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Betziesdorf soll wieder wachsen

Ortsbeirat arbeitet an derZukunft Betziesdorf soll wieder wachsen

Eine ebenso umfang­reiche wie gewichtige ­Tagesordnung arbeitete der Betziesdorfer Orts­beirat am Montagabend ab. Das übliche Tagesgeschäft blieb an diesem Abend im Hintergrund.

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Die Lücken im Zaun des Betziesdorfer Schulhauses haben symbolischen Charakter. Die Aufgabe des Grundschulstandorts hat eine große Lücke ins Dorfgefüge geschlagen. Solange die künftige Nutzung des Hauses nicht geklärt ist, will die Dorfgemeinschaft den Zaun nicht reparieren. Fotos: Matthias Mayer

Betziesdorf. Dabei packten Sylvia Göttig und ihre sechs männlichen Mitstreiter ein ganz großes Thema an, das für Generationen Bedeutung haben wird: die Zukunft des Kirchhainer Stadtteils. „Betziesdorf soll wieder wachsen“, formulierte es Ortsvorsteher Dieter Tourte und verdeutlichte, dass die vom neuen Gremium ausgearbeitete Prioritätenliste dem Zweck dient, Betziesdorf zukunftsfest, attraktiv und lebenswert für Generationen zu erhalten. Auf der Prioritätenliste stehen:

n Neubaugebiet: Die Einwohnerzahl des flächenmäßig drittgrößten Kirchhainer Stadtteils ist inklusive Zweitwohnsitze auf 766 gesunken. „Wenn wir junge Familien für Betziesdorf gewinnen wollen, müssen wir diesen Bauland anbieten können“, stellte Dieter Tourte fest. In diesem Punkt sei man weit vorangekommen. Es gebe ein beplanbares Neubaugebiet. Allerdings seien sich der Grundeigentümer und die Stadt Kirchhain noch nicht handelseinig geworden. Sollte es keine Einigung geben, müsse anderweitig geplant werden, forderte der Ortsvorsteher. „Wir wollen über das Baugebiet wachsen. Sinkende Einwohnerzahlen gefährden unsere Infrastruktur und haben uns schon die Grundschule gekostet“, läutete Dieter Tourte die Alarmglocke. n Alt werden im Dorf: Neben den jungen Leuten hat der Ortsbeirat auch die ältere Generation im Blick. Nach einer Info-Veranstaltung mit Martina Berckhemer vom Landkreis zu einem entsprechenden Förderprogramm, beschloss das Gremium einstimmig, sich für das Programm zu bewerben, verbunden mit der Bitte an die Stadt, 10000 Euro für die Erstellung eines Konzepts in den Haushalt einzustellen. Es gehe darum, durch Hilfen im Alltag es älteren Menschen im Dorf länger zu ermöglichen, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben. „Das ist eine lohnenswerte, aber auch arbeitsintensive Aufgabe“, stellte der Ortsvorsteher fest. n Kampf gegen den Leerstand: In Betziesdorf steht derzeit nur ein Haus leer - und dies offenbar nur vorübergehend. Da aber etliche Häuser nur von einer Person bewohnt werden, droht Betziesdorf auf lange Sicht ein Leerstandsproblem. Bis zu 40 Häuser - landwirtschaftliche Gebäude eingeschlossen - könnten künftig leerstehen, nannte Dieter Tourte eine erschreckende Zahl. Um dem entgegenzuwirken, beschloss der Ortsbeirat einstimmig, sich als Pilot-Projektdorf zu bewerben. Für diesen Status sind nach Informationen des Gremiums offenbar auch Kleinseelheim und die Kirchhainer Altstadt vorgesehen. Auch hier beantragt der Ortsbeirat die Einstellung von 10000 Euro in den Kirchhainer Haushalt 2017. n Erhalt der Infrastruktur: Für den Ortsbeirat sind der Erhalt und die Optimierung der verbliebenen Infrastruktur für den erwünschten Zuzug von außen Voraussetzung. Der Bestand des Kindergartens gilt, so der Ortsvorsteher, als unverzichtbar. Um eine attraktivere Gestaltung des Spielplatzes kümmert sich eine Arbeitsgruppe. Und die stieß mit ihrem Wunsch nach neuen Spielgeräten in der Stadtverwaltung auf Gehör, wie Markus Beutel berichtete. Bis zum Jahresende wolle die ­Gruppe einen Vorschlag machen, wie der Spielplatz 2018 aussehen solle. Das Jugendhaus befindet sich laut Ortsvorsteher in einem derzeit nicht vorzeigbaren Zustand. Hier muss Hand angelegt werden. Und das in die Jahre gekommene Dorfgemeinschaftshaus offenbart neben mehreren sichtbaren Schäden auch eine bizarre Heizungsanlage. Bürgerbeteiligungist gefragt „Das können wir als Ortsbeirat allein unmöglich stemmen. Wir brauchen Bürgerbeteiligung und Eigenleistung“, stellte Dieter Tourte nach der Vorstellung der wichtigsten Punkte fest. Eigenleistung wird nicht nur im Ortsbeirat, der mit einer bemerkenswerten Arbeitsteilung beeindruckt, großgeschrieben. So pflegen die Betziesdorfer seit drei Jahren ihren Friedhof vollständig selber. Ulrich Ebert berichtete für den Friedhofsausschuss vom großem Arbeitseinsatz zum Hecken-Rückschnitt, der phantastisch gelaufen sein. Neben den ehrenamtlichen „Friedhofsgärtnern“ engagiert sich auch die Arbeitsgemeinschaft Dorfverschönerung ­Betziesdorf um die Aufwertung und Pflege öffentlicher Flächen im Dorf. Und dann gibt es noch die sogenannte „Rentner-Gruppe“, die schon so viel für das Dorf ­geleistet hat. Am 7.November wolle er mit diesem Kreis ­abklären, inwieweit sich dieser künftig noch einbringen könne. Die Ankündigung der Stadt Kirchhain, 2018 den Endausbau der Straße Buschhornweg vorzunehmen, führte zu einer ­kleinen Diskussion. Der Ortsvorsteher zeigte sich erfreut, dass die Straße zur Abrundung des Ortsbildes endlich ausgebaut werde. Sein Stellvertreter Manfred Peter regte an, vor einem Votum des Ortsbeirats zunächst die veranlagungspflichtigen Anlieger zu fragen, ob diese die hohen Kosten überhaupt tragen wollten. Er verwies darauf, dass nur zwei Anlieger direkt über diese Straße an das Straßennetz angeschlossen seien. Schriftführer Karl Damm stellte lakonisch fest, dass es sich bei dem Ausbau um eine Uralt-Forderung des Ortsbeirats handele.

von Matthias Mayer

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