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Bisher reagiert nur die „Herrenwald“

Bisher reagiert nur die „Herrenwald“

Seit ungefähr 15 Jahren gibt es erstmals wieder Pläne für den Bau neuer Sozialwohnungen in Stadtallendorf. Die Stadt verkauft der Siedlungsgenossenschaft Herrenwald ein Grundstück.

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Gewichtige Wünsche und eine Ansage

Dieses Grundstück wird die Siedlungsgenossenschaft für ihr Bauprojekt kaufen, sobald die ­beantragte Förderung genehmigt ist. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Dass der Wohnungsmarkt in der zweitgrößten Stadt des Kreises angespannt ist, ist unumstritten. Wie groß der Bedarf an Wohnungen genau ist, lässt sich nicht beziffern. Allerdings lagen den großen Wohnungsbaugesellschaften, Stand Februar, Anmeldungen für rund 150 Wohnungen vor, mit und ohne Sozialbindung. Diese Zahl hatte die Stadtverwaltung nach einer Anfrage der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen genannt. Eigene Erhebungen macht die Stadt, seitdem sie keine Wohnungsvermittlung mehr hat, nicht mehr, also seit etwa 15 Jahren. Wie belastbar diese Zahl 150 ist, lässt sich nicht klären. Denn es ist davon auszugehen, dass sich Wohnungssuchende bei mehreren Gesellschaften angemeldet haben.

„Es ist wieder attraktiver geworden, in Stadtallendorf zu wohnen“, sagt Bürgermeister Christian Somogyi (SPD). Allerdings gab es zwischenzeitlich angesichts der neuen Förderungen durch Land und Bund für den Wohnungsbau Gespräche mit den Wohnungsbaugesellschaften. Ein positives Feedback gab es nur von der „Herrenwald“. Aus dem Feedback ist, wie die OP erfuhr, inzwischen ein konkretes Bauvorhaben geworden. Die „Herrenwald“ will die Fördermöglichkeiten nutzen. Dazu brauchte sie allerdings zunächst ein freies Baugrundstück. Das fand sich bei der Stadt an der Gießener Straße/Ecke Weilburger Straße. Der Magistrat habe dem Verkauf an die „Herrenwald“ bereits zugestimmt, erläutert Bürgermeister Christian Somogyi (SPD).

Zwischenzeitlich hat die Siedlungsgenossenschaft auch erste konkrete Planungen entwickelt, wie Geschäftsführer Konrad Busch im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert. Die waren auch Voraussetzung für einen Förderantrag bei der Wi-Bank, die die Landes- und Bundesgelder verwaltet. Elf Wohnungen mit Sozialbindungen sind vorgesehen. Folgende Wohnungsgrößen, sind nach derzeitigem Stand geplant: 6 mit jeweils 80 Quadratmeter Grundfläche, 2 mit jeweils 57 Quadratmetern und 3 mit je 40 Quadratmetern.

Fehlbelegungsabgabebringt zunächst Aufwand

Wie schnell dieser Neubau zur Verfügung steht, ist aber noch nicht klar. Die „Herrenwald“ darf ohnehin erst beginnen, wenn sie einen Förderbescheid erhalten hat. Ein Baubeginn in diesem Jahr ist ausgeschlossen. „Wir müssen erst unser Projekt in der Niederkleiner Straße 37 abschließen“, sagt Busch. Dort hat die Genossenschaft einen Neubau für 30 seniorengerechte Wohnungen hingestellt. Sie werden von der Awo angemietet, die sie weiter vermietet. Am 1. August übergibt die Herrenwald den Neubau an die Awo.

Elf neue Sozialwohnungen sind bei aller Initiative der Siedlungsgenossenschaft aber möglicherweise nicht mehr als der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“. Zumal die Siedlungsgenossenschaft auf der anderen Seite für die Geschäftsgebäude in der Niederkleiner Straße auch alte, als nicht mehr sanierbar eingestufte Wohnungen aufgegeben hat. Rund 700 Wohnungen hat die Genossenschaft aktuell noch in ihrem Bestand, verteilt auf das gesamte Stadtgebiet. Jährlich investiere die „Herrenwald“ einen sehr hohen Betrag in die Renovierung und Instandsetzung ihrer Wohnungen, macht Busch klar.

Ein Teil jener neuen Wohnungen in der Gießener Straße könnte auch barrierefrei gestaltet werden. Das werde derzeit geprüft. Zuletzt hatte der Verein fib im vergangenen Jahr deutlich gemacht, wie groß die Not in diesem besonderen Segment des Wohnungsmarktes ist - gerade auch in Stadtallendorf.

Ab 1. Juli gilt in Hessen wieder die Fehlbelegungsabgabe. Mieter, deren Einkommen zu hoch für eine öffentlich geförderte Wohnung ist, müssen sie bezahlen. Diese Einnahmen müssen Städte und Gemeinden für sozialen Wohnungsbau verwenden. In Stadtallendorf wie auch anderen Kommunen ist völlig offen, wie viele Mieter betroffen sein könnten und welche Einnahmen die Stadt durch die Abgabe haben wird. Etwa 600 Mieter hat die Verwaltung angeschrieben, um ihre Einkommen abzufragen.

In Stadtallendorf haben aktuell 812 Wohnungen eine Sozialbindung. Ergebnisse sind erst möglich, wenn alle Antworten vorliegen. Der Aufwand für die Verwaltung ist erheblich. „Wir können erst sagen, was wir mit dem Geld machen, wenn wir wissen, wie viel es sein wird“, sagt Somogyi.

von Michael Rinde

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