Bracht beheizt werden. Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. „Wie wollen die Bioenergie in Rauschenberg weiter ausbauen, und das Interesse in Bracht ist da“, sagte Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) der OP. Die Stadt wolle das Engagement der sehr aktiven Bevölkerung unterstützen. Deshalb werde er die Förderung der unabdingbaren Machbarkeitsstudie durch das Leader-Programm für 2015 beantragen“, sagte der Bürgermeister, der als Vorstandsvorsitzender und Motor der Bionenergiedorf-Genossenschaft zu den heimischen Bioenergie-Pionieren zählt.

Rauschenberg steht ohnehin schon in Sachen erneuerbare Energien kreisweit einsam an der Spitze. Im Stadtgebiet steht zwischen Ernsthausen und Josbach der erste Windpark des Landkreises und im Stadtwald soll ein zweiter moderner Windpark entstehen.

Die von bürgerschaftlichen Engagement getragenen Genossenschaften in den Bioenergiedörfern Josbach und Schwabendorf versorgen ihre Mitglieder mit enorm preisgünstiger und CO2-neutral erzeugte Nahwärme. In der Kernstadt ist das nächste Nahwärmenetz mit rund 150 Hausanschlüssen bereits projektiert, die Genossenschaft gegründet. Bis zum Spätherbst 2015 soll die Kernstadt die erste Bioenergiestadt des Landkreises werden.

Angesichts dieser Genese wundert es überhaupt nicht, dass auch im größten Rauschenberger Außen-Stadtteil Bracht über das Thema gesprochen wird - auch wenn die Rahmenbedingungen dort auf den ersten Blick nicht gerade ideal erscheinen. Denn im Gegensatz zu Josbach, Schwabendorf und Rauschenberg gibt es in Bracht keine Biogasanlage, die ein Nahwärmenetz mit kostenloser Abwärme aus dem Maschinenhaus versorgen könnte. Und es wird dort auch keine geben, denn die Claims für den Anbau von Silage-Mais sind kreisweit abgesteckt. Und Mais wird auf Sicht das wichtigste Substrat für den Einsatz in Biogasanlagen bleiben.

Das sieht auch Werner Metke so, der das Thema Bioenergie in Bracht im Frühjahr beim „Zukunftstag“, an dem sich die Brachter ausschließlich mit ihrer Gegenwart und Zukunft beschäftigten, auf die Tagesordnung gesetzt hatte. „Wir haben keine Biogasanlage, aber Biomasse im Überfluss“, sagte der Diplom-Agraringenieur im Gespräch mit dieser Zeitung. Damit meint er zuerst den schier unermesslichen Waldreichtum seines zu 75 Prozent vom Burgwald umgebenen Heimatdorfes, das die größte Gemarkungsfläche des Altkreises Marburg besitzt.

Mehrere dezentraleHeizquellen

Der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes und Nebenerwerbslandwirt hat auch schon Vorstellungen, wie eine Nahwärmeversorgung in Bracht aussehen könnte. Statt eines zentralen Heizkraftwerks favorisiert er mehrere dezentrale Heizquellen, die jeweils mit Holzhackschnitzeln oder Strohpellets beheizt werden. Diese dezentralen Heizquellen sollen kleinere Nahwärmenetze mit Wärme versorgen. Vorteil dieses Konzepts: Die Nahwärmeversorgung in Bracht könne organisch wachsen und müsse nicht ein einem Kraftakt verwirklicht werden. Holzhackschnitzel ließen sich im Burgwald reichlich gewinnen und Stroh sei auch verfügbar. Das Getreide-Abfallprodukt habe nicht mehr die ganz große Bedeutung in den Stallungen, sagte der Rauschenberger Stadtverordnete (SPD).

Während sich Bürgermeister Michael Emmerich eine ergebnisoffene Diskussion des Themas Bioenergie wünscht, kann sich Karin Lippert kaum vorstellen, dass ein solches Projekt in Bracht auf Ablehnung stoßen könnte. „Ich bin dem gegenüber sehr offen“, sagte die stellvertretende Ortsvorsteherin. Das Thema Bioenergiedorf Bracht stehe auf der Wunschliste des Dorfes, gehöre aber zu der Wunsch-Kategorie, die sich nur langfristig umsetzen lasse, sagte Karin Lippert.

Das Thema Klimaschutz, Energie, Ressourcen, Umwelt ist einem von sieben Arbeitskreisen zugeordnet, die sich in Bracht bilden sollen. In diese Arbeitskreise können sich Interessenten einwählen. Unter dem Motto „Bracht trifft sich“ lädt der Ortsbeirat am Dienstag, 7. Oktober, um 20 Uhr zu einer Projektbesprechung in die Mehrzweckhalle ein.

von Matthias Mayer

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