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Betrunkener verliert Kontrolle beim Überholen

Aus dem Gericht Betrunkener verliert Kontrolle beim Überholen

Mit mindestens 1,76 Promille im Blut und ohne Führerschein hat ein Rauschenberger vor einem Jahr einen schweren Unfall auf der B3 verursacht. Er erhielt vor Gericht eine Bewährungsstrafe von zwölf Monaten.

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Leuchtende Dämmerung über Schönbach

Ein Hubschrauber brachte die Unfallopfer im August 2015 in die Klinik.

Quelle: Nadine Weigel (Archiv)

Josbach. Bei dem Unfall in der Nähe von Josbach war neben dem Angeklagten auch eine Frau aus einem entgegenkommenden Auto schwer verletzt worden. Beide wurden mit Hubschraubern in die Klinik nach Kassel geflogen. Die Tochter der Frau kam auf dem Rücksitz mit leichteren Verletzungen davon. Wie die OP damals berichtete, geriet auch die Feuerwehr bei dem mehrere Stunden dauernden Einsatz an ihre Grenzen. Drei Feuerwehrleute kippten bei glühender Hitze um.

Es sollte eigentlich ein gemütlicher Tag in der Sonne werden: Auf „ein paar Bierchen“ traf sich der Mann an einem Sonntag mit Freunden an der Grillhütte in Josbach. Doch bei Bier blieb es nicht. Eine Flasche Rotwein habe er außerdem an besagtem Tag getrunken - bereits um 9 Uhr morgens hatte die Feier begonnen. Später seien zwei Freunde hinzugestoßen, die eine mit Amphetaminen versetzte Flasche Kräuterschnaps dabei hatten. Die Flasche ging herum, auch der Angeklagte trank daraus. „Ich wusste davon, dass dort Amphetamine drin waren“, bekannte der Angeklagte vor Gericht freimütig - er konsumiere diese etwa ein bis zweimal im Monat. Zudem habe er - wie fast jeden Samstag - am Vorabend Haschisch geraucht.

Ab etwa 13 oder 14 Uhr setze bei ihm die Erinnerung aus, sagte der Mann. Aus Erzählungen heraus wisse er aber, dass er offenbar einen Streit ausgelöst habe, den er schließlich auch mit seiner Verlobten austrug, die ihn wie geplant gegen 17 Uhr abholen wollte. Daraufhin habe er ihr den Schlüssel für den Pkw entrissen und sei - obwohl er noch nie eine Fahrerlaubnis besessen hat, mit dem Wagen losgefahren. Gegen 17.10 Uhr kam es dann zu dem Unfall. Seine Erinnerung setze aber erst wieder im Krankenhaus ein.

Zeuge schildert detailliert den Unfallhergang

Den Hergang des Unfalles konnte jedoch detailliert ein Zeuge schildern. Der Angeklagte habe sich trotz seiner starken Alkoholisierung zunächst völlig verkehrsgerecht verhalten - ihm die Vorfahrt gewährt, geblinkt und auch keinerlei Schlangenlinien gefahren. Allerdings sei er auf dem etwa zwei Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Halsdorf und Josbach zum Teil sehr dicht aufgefahren. Als das Unfallopfer auf der Gegenseite gerade auf die B3 aufgefahren war, habe er dann plötzlich zum riskanten Überholmanöver angesetzt. Beim Einscheren habe der Angeklagte den Zeugen dann geschnitten, sodass dieser abbremsen musste. Der Angeklagte kam auf den Randstreifen und verlor beim Gegenlenken die Kontrolle über sein Auto. Er geriet auf die Gegenfahrbahn und rammte den Wagen der Frau frontal. Diese versuchte noch auszuweichen, sodass beide Wagen letztlich rechts neben der Fahrbahn zum Stehen kamen. „Ich habe plötzlich nur noch einen Knall und eine Riesenrauchwolke gesehen“, schilderte der Zeuge. Er wich aus, stellte sein Auto ab und eilte zur Unfallstelle.

Dort sah er, dass der Angeklagte an der Beifahrerseite aus seinem Pkw ausstieg, einmal um ihn herumlief und an der Fahrerseite zusammensackte. „Ich habe gedacht, er ist nur leichtverletzt“, so der Zeuge. Wie sich später herausstellte, hatte er zwei Einrisse im Darm, einen Schlüsselbeinbruch und ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Noch schlimmer traf es jedoch die Fahrerin des anderen Wagens, die von der Feuerwehr befreit werden musste. Sie trug mehrere Oberschenkelbrüche, einen Rippenbruch, offene Wunden im Gesicht, je einen zertrümmerten Waden- und Schienbeinkopf, einen Kreuzbandriss, einen Schlüsselbeinbruch und einen ausgekugelten Arm davon.

Richter Edgar Krug musste nun bewerten, ob die zu verhängende Strafe des Angeklagten noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden konnte - viel hätte nicht zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefehlt. Eine entscheidende Rolle für die Bewertung spielte die Frage, ob es sich um eine vorsätzliche oder eine fahrlässige Körperverletzung handelte. Unter anderem weil die Verlobte die Aussage verweigerte, konnte der Ablauf des Streits jedoch nicht nachvollzogen werden, sodass eine Fahrlässigkeit nicht auszuschließen sei. Auch die Erinnerungslücken des Angeklagten seien glaubhaft, erklärte eine rechtsmedizinische Gutachterin. Oberstaatsanwalt Reinhard Hormel ließ sich jedoch zu der persönlichen Bemerkung hinreißen, dass „jemand, der unter Alkohol so fährt, öfter fährt“. Der Mann war bereits früher einmal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden.

Angeklagter will keine Rechtsmittel gegen Urteil einlegen

Dem Rauschenberger kam bei der Bemessung des Strafmaßes zugute, dass er sich kooperativ zeigte, sofort gestand und sich im Gerichtssaal auch beim Unfallopfer direkt entschuldigte. Während der Verhandlung wirkte er zeitweise wie versteinert und schien bei den Schilderungen der Frau sowie der Zeugen nur schwer zu ertragen, was er angerichtet hatte. Seine Verteidigerin Marina Marschall bezeichnete ihn als einen „geprügelten Hund“, den „unter Einfluss von Alkohol und Drogen der Teufel geritten“ habe. Zudem wertete Richter Edgar Krug positiv, dass der Vater eines zehnjährigen Kindes in geregelten Verhältnissen lebt und einem Beruf nachgeht.

Da sein Einkommen als Maurer jedoch sehr gering ist und er bereits 150 Euro im Monat wegen der bei dem Unfall entstandenen Kosten abbezahlt, sah Krug von einer zusätzlichen Geldstrafe ab. Er beließ es bei den zwölf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie drei Jahren Sperre für das Erwerben des Führerscheins. Während der vierjährigen Bewährungszeit muss der Mann mehrfach auf eine Aufforderung hin einen Drogentest abgeben. Sollte dieser positiv sein, bedeutet das für ihn den Gang ins Gefängnis. ­Finanziell könnte auf ihn noch eine Schmerzensgeldforderung zukommen.

Der Angeklagte bedankte sich beim Gericht für den Urteilsspruch und erklärte unmittelbar nach der Verkündung, keine Rechtsmittel dagegen einlegen zu wollen.

von Peter Gassner

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