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Betonbecken ist inzwischen "nackt"

Abrissarbeiten Betonbecken ist inzwischen "nackt"

Tag für Tag verliert das Stadtallendorfer Hallenbad mehr von seiner ausgedienten Hülle. Im Inneren haben die Abbrecher bereits ganze Arbeit geleistet.

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Mit einem Hubsteiger entfernen die Abbruchexperten die Glasscheiben aus den Fenstern.Fotos: Michael Rinde

Stadtallendorf. Jede einzelne Neonleuchte nimmt der Abbruch-Spezialist an der früheren Eingangstür des Bades in die Hand. Er entfernt an jeder einzelnen von ihnen die „Starter“. In ihnen ist Quecksilber enthalten. Bei den Abbrucharbeiten kommt es auf eine saubere Trennung der Materialien an. Wer am Bauzaun vorbeigeht, sieht das an den verschiedenen Großcontainern, die vor dem Bad stehen.

Von sauberer Trennung profitiert auch das Abbruchunternehmen. Einen Teil des Materials, etwa des Metalls, das es ausbaut, verkauft es an Recycling-Unternehmen. Diese Einnahmen sind Teil der Preiskalkulation gewesen.

Die Baustelle Hallenbad darf nur mit Helm auf dem Kopf betreten werden - aus guten Gründen. Im Inneren sind die Abbrecher damit beschäftigt, die restlichen Decken auszubauen. Außen verschwindet derzeit die alte Waschbetonfassade samt der teilweise erblindeten Fenster.

An den Stellen, an denen die Fensterflächen bereits ausgebaut sind, wirkt der Raum bereits jetzt deutlich heller. Nach Ende der Sanierung wird das gesamte Bad dank einer zeitgemäßen Fensterkonstruktion viel lichterfüllter wirken.

Mit Beginn der Abrissarbeiten an der Fassade müssen Anlieger allerdings in den nächsten Wochen mit etwas höherem Baulärm rechnen, wie Julia Werner, die Projektleiterin in der Stadtverwaltung, vorsorglich schon ankündigt.

Das 25-Meter-Becken ist mittlerweile „nackt“. Alle Fliesen sind bis auf eine kleine Fläche entfernt, gleiches gilt für das frühere Kinderbecken.

Beim Bau des Hallenbades haben die Fliesenleger offenbar sehr gute Arbeit geleistet. „Die Abbrecher hatten erhebliche Mühe beim Abschlagen der Fliesen, der alte Kleber war bombenfest“, sagt Juli Werner. Davon haben die Stadtwerke als Betreiber des Bades in den vergangenen Jahrzehnten profitiert. Es habe nie Probleme mit Wasserverlusten im Becken gegeben, erinnert sich Stadtwerke-Betriebsleiter Giselher Pontow im Gespräch mit der OP. Aktuell untersucht ein Experte den Zustand des Stahlbetons des Beckens, um festzustellen, ob es im Inneren noch Sanierungsbedarf gibt. Das ist erst jetzt, wo die Fliesen entfernt sind, möglich. „Man muss sich das wie eine Ultraschalluntersuchung vorstellen“, erklärt Julia Werner.

Im Bad ist aktuell auch ein Vermessungs-Ingenieur unterwegs. Er legt einzelne Vermessungspunkte fest. Davon profitieren später andere Handwerker, etwa wenn es um Gefälle geht. Schließlich soll das Wasser am Beckenrand nach der Sanierung auch seinen Weg in die Abläufe finden.

Dank Vermessung ist auch klar, wie lang das Hauptbecken ganz genau ist: 25,003 Meter. „Schon damals hat man penibel genau gemessen“, stellt Pontow fest. Dieses exakte Maß ist für die Schwimmsportler wichtig. Nur, wenn die vorgegebenen Längen der Bahnen stimmen, ist ein Bad auch wettkampffähig. Und das soll es auch in Zukunft sein. An das frühere Schwimmtraining im Hallenbad erinnert im Moment nur noch der Rest des früheren Startblocks mit der Nummer sechs, der an einer Wand lehnt. Auch er wird demnächst verschwinden und in Zukunft durch eine zeitgemäße Version ersetzt.

Die komplette frühere Schwimmbad- und Heiz- und Lüftungstechnik im Keller ist längst verschwunden. Übriggeblieben sind Schutthaufen. Sie werden entfernt, sobald die bisherigen Decken geöffnet sind. In einem früheren Technik-Keller liegt derzeit noch ein letztes, schweres Element des alten Blockheizkraftwerkes. Das Kraftwerk haben die Abbruchexperten mit Schneidbrennern in transportierbare Einzelteile geschnitten. Jenes letzte Einzelteil wird in einigen Wochen durch die offene Decke ins Freie gebracht werden.

Bisher hat es keine größeren Verzögerungen bei den Abbrucharbeiten gegeben. Der Bauzeitenplan stimmt nach wie vor. Ende September, so erwarten es Julia Werner und Giselher Pontow, kommt der Wendepunkt. Dann wird Zug um Zug wiederaufgebaut. Inzwischen ist die Ausschreibung der Rohbauarbeiten gelaufen. Am 25. August entscheidet die Betriebskommission über die Auftragsvergabe.

Für die Planer ist die Arbeit keineswegs erledigt. „Wir müssen jeden Tag weiterplanen und die nächsten Schritte vorbereiten“, verdeutlicht Julia Werner. Ein Beispiel: Schon jetzt muss festgelegt werden, wann welche Teile der neuen Badtechnik montiert werden sollen. Mancher Einbau, etwa von Filteranlagen, ist nur möglich, wenn die Decke über den entsprechenden Räumen offen ist. Außerdem geht es natürlich um die Auswahl des künftigen Inventars und unzählige weitere „nächste Schritte“.

Doch vorerst beherrschen weiter die Abbruch-Experten das Geschehen am und im Hallenbad. Am Ende bleibt nur das tragende Gerippe stehen, auch das Dach verschwindet vollständig. In sämtliche Abrissarbeiten ist dabei auch ein Statiker eingebunden. Er legt fest, wo Ersatzstützen angebracht werden müssen, damit das Gebäude zu jedem Zeitpunkt standsicher bleibt.

Bis Ende 2015 will die Stadt das 8,6-Millionen-Euro-Projekt stemmen. Im Januar 2016, so das ehrgeizige Ziel aller Beteiligten, soll es wiedereröffnen. Dann wird es nicht nur optisch völlig anders wirken, es wird auch um insgesamt sechs Meter breiter ausfallen. An zwei Seiten werden jeweils drei Meter an das bestehende Bad angefügt werden (die OP berichtete). In Zukunft gibt es deshalb breitere Liegeflächen - oder auch Platz für Zuschauer bei Wettkämpfen.

von Michael Rinde

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