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Bracht schaut auf Schwabendorf

Kampf um den Erhalt der Grundschule Bracht schaut auf Schwabendorf

Mit einer Fülle guter Argumente und einer neuen Organisationsstruktur wollen die Brachter Bürger und die Rauschenberger Politik um den Erhalt der Grundschule kämpfen.

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Auch nach dem Jahr 2016 sollen in der Grundschule Bracht Kinder unterrichtet werden. Das wünschen zumindest Brachter Bürger und die Rauschenberger Politik. Foto: Matthias Mayer

Bracht. Das ist das Ergebnis einer Versammlung, zu der der Magistrat und der Parlamentsausschuss für Kultur, Sport und Soziales am Mittwochabend in die Mehrzweckhalle Bracht eingeladen hatte. Gut 60 Eltern, Bürger und Politiker waren gekommen und dokumentierten so die Bedeutung, die der laut Schulentwicklungsplan-Entwurf nach 2016 von der Schließung bedrohte Schulstandort für den Stadtteil hat.

Ab dem Schuljahr 2016/2017 soll die Schule laut einer Prognose nur noch 21 Kinder haben. Für den Bestand von zwei Schulklassen für je zwei Jahrgänge müssten es 26 Kinder sein. Alle vier Jahre in einer Grundschulklasse zu unterrichten gilt als pädagogisch wenig sinnvoll.

Mütter geben die Richtung der Diskussion vor

Es waren die Mütter von Schulkindern, die an diesem Abend die Richtung der Diskussion vorgaben. Es müsse möglich sein, in anderen Stadtteilen fünf Schüler für die Grundschule in Bracht zu gewinnen, sagte eine Mutter mit Blickrichtung auf das Nachbardorf Schwabendorf.

Eine aus Bracht stammende, heute aber mit ihrer Familie in Schwabendorf lebende Frau unterstützte dies. Sie habe es im letzten Augenblick die Einschulung ihrer Tochter in Bracht erreicht. Das sei für sie von großer Bedeutung gewesen, weil nur in der Brachter Kita eine Betreuung ihres Kindes bis 17 Uhr möglich sei. „Ohne den Betreuungsplatz hätte ich meine Arbeitsstelle kündigen müssen“, erklärte sie. Grundsätzlich sind die Schwabendorfer Kinder aber der Grundschule in der Kernstadt zugeordnet.

Dem Landkreis als Schulträger sei es völlig egal, ob der Schulbus von Schwabendorf aus in Richtung Rauschenberg oder nach Bracht fahre, machte die Cölber Lehrerin und Grünen-Kreistagsabgeordnete Ute Hoppe den Brachter Eltern Mut. Zudem sei die Rauschenberger Schule mit 80 Kindern auch ohne Schwabendorfer Schüler in ihrem Bestand nicht gefährdet.

Wie Pfarrer Dierk Brüning („Die Kirchengemeinde Schwabendorf-Bracht tritt geschlossen für den Erhalt des Schulstandorts ein“) warb auch Anne Schmidt für ein Aufbrechen starrer Schul-Strukturen, die nichts mehr mit den Sachzwängen und der Lebenswirklichkeit der heutigen Eltern-Generation zu tun hätten. „Wir sollten mit der Schule die Aufweichung der Grenzen diskutieren“, sagte die Leiterin der Brachter Kita. Zugleich betonte sie die hervorragende Vernetzung der Brachter Grundschule und nannte die Schlagworte Bücherei, Lesefest, Leseförderung, Bracht aktiv und die Ferienspiele, die vorbildlich nach den Buchstaben des hessischen Bildungsplans gestaltet würden.

Diese Strukturen sah Bürgermeister Manfred Barth (parteilos) für den Fall einer Schulschließung gefährdet. Mit dem Aus der Grundschule werde auch die Betreuung in Bracht sterben - mit fatalen Folgen für die Grundschüler-Betreuung in der Stadt. Die Kita in Rauschenberg werde diese Betreuunglücke aus Kapazitätsgründen niemals schließen können.

Pädagogische Gründe für den Erhalt der Schule

Eine Mutter sah das hohe Maß an Identifikation, die Brachts Grundschüler gegenüber ihrem Dorf zeigten, für den Fall einer Schulschließung gefährdet. Es gebe nur pädagogische Grüne für den Erhalt der Schule und nicht gegen diese.

Wie diese sammeln und wie weiter vorgehen? Dazu machte der Ausschuss-Vorsitzende Frank Riedig (Bündnis 90/ Die Grünen) einen Vorschlag, der den spontanen Beifall der Eltern und des Bürgermeisters fand. Ein Arbeitskreis soll sich bilden, in dem je ein Vertreter der Elternschaft, der Schule, des Ortsbeirats, des Magistrats, des Stadtparlaments, von Bracht aktiv, der Kita, des Landkreises und des Staatlichen Schulamtes zusammenarbeiten sollen, um eine gemeinsame Lösung zur Sicherung der Schule zu erarbeiten.

Der Bürgermeister kündigte an, diesen Vorschlag am Montagabend als Beschlussvorschlag in die Stadtverordnetenversammlung (20 Uhr, Storchennest Ernsthausen) einzubringen.

von Matthias Mayer

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