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Betziesdorfer bangen um ihre Grundschule

Droht dem Standort das Aus? Betziesdorfer bangen um ihre Grundschule

Noch besuchen 27 Kinder in zwei Kombi-Klassen die Grundschule Betziesdorf. Der Ortsbeirat fürchtet jetzt, dass der Grundschulstandort Betziesdorf in einem Jahr Geschichte sein könnte.

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Die Betziesdorfer lassen sich ihre Grundschule etwas kosten. Das Bild zeigt eine Spendenübergabe für die Mitfinanzierung einer Klassenfahrt. Archivfoto Klaus Böttcher

Betziesdorf. Der Schulentwicklungsplan des Landkreises sieht vor, dass die Betziesdorfer Schule aus dem Dreierverbund mit Anzefahr und Niederwald zum Anfang des nächsten Schuljahres herausgelöst wird und der Grundschule Bürgeln zugeordnet wird. Ortsbeirat, Elternvertreter und Schul-Kollegium sprechen sich gegen diese Pläne aus. Der Ortsbeirat plädierte in einem einstimmigen Beschluss für den Verbleib der Grundschule im jetzigen Verbund. Dieser Beschluss soll der Stadt Kirchhain und dem Landkreis als Schulträger zukommen

Die Folgen des Schulkonzeptes beschäftigten in offener Aussprache nicht nur die Ortsbeiratsmitglieder, sondern viele Eltern, die Schulleiterin und das Kirchhainer Kreisausschuss-Mitglied Klaus Weber. „Die Folgen der Pläne sind so gravierend, dass der Ortsbeirat beteiligt werden muss“, schimpfte der Ortsvorsteher Gunther Decker und machte seinem Unmut darüber Luft, dass der Ortsbeirat überhaupt nicht offiziell informiert worden ist. „Hätten wir den Inhalt des Schulentwicklungsplans nicht weiter gegeben, wüsste der Ortsbeirat bis heute nichts“, bestätigte Klaus Weber. „Die Beteiligung des Ortsbeirates vonseiten der Stadt funktioniert überhaupt nicht“, stellte Decker fest. Außerdem wundere er sich über die Eile. Bis zum 11. November soll eine Stellungnahme der Stadt beim Kreis vorliegen. In diese soll der Beschluss des Ortsbeirates einfließen.

Für Klaus Weber sind die Würfel gefallen, auch wenn es laut der Schulleiterin noch ein Gespräch mit dem Schuldezernenten Dr. Karsten Mc Govern geben soll. Man werde sagen, es ändere sich doch überhaupt nichts; die Kinder würden weiter die Schule in Betziesdorf besuchen, so Weber. Aber nach seiner festen Überzeugung, und damit stand er an diesem Abend nicht allein, ist das der erste Schritt und der nächste werde die Schließung der Betziesdorfer Schule sein. Dazu sagte eine Mutter: „Jetzt nach Bürgeln, und wenn da zu wenig Kinder sind geht es nach Wetter?“

Nach intensiver Diskussion präsentierte der Ortsvorsteher seinen vorher Beschlussvorschlag. Diesem stimmten alle Ortsbeiratsmitglieder zu und auch die Besucher nickten den Beschluss wohlwollend ab. Darin stellt der Ortsbeirat zum wiederholten Male fest, dass die Erhaltung des etablierten Schulstandortes für ihn oberste Priorität hat. Der Ortsbeirat übt darin massive Kritik an der ausbleibenden Information der Betziesdorfer, während die Eltern im Cölber Ortsteil Bürgeln informiert worden seien.

Gute Gründe für Standort

„Die Grundschule ist neben dem Kindergarten die herausragende pädagogische Infrastruktureinrichtung und unverzichtbarer Bestandteil dörflicher Lebensform“, steht unter anderem in dem Beschluss. Der Ortsbeirat beklagt außerdem, dass ihm keine Begründung für die Zusammenlegung mit Bürgeln vorliege und stellte die Faktoren heraus, die für eine dauerhafte Erhaltung des Schulstandortes Betziesdorf im Rahmen der Verbundschule Anzefahr-Niederwald sprechen.

Die räumliche Situation sei gut. Neben drei vollwertigen Klassenräumen gebe es zusätzliche Räume für Kleingruppenarbeit. Ein weiteres Plus sei die Nutzung des benachbarten Dorfgemeinschaftshauses zur Nutzung für den Schulsport. Hinzu komme die gute und engagierte Zusammenarbeit mit den Kindergärten, die örtliche Bücherei in der Schule und nicht zuletzt die Unterstützung der Schule durch die Dorfgemeinschaft und den Ortsbeirat.

„Uns kann niemand sagen, ob der Verbleib in dem Dreierbund oder die Zuordnung zu Bürgeln den Erhalt des Schulstandortes Betziesdorf sichern kann. Und niemand erklärt, wo der Vorteil der Bürgelner Lösung liegen könnte. Was in einem Jahr sein wird, kann, oder will uns niemand sagen“, brachte Gunther Decker das Problem des Ortsbeirats auf den Punkt. Seine Befürchtung: Wegen der räumlichen Überkapazitäten in Bürgeln könnte die Reise für die Betziesdorfer Kinder endgültig in das Nachbardorf gehen.

von Klaus Böttcher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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