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Bienenexperten bekommen mehr Platz

Kirchhain Bienenexperten bekommen mehr Platz

Die Investition, die das Land beim Bieneninstitut plant, bedeutet für die europaweit arbeitende Institution ein Ende eines längeren Sanierungsstaus und ein Bekenntnis zum Standort Kirchhain. 2,5 Millionen Euro gibt das Land aus.

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Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich verkündete gestern in Kirchhain die Investitionen in das Bieneninstitut. Der Altbau in der Erlenstraße wird ab August energetisch saniert. Er erhält ein Dämmsystem, neue Fenster und Türen und moderne Heiztechnik. Fotos: Michael Rinde

Kirchhain. Das zentrale Gebäude des Kirchhainer Bieneninstituts in der Erlenstraße wird auf einen zeitgemäßen Energiesparstandard gebracht. Gleichzeitig bekommt das Institut in der Erlenstraße bis zum Jahr 2015 einen Neubau. Damit erhält die beengt im Keller untergebrachte Imkerei ein dem Bedarf gerecht werdendes Wirtschaftsgebäude.

Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) informierte sich gestern in Kirchhain über die Arbeit des Instituts und stellte zugleich die Investitionen des Landes in die renommierte Einrichtung vor. Die energetische Sanierung des großen Altbaues soll nach Berechnungen von Architekten rund acht Tonnen Kohlendioxid-Einsparung jährlich bringen. Fenster und Türen müssen ausgetauscht werden, das Gebäude bekommt eine Isolierung, die bereits an den Fundamenten beginnt. Diese Arbeiten sollen bereits Mitte August beginnen.

Stadt Kirchhain und Bieneninstitut pflegen eine sehr enge Beziehung, woran gestern auch Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) erinnerte. Jüngstes Beispiel ist die Kooperation beim Projekt „Kirchhain blüht“. „Wir befruchten uns gegenseitig“, betonte Kirchner.

Bis zum Spatenstich für den Neubau vergeht noch ein wenig mehr Zeit. Derzeit wird der Bauantrag vorbereitet. Land und Landkreis Marburg-Biedenkopf hatten erst vor wenigen Wochen die Grundstücksfrage gelöst. So erwirbt das Land Hessen ein Grundstück, das bisher zu den beruflichen Schulen Kirchhain gehörte. Eingebunden ist auch der Landesverband der hessischen Imker. Das Gebäude, in dem derzeit die Schneiderei der beruflichen Schulen untergebracht ist, wird spätestens in zwei Jahren vom Landesverband der Imker übernommen. „Das schafft dem Bieneninstitut dann auch wieder Platz“, sagte Landesverbandsvorsitzender Manfred Ritz.

„Die Schneiderei wird dann in vorhandenen Räumen der beruflichen Schulen unterkommen“, erläuterte Dr. Karsten McGovern, Schuldezernent des Kreises. Das sei organisatorisch möglich und in den nächsten beiden Jahren zu realisieren.

Rund 5 Tonnen Honig gewinnt das Bieneninstitut Kirchhain, das auch eine Versuchs- und Lehrimkerei betreibt, durch seine rund 300 eigenen Bienenvölker. Im Neubau wird die Honigverarbeitung künftig viel einfacher möglich sein als bisher.

Umweltministerin Puttrich hob zwei Schwerpunkte bei der Arbeit des Bieneninstituts in Kirchhain heraus: dessen Beratungsangebot und Hilfeleistung für die Hobbyimker und die Forschungsleistungen. Das Bieneninstitut ist beispielsweise am europaweiten „Monitoring, sprich dem Erfassen von Daten rund um Zahl und Situation der Bienenvölker beteiligt, forscht auch bei den Konsequenzen von Pflanzenschutzmitteln für die Bienenpopulation. Ein Schwerpunkt bei der Forschung bleibt auch die Erkennung und Bekämpfung der Varroa-Milbe. Diese Milbe ist laut Dr. Ralph Büchler, dem Leiter des Bieneninstituts Kirchhain, Hauptursache für die Verluste bei den Bienenvölkern. Die Varroamilbe überträgt verschiedene Infektionskrankheiten in die Bienenstöcke.

Büchlers Vision ist die Zucht einer Bienenart, die von der Varroamilbe nicht mehr befallen wird. „Dann könnten wir auf Medikamente ganz verzichten“, unterstreicht Büchler die Bedeutung eines solchen Zuchterfolges, auf den seine Mannschaft und er hinarbeiten. Das Bieneninstitut züchtet generell auch selbst, unter anderem jährlich rund 1000 Königinnen.

Umweltministerin Puttrich erhielt gestern einen Einblick in die vielfältige Arbeit des Instituts, das zum Landesbetrieb Landwirtschaft gehört. Zu den Rundgangsstationen gehörte auch das Labor. Dort erbringt das Institut auch eine wichtige Leistung für Imker. So werden dort Bienen auf Krankheiten untersucht. An einem kleinen Stand im Freien führten Institutsmitarbeiter eine einfache Methode zum Erkennen des Befalls von Bienenvölkern mit der Varroa-Milbe vor - mit Hilfe von Puderzucker. Dr. Büchler warb gegenüber der OP dafür, dass sich Imker in diesen Wochen intensiv mit der Untersuchung ihrer Völker auf Varroabefall befassen sollten.

Behandeln ließe sich der Milbenbefall unter anderem mit Ameisensäure. Dabei komme es allerdings auf die richtige Mischung und die Witterung an, erläuterte eine Expertin des Bieneninstituts Kirchhain bei der Vorführung.

Am Rande des Besuchs von Lucia Puttrich gab Institutsleiter Büchler gegenüber der OP auch eine aktuelle Prognose zur Honigernte ab: Der Auftakt nach dem verregneten Mai sei katastrophal gewesen. „Doch inzwischen konnten die Bienenvölker aufholen, unter anderem, weil die Linden länger geblüht haben“, sagt Büchler. Daher rechne er derzeit mit einem unterdurchschnittlichen, aber keinem Katastrophen-Erntejahr. „Wobei es von den Imkern auch ganz unterschiedliche Rückmeldungen gibt“, schränkt Büchler ein.

von Michael Rinde

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