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Bewegendes Spiel zu dunklen Ereignissen

"Stolpersteine" Bewegendes Spiel zu dunklen Ereignissen

Weit über 100 Besucher reagierten bei der Informationsveranstaltung, bei der über das Projekt „Stolpersteine“ informiert und an die Judenverfolgung in Kirchhain erinnert wurde, teilweise sehr betroffen.

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Oberstufen-Schüler der AWS beeindruckten die Besucher mit ihrer szenischen Darstellung.

Quelle: Klaus Böttcher

Kirchhain. „Stolpersteine in Kirchhain - Steine gegen das Vergessen“, hatten die Organisatoren den Abend und das ganze Projekt überschrieben. Organisatoren sind die Mitglieder des Arbeitskreises „Stolpersteine“. Dazu zählen neben Stadtverordneten der Heimat- und Geschichtsverein, der Arbeitskreis Ökumene der Stadtverwaltung sowie Lehrer und Schüler der Alfred-Wegener-Schule (AWS). Ihr Ziel ist es, die Erinnerung wachzuhalten, die Erinnerung an die vertriebenen oder ermordeten Kirchhainer jüdischen Familien oder andere Kirchhainer Opfer des Nationalsozialismus.

Bürgermeister Jochen Kirchner erinnerte daran, dass die Idee aus der Schule gekommen sei und von der Stadtverordnetenversammlung gerne aufgegriffen wurde. Die Erhebung und Katalogisierung habe schon stattgefunden. Da es etwa 80 Häuser betreffe, handele es sich um ein Projekt, das über Jahre gehe. Mit dem Künstler Gunter Demnig, der schon seit 20 Jahren Stolpersteine verlegt (die OP berichtete), habe man schon gesprochen, erklärte Kirchner. „Er setzt die Steine alle persönlich. Im Sommer sollen die ersten Steine gesetzt werden“ , kündigte Kirchner an.

„Man trifft unerwartet auf Steine, bückt sich und liest“

Nach einem Film der AWS „Warum Stolpersteine“ erklärte Kerstin Ebert, die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, das Projekt. „Man trifft unerwartet auf Steine, bückt sich und liest“, beschrieb sie den Effekt. Die Stolpersteine sind Messingplatten und 10 mal 10 Zentimeter groß. Sie werden vor dem letzten frei gewählten Wohnort der jüdischen Familie eingelassen. Die Platten enthalten Namen, Geburtsjahr und Angaben zum weiteren Schicksal, den Tag der Deportation oder das Todesdatum der Opfer.

„Wir möchten Zweifler von dem Projekt überzeugen“, sagte Ebert zu der Veranstaltung. Mit den Eigentümern der Häuser, vor denen die Platten eingelassen werden sollen, hätte man schon gesprochen. Sie wären sehr aufgeschlossen für das Projekt. „Ein Stein kostet 120 Euro“, erklärte Ebert zu den Kosten.

Verein sammelt Spenden, um Steine zu finanzieren

Bei 55 bis 60 Häusern würden rund 20000 Euro benötigt. Das Projekt wird nur aus Spenden finanziert, wozu der Heimat- und Geschichtsverein ein Spendenkonto eingerichtet hat.

Harald Pausch vom Heimat- und Geschichtsverein sowie Schülerinnen und Schüler stellten stellvertretend für alle jüdischen Familien das Schicksal der Familien Wertheim und Strauss vor. Höhepunkt der Veranstaltung war die szenische Collage von 15 Mädchen und Jungen, die der Oberstufe der AWS angehören. Alle ganz in schwarz gekleidet, beeindruckten sie durch ihre Darstellung und ihre Erzählungen über das Leben der jüdischen Familien in Kirchhain und was mit ihnen im Dritten Reich passiert ist. Während der Darstellung und danach waren die Zuhörer sehr betroffen.

Eigentlich wollte niemand angesichts der Inhalte klatschen. Aber die großartige Leistung der jungen Menschen fand dann doch Anerkennung durch Beifall. Der Leiter der AWS Matthias Bosse sprach von einer denkwürdigen Veranstaltung. Er sei froh in Kirchhain zu sein, einer Stadt, wo Stadt, Kirche, Geschichtsverein und Schule so gut zusammenarbeiteten. „Ihnen ist es vortrefflich gelungen, den damaligen Zuständen ein Gesicht zu geben“, sagte Bosse über die Leistung seiner Schüler an diesem Abend.

Die Veranstaltung wurde durch eine Ausstellung ergänzt, bei der die Mitglieder des Geschichtsleistungskurses der AWS auf großen Tafeln an das Leben der Juden in Deutschland und Kirchhain vor 1933 im Nationalsozialismus und nach 1945 erinnerten.

von Klaus Böttcher

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