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"Besonders" ist noch untertrieben

Ausstellung "Besonders" ist noch untertrieben

Am Sonntag bietet sich in Amöneburg eine einmalige Gelegenheit: Im Museum sind Originale des heimischen Zeichners Otto Ubbelohde zu sehen. Das Besondere: Auf allen sind Motive aus der Stadt zu sehen.

Amöneburg. Wenn sich Reinhard Forst einem Thema widmet, dann ist klar: Er achtet auf jedes Detail. Und so ist es kein Wunder, dass er jedes Bild, in dem der deutschlandweit bekannte heimische Künstler Otto Ubbelohde ein Motiv aus Amöneburg verwendete, bis auf den kleinsten Federstrich analysiert hat. Wo der ungeübte Betrachter auf einer Zeichnung des Aufgangs vom Brücker Tor aus dem Jahr 1897 nur ein Hausdach sieht, weiß der Amöneburger Tausendsassa: „Dort ist das Schinderhaus zu sehen, und dies ist ein bürgerliches Haus.“ Dann deutet er auf das Schießhäuschen und das Stadttor und fährt entlang eines Striches, den er als Mauer deklariert - die heutzutage nicht mehr steht.

„Dieses Werk war uns bisher unbekannt“, betont er, um dann zur Analyse von zwei weiteren Bildern überzugehen. Das eine ist eine Vorzeichnung aus dem Jahr 1895, das andere eine Radierung von 1912 - wieder sind das Schinderhaus und das bürgerliche Haus zu erkennen. Noch dazu hat Forst minimale Unterschiede herausgearbeitet und analysiert. Das gleiche gilt für Zeichnungen des Zwingers oder der Schlossruine - mal mit, mal ohne Turm. „Daran lässt sich erkennen, wie Ubbelohde arbeitete“, sagt er und erklärt, dass der Künstler Motive in späteren Werken wiederverwertete oder, um sie dramatischer wirken zu lassen, umgestaltete. „Er hat mit Modulen gearbeitet“, wirft Michael Feldpausch ein, der den Amöneburger bei der Gestaltung der 40-seitigen Broschüre „Amöneburg im Werk von Otto Ubbelohde“ unterstützte. Das heißt, ähnlich wie bei Fotomontagen nahm der Künstler einzelne Elemente, um sie zumeist in einem anderen Kontext wiederzuverwerten. Für seine Illustration von Dornröschen nutzte Ubbelohde beispielsweise die Kirche und die Lage Amöneburgs am Berg - die Stadt an sich ist allerdings in keinster Weise wiederzuerkennen.

Drei Gründe nennt Forst, warum er eine Ausstellung zu Amöneburg in den Werken Ubbelohdes (und die dazugehörige Broschüre) entwickelte: Weil er Spaß an den Zeichnungen des Künstlers hat, weil Betrachter anhand von Vergleichen erkennen können, wie er arbeitet und Motive weiterentwickelt, und weil Bürger, die vor Ort wohnen, Details entdecken können, auf die andere Menschen vielleicht keinen Wert legen.

Ubbelohde erlangte deutschlandweite Berühmtheit vornehmlich durch seine Illustrationen der Märchensammlung der Brüder Grimm. Was die Ausstellung am Sonntag jedoch so besonders macht, sind die Originale, die ausgestellt werden: Ludwig Rinn von der Ubbelohde-Stiftung bringt drei Skizzenbücher und eine Bleistiftzeichnung mit, Forst stellt eine Bleistiftzeichnung und sechs Radierungen aus, die Stadt Amöneburg stellt ein Bild zur Verfügung - und alle zeigen Amöneburger Motive. „Das wird einmalig. Eine solche Ausstellung wird es wahrscheinlich nie wieder geben“, freut sich Forst und betont, dass die Stiftung eigentlich nie Ubbelohde-Werke für Veranstaltungen in kleinen Museen wie dem Amöneburger zur Verfügung stellt.

Die Ausstellung ist von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Nach der Begrüßung um 14.30 Uhr durch Museumsleiter Dr. Alfred Schneider spricht Ludwig Rinn über die Arbeit der Ubbelohde-Stiftung. Anschließend macht Forst einige Anmerkungen zu seiner Broschüre.

von Florian Lerchbacher

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