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Bistum will mehr auf Gläubige zugehen

Mehr als 400 Immobilien werden verkauft Bistum will mehr auf Gläubige zugehen

Wie kann Seelsorge angesichts des demographischen Wandels, der zurückgehenden Zahl der Kirchenbesucher und dem sinkenden Kirchensteueraufkommen gelingen? Um diese Fragen ging es in der Aula der Stiftsschule.

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Die „strategischen Ziele“ stellten Diözesanjugendpfarrer Thomas Renze (von links), Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke, Ordinariatsrat Peter Göb, Veronica Schilling-Pohl, Referentin im Seelsorgeamt, und Domkapitular Christof Steinert vor.

Quelle: Karin Waldhüter

Amöneburg. 150 Teilnehmer befassten sich in der Aula der Stiftsschule mit den „Strategischen Zielen zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda“. Vor 14 Jahren hatte der pastorale Prozess im Bistum Fulda begonnen, der im Jahr 2006 dazu führte, dass sich 250 Pfarreien in 48 Pastoralverbände gliederten. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und innerkirchlicher Veränderungen steht das Bistum derzeit vor einem weiteren Prozess der Neuausrichtung und des Umbaus.

Im Advent 2014 hatte Bischof Heinz Josef Algermissen die „Grundsätze für die Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda“ herausgegeben. Seit Mitte April liegen die „Strategische Ziele zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda“ vor, die der Konkretisierung der Grundsätze dienen sollen.

30 Seiten ist das Papier stark, das in den kommenden Wochen auf vier Veranstaltungen zur Diskussion steht - das Bistum will die Gläubigen schließlich in seinen Veränderungsprozess einbinden. Am Samstag stand die siebenstündige Auftaktveranstaltung mit 150 Teilnehmern aus dem Dekanat Marburg-Amöneburg in der Aula der Stiftsschule auf dem Programm.

Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke, Domkapitular Christof Steinert und Ordinariatsrat Peter Göb stellten die strategischen Ziele vor. Die Veranstaltung moderierten Dr. Valentin Dessoy, Diözesanjugendpfarrer Thomas Renze und Referentin Veronica Schilling-Pohl.

Neue Gottesdienstformen geplant

Für die kommenden 15 Jahre hat sich das Bistum Fulda viel vorgenommen: Es soll neue Gottesdienstformen geben, Verwaltungsmitarbeiter sollen Pfarrer entlasten, Ehrenamtliche verstärkt für die Verkündigung der christlichen Botschaft gewonnen werden und für suchende Menschen soll mehr Zeit aufgewendet werden. Des Weiteren will das Bistum die Zahl der Immobilien reduzieren - und vor allem nicht mehr nur darauf warten, dass die Menschen in die Kirche kommen: Unter dem Stichwort „Geh-hin-Kirche“ möchte die Kirche auf die Menschen zugehen.

„Es wird einen Richtungswechsel, einen Blickwechsel geben. Ändern werden sich die Wege, die wir gehen wollen und auch die Menschen, die wir erreichen wollen. Der Blick soll nach außen gehen. Die Kirche soll dort sein, wo die Menschen sind“, unterstreicht General­vikar Prof. Dr. Gerhard Stanke im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir wollen in allen Feldern Gesicht zeigen und bei den Menschen sein, vor allem bei denen, die in einer schweren Situation sind“, sagt er.

Derzeit verfügt das Bistum über 153 eigene Priester im aktiven Dienst, rund 100 Ruheständler, die mithelfen und etwa 40 Ordensleute und ausländische Priester. Um die entstehende Deckungslücke im Jahr 2035 zu schließen, will sich das Bistum um eigene Kräfte bemühen - aber auch um ausländische Priester. Verabschieden wird sich das Bistum von der additiven Pastoral, also von der Tatsache, dass immer weniger etwas tun und immer mehr Arbeit auf wenige verteilt wird.

Hauptamtliche sollten Verwaltung der Gemeinde übernehmen

Es erfolge eine Aufteilung der Arbeit, so Domkapitular Christof Steinert. Die Arbeit werde nicht mehr nur auf den Schultern des Pfarrers ruhen: Hauptamtliche sollten die Verwaltung der Gemeinde übernehmen. Zudem ist geplant, die Arbeit in den Schulen zu intensivieren. „17 Stellen werden im Bistum geschaffen, die in den Schulen präsent sind“, so Steinert.

Derzeit verfügt das Bistum über 800 bis 900 Immobilien. Sie sollen den Erfordernissen „angepasst“ und ihre Anzahl bis 2030 um etwa 50 Prozent reduziert werden. „Das erscheint uns realistisch“, betont Ordinariatsrat Peter Göb.

Diskutiert wurden im Verlauf des Tages die „Strategischen Ziele“ in Gesprächsgruppen und einer Fragerunde, in der die Teilnehmer auch Stellung zu einzelnen Themen beziehen konnten. So kritisierte zum Beispiel ein Besucher das Dokument als schwer verständlich, ein anderer bemerkte, dass es von oben herab gedacht sei. „Ich sehe viel Hoffnung in dem, was sie heute präsentiert haben“, erklärte ein anderer Besucher.

„Ich möchte, dass die katholische Kirche eine Zukunft hat und setze mich extrem dafür ein“, sagte Bernhard Gattung von der St.-Franziskus-Gemeinde in Cappel. Folgen werden drei weitere „Konsultationsveranstaltungen“: am 7. Mai in der Kopernikusschule in Somborn, am 21. Mai in der Engelsburg in Kassel und am 11. Juni im Marianum Fulda. Zudem nimmt das Bistum Rückmeldungen schriftlich entgegen - die dann auch in die strategischen Ziele einfließen und am Ende „verbindliche Grundlage“ für die Neuausrichtung sein sollen.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Bistums Fulda www.bistum-fulda.de

von Karin Waldhüter

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