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Bewohner akzeptieren längeren Weg

Flüchtlinge in der Hessen-Kaserne Bewohner akzeptieren längeren Weg

Die Katastrophenschutzzelte neben dem Bundeswehr-Hallenbad sind zwischenzeitlich komplett verschwunden. Eine Fachfirma hatte den Abbau für das Land erledigt.

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Einige Versorgungszelte und zusammengeräumter Müll waren vor einigen Tagen die letzten Überbleibsel des Stadtallendorfer Zeltcamps. 

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Ganz aktuell leben exakt 400 Flüchtlinge verschiedener Nationen in der „Außenstelle Stadtallendorf der Erstaufnahmeeinrichtung“, also in den bereits hergerichteten früheren Unterkunftsgebäuden in der Hessen-Kaserne. Damit wäre dort momentan sogar noch Platz für die Aufnahme weiterer Menschen.

Im ersten Ausbauabschnitt hatte das Land Platz für bis zu 750 Flüchtlinge in diesem Teil der Hessen-Kaserne vorgesehen. Erst gestern hatte Hessens Sozialminister Stefan Grüttner erklärt, dass das Land aktuell ausreichend Kapazitäten für die erste Unterbringung von Flüchtlingen hat. (mehr dazu auf unserer heutigen „Hessen“-Seite).

Hörsaalgebäude wird hergerichtet

Derzeit lässt das Hessische Baumanagement noch ein früheres Hörsaalgebäude der Bundeswehr herrichten. Künftig sollen dort Kinderbetreuung und weitere soziale Angebote vom Betreiber möglich sein. Die Stadtallendorfer Erstaufnahmeeinrichtung wird wie bisher auch das Zeltcamp vom Deutschen Roten Kreuz im Auftrag des Landes betreiben.

Wie zugesagt, hat das Land die mehr als 50 Zelte neben dem Bundeswehr-Hallenbad inzwischen abgebaut. Im Dezember hatte es noch Befürchtungen gegeben, dass Land könnte die Zelte „gleich für das Frühjahr stehenlassen“, wie es der Besucher einer Infoveranstaltung der Stadt vor Wochen formulierte.

Den Abbau übernahm das Unternehmen, das früher für die Reinigung im Camp verantwortlich war. In der Bundeswehr-Turnhalle wurden sämtliche Umbauten wie etwa die Zwischenwände wieder abgebaut.

Erste Erfahrungen sind positiv

Aus Sicht des Regierungspräsidiums hat sich der Betrieb in der neuen Bleibe inzwischen gut eingespielt. „Die ersten Erfahrungen in den neuen Räumlichkeiten sind durchaus positiv. Natürlich läuft noch nicht alles ganz perfekt, etwaige Mängel fallen manchmal erst im tatsächlichen Betrieb auf“, erklärt Ina Velte, stellvertretende Pressesprecherin der Behörde. Da in direkter Nachbarschaft auch immer noch Baufirmen für das Land im Einsatz sind, lassen sich diese Probleme auch zeitnahe beheben.

Auch der Speisesaal, das frühere Mannschaftsheim, ist laut RP inzwischen voll nutzbar. Dort findet nur eine Essensausgabe statt, gekocht werden kann dort nicht. Die früheren Küchen lassen sich nicht wiederherstellen.

In Stadtallendorf hatte es im Dezember teilweise heftige Auseinandersetzungen darum gegeben, welchen Fußweg die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung letztlich nehmen sollen beziehungsweise dürfen. Schließlich nutzt die Bundeswehr immer noch Gebäude und Flächen in der Hessen-Kaserne.

Hauptzufahrt ist zweigeteilt

Nach außen ist das allein schon dadurch erkennbar, dass die frühere Hauptzufahrt am Kasernentor durch einen Zaun zweigeteilt worden ist. Links fahren Bundeswehr-Fahrzeuge hindurch, rechts Fahrzeuge, die zur Erstaufnahmeeinrichtung möchten. Der Fußweg führt jetzt letztlich durch die Kaserne über den früheren Mobilmachungsstützpunkt in die Scharnhorststraße und von dort aus dann in die Stadt.

Dieser Weg ist länger als die zunächst angedachte Variante über einen Waldweg in den Schmiedeweg in der Rohrbornsiedlung.

Weder beim Regierungspräsidium noch beim Leiter der Polizeistation Stadtallendorf gab es bisher Beschwerden von Bewohnern der Scharnhorststraße oder aus dem Schmiedeweg im Zusammenhang mit Flüchtlingen. „Die Wegeführung wird durch unsere Bewohner akzeptiert“, fasste es Ina Velte zusammen.

Einzelne Bewohner liefen zwar nach wie vor über die Artilleriestraße, berichtet Ina Velte. Aber das werde sich nie ganz ausschließen lassen.

Für die Polizei in Stadtallendorf hat sich die Situation nach dem Umzug der Flüchtlinge in ihre feste Unterkunft nicht verändert. „Schon zuzeiten des Zeltcamps war es relativ ruhig. Es gab dort keine größeren Einsätze über Gebühr“, erklärt Heinz Frank, Leiter der Polizeistation Stadtallendorf, auf Anfrage der OP.

Land plant weiter mit 1200 Plätzen

An der Absicht des Landes, in Teilen der Hessen-Kaserne am Ende bis zu 1200 Menschen unterzubringen, hat sich nichts verändert, wie Ralph Pietzonka, Sprecher des hessischen Finanzministeriums, erläutert. Der zweite Ausbauabschnitt sei bereits in Auftrag gegeben, mit seiner Fertigstellung rechnet das Ministerium im Laufe des zweiten Quartals. Über den dritten Ausbauabschnitt ist indessen noch nicht entschieden.

Zu den Gesamt-Baukosten gibt es keine Aussage seitens des Finanzministeriums. Für den ersten Bauabschnitt waren einmal Beträge zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro angesetzt worden. Nach OP-Informationen liegen die bisherigen Kosten aber unter den Erwartungen.

Welche Summe am Ende stehen wird, wenn tatsächlich alle dem Land überlassenen Gebäude saniert werden, bleibt abzuwarten. Das Finanzministerium weist darauf hin, dass sich auch der Bund bereiterklärt habe, Kosten für Arbeiten an seinen Gebäuden zu übernehmen.

von Michael Rinde

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