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Betziesdorfer zieht‘s zum Nachbarn

Kirchengemeinde in den roten Zahlen Betziesdorfer zieht‘s zum Nachbarn

Weil die Haushalte der evangelischen Kirchengemeinde Betziesdorf seit einigen Jahren mit Defiziten abschließen, denkt deren Vorstand über eine Fusion nach. Die Gemeinde Bürgeln-Bauerbach-Ginseldorf soll der Partner sein.

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Egal was die Zukunft bringt: Die Betziesdorfer Kirche bleibt im Dorf. Und jeden Sonntag gibt es dort auch weiterhin einen Gottesdienst.

Quelle: Yanik Schick

Betziesdorf. Die evangelische Kirchengemeinde Betziesdorf, der auch die Protestanten aus Anzefahr und Sindersfeld angehören, schreibt fortwährend rote Zahlen. Seit 2008, so berichtete Pfarrer Helmut Golin bei einer Gemeindeversammlung, fehle dem Kirchenvorstand im Haushalt durchschnittlich ein Betrag von etwa 6000 Euro. Dieses Defizit muss der Kirchhainer Kirchenkreis regelmäßig ausgleichen.

Und auch perspektivisch, so Golin, sei keine Verbesserung der finanziellen Lage für die Gemeinde in Sicht. „Wir könnten alle Heizungen auf zehn Grad herunter drehen, es gibt keine Chance auf einen ausgeglichenen Haushalt.“ Ursache für diese scheinbare Ausweglosigkeit sind nicht die Ausgaben, sondern vielmehr die viel zu geringen Einnahmen.

Das Gemeinde-Portemonnaie weist im Wesentlichen aus zweierlei Gründen nahezu gähnende Leere auf: Zum einen hat die Landeskirche Kurhessen-Waldeck im Schlüsseljahr 2008 gemäß dem Finanzzuweisungsgesetz die Drei-Viertel-Pfarrstelle von Helmut Golin auf eine halbe Stelle heruntergestuft. Dadurch sollte auch in Kassel Geld gespart werden, die Pfarramtspauschale für Betziesdorf wurde entsprechend reduziert. Zum anderen ist die überschaubare Größe der Kirchengemeinde ein erhebliches Problem. 845 Mitglieder zählt sie momentan, 540 davon kommen aus Betziesdorf, 219 aus Anzefahr und 75 aus Sindersfeld. Die Grundzuweisungen der Landeskirche, die sich nach der Gemeindegröße richten und überhaupt erst ab dem 601. Mitglied greifen, fallen demzufolge recht dürftig aus.

Schon früher gab es Verbindung nach Bürgeln

Der finanzielle Engpass erfordert also dringenden Handlungsbedarf. Pfarrer Helmut Golin und der Kirchenvorstand um Manfred Peter brachten das Thema bereits vor rund zwei Jahren bei einer Dorfversammlung ins Gespräch – seither steht stets eine Überlegung im Mittelpunkt: Fusion. „Nur dann hätten wir wirklich finanzielle Vorteile“, betonte Golin.

Erste Kontakte gab es in der Folge zu den evangelischen Gemeinden von Kirchhain und Langenstein-Niederwald, doch die beste Adresse schien für die Verantwortlichen von Beginn an die Kirchengemeinde Bürgeln-Bauerbach-Ginseldorf zu sein. „Geographisch wäre es die nächste Gemeinde, und mit Bürgeln sind wir ohnehin historisch verbunden“, erklärte der Pfarrer. In früheren Jahren teilten sich beide Dörfer einen Pfarrer und hatten gemeinsam Konfirmanden-Unterricht.

Doch bis die beiden Gemeinden einen endgültigen Vereinigungsvertrag unterzeichnen, werde es mindestens noch bis zum kommenden Jahr dauern, so Helmut Golin. Bürgeln-Bauerbach-Ginseldorf, aktuell etwa 1700 Mitglieder zählend, habe in einem Gespräch der Kirchenvorstände Zugänglichkeit mit offenem Ausgang signalisiert. In dieser Gemeinde gibt es eine ganze Pfarrstelle, die sich Dr. Alexander Prieur und Berit Hartmann seit vielen Jahren teilen. Bei einer Fusion würden daraus in der Addition anderthalb Stellen.

Helmut Golin versicherte, dass der sonntägliche Gottesdienst in Betziesdorf auch weiterhin stattfinden werde. Es müsste aber ein neuer, gemeinsamer Kirchenvorstand gewählt werden, wobei die bisherigen Gremien als Gemeindeausschüsse bestehen blieben. In Betziesdorf hätte dieser weiterhin die Aufgabe, sich um die Friedhofspflege und um den evangelischen Kindergarten zu kümmern.

von Yanik Schick

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