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Ausstellung

Bilder spiegeln Alltag zwischen Fronten

Sie zeigte mit einfachen Mitteln auf beeindruckende Weise die Folgen von Krieg und Gewalt. Ab dem 20. Mai sind Originalaufnahmen von Anja Niedringhaus in Stadtallendorf zu sehen.
Bürgermeister Christian Somogyi (von links), Professorin Sigrid Hofer und Fördervereinsvorsitzender Oberstleutnant Frank Hille zeigen das Plakat der Niedringhaus-Ausstellung.  Foto: Michael Rinde

Bürgermeister Christian Somogyi (von links), Professorin Sigrid Hofer und Fördervereinsvorsitzender Oberstleutnant Frank Hille zeigen das Plakat der Niedringhaus-Ausstellung.

© Michael Rinde

Stadtallendorf. 60 Bildjournalisten wurden allein im Jahr 2014 während ihrer Arbeit in Kriegsgebieten getötet. Eine von ihnen war die deutsche Fotografin und Reporterin Anja Niedringhaus. Ein afghanischer Polizist tötete sie, während sie in einem Auto auf ihre Weiterfahrt wartete.

Das hat ihren Namen einer breiten Masse in Deutschland bewusst gemacht. Ihre Bilder waren deutschen und internationalen Zeitungslesern seit Jahrzehnten bekannt. Eine vergleichsweise winzige Auswahl von 76 Originalbildern von Anja Niedringhaus ist ab Freitag nächster Woche in einer einzig dafür konzipierten Ausstellung in der Stadthalle Stadtallendorf zu sehen. Konzipiert hat die Ausstellung die Marburger Kunsthistorikerin Professorin Sigrid Hofer.

Der Förderverein Division Schnelle Kräfte, der in Not geratene Soldaten unterstützt und sich zugleich der Öffentlichkeitsarbeit verschrieben hat, ist Veranstalter der Ausstellung mit dem Titel „Leben zwischen den Fronten - Fotografien aus Krisengebieten 2001 bis 2014“.

Der Titel ist eine Idee der Veranstalter und charakterisiert bereits, was Anja Niedringhaus’ Arbeiten zu etwas Besonderem in der Kriegsfotografie macht. Ihr gelang es, den Alltag zwischen Zerstörung, Krieg und Gewalt abzubilden.

Ausstellung nach Krisengebieten geordnet

Sei es das lachende Kind mit der Maschinepistole in der Hand, das auf einem Kettenkarussell fährt. Mitten in Kabul im Jahr 2009. Oder seien es die Bilder, die Soldaten in ihren Gefechtspausen zeigen. Auf den Bildern, die sie gesichtet habe, seien Gut und Böse, die Kriegsparteien, eben nicht gleich erkennbar, sagt Kuratorin Hofer. Es gebe keine einfache Zuweisung. Das soll sich auch in der Ausstellung widerspiegeln. Sigrid Hofer stand vor der Frage, wie sie die Ausstellung aufbauen wird. Zunächst ging es um die Auswahl. Die Bilder entstammen der Niedringhaus-Ausstellung „At war“. Hofer entschied sich, die ausgestellten Originalaufnahmen nach den Krisengebieten zu gliedern. Niedringhaus arbeitete unter anderem im Irak, in Afghanistan, auf dem Balkan oder im Libanon. Eine Chronologie kam nicht in Frage. Denn bei den Folgen des Krieges für Zivilisten wie Soldaten gebe es keine Entwicklung, formuliert Hofer.

Anja Niedringhaus arbeitete als Reporterin, das heißt, sie hatte auch begonnen zu schreiben. „Doch sie hatte sich auf das Bild festgelegt, weil sie sich dessen Wirkungskraft bewusst war“, sagt Sigrid Hofer. Anja Niedringhaus hat über ihre Arbeit einmal den Satz geprägt: „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt.“

Eintritt zur Ausstellung ist frei

Wie bei allen Beiträgen, die der Förderverein Division Schnelle Kräfte in den vergangenen Jahren zu den Kunst- und Kulturtagen leistete, ist auch die Ausstellung „Zwischen den Fronten“ eintrittsfrei. Das gilt auch für die öffentliche Vernissage am 20. Mai ab 18 Uhr in der Stadthalle. „Wir wollen mit der Ausstellung zeigen, was unsere Soldaten in Einsätzen erleben“, sagt Frank Hille. Der Verein engagiere sich für die Wertschätzung für Soldaten im Einsatz. Die Organisation und Gestaltung stellten alle beteiligten Ehrenamtlichen in den vergangenen Monaten vor große Herausforderungen und erforderten viel Arbeit. Unterstützung gab es unter anderem durch die Stadt Stadtallendorf, aber auch durch Spender. Um Spenden bittet der Verein auch während der Ausstellung. Bei der Vernissage wird Sigrid Hofer eine Einführung in die Ausstellung geben. Außerdem berichtet dort Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de, über seine Arbeit in Krisengebieten. Bei der Vernissage wird es auch einen Büchertisch geben. Außerdem spielt die Band „Frankfurt Hotel“. An der Vernissage wird voraussichtlich auch Heide-Ute Niedringhaus-Schulz, die Mutter der ermordeten Fotografin, teilnehmen.

  • Öffnungszeiten: Die Ausstellung wird bis zum 9. Juni zu sehen sein. Sie ist dienstags bis freitags von 15 bis 20 Uhr, samstags, sonntags und an Fronleichnam von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen gibt es samstags ab 15 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 06428/9382110, E-Mail info@fv-dsk.de

von Michael Rinde


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