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Belasteter Beton verzögert Sanierung

Rüstungsaltlast Belasteter Beton verzögert Sanierung

Beim Bau der früheren Sprengstoff-Abfüllgebäude haben die Baumeister des Wasag-Werkes massiv mit Teerabdeckungen gearbeitet. Der belastete Beton muss nun teuer entsorgt werden.

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Ein Bagger holt an der früheren Füllstelle I Beton von Bodenplatte und Fundamenten aus dem Boden. Fotos: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Am Ende dürfte die Sanierung der sogenannten Füllstelle I etwa ein Jahr länger gedauert haben als seinerzeit erwartet. Im März nächsten Jahres sollen alle Erdarbeiten nun erledigt sein. Danach beginnt der Bundesforst mit der Wiederaufforstung der rund 55000 Quadratmeter großen Fläche. Die Arbeiten an dieser Füllstelle sind ein Pilotvorhaben für das Gesamtprojekt „Wasag-Sanierung“ (die OP berichtete). Zum Gesamtprojekt Wasag-Sanierung auf den Bundeswehrflächen gehören beispielsweise die weiteren Füllstellen, der Standortübungsplatz wie auch Altlasten in beiden Kasernen.

Und der Bund hat in der Tat einige Erfahrungen gesammelt. Zunächst die Schlechte: Die weitgehend abgeräumten alten Produktionsgebäude waren sehr massiv mit polyaromatischen Kohlenwasserstoffen (kurz PAKs genannt) belastet, bis hin zu den Fundamenten. Hinter der Abkürzung PAK verbergen sich teerhaltige Stoffe. Sie müssen besonders entsorgt werden. Ursprünglich waren die Planer davon ausgegangen, dass sich der Beton der Abfüll- und Lagergebäude schreddern und weiterverwenden ließe.

Doch jetzt muss der Beton zerkleinert und auf Spezialdeponien gefahren werden, unter anderem bis nach Leverkusen. Rund 42000 Tonnen Material werden aus Stadtallendorf nach Nordrhein-Westfalen gefahren. „Das ist deutlich mehr als wir mal erwartet haben“, sagt Projektleiter Karl-Wilhelm Schütz vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, der die Sanierung für den Bund übernimmt. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Sprengstoffe wie Hexogen haben die Sanierer eher weniger gefunden als erwartet.

Zwei Gebäude müssender Autobahn weichen

„Es ist der Eindruck entstanden, dass in diesem Teil des Wasag-Werkes vergleichsweise sauber gearbeitet worden ist“, fasst Schütz die Erkenntnisse zusammen. Es gab auch nur einen Munitionsfund vor Ort, eine Panzergranate, Durchmesser 40 Millimeter.

Wie viel die Sanierungsarbeiten den Bund am Ende kosten, lässt sich noch nicht beziffern, zumal die Entsorgung des teerbelasteten Betons noch läuft. Klar ist nur, dass die Arbeiten deutlich teurer werden als seinerzeit veranschlagt. Ursprünglich war einmal mit rund vier Millionen Euro Baukosten gerechnet worden.

Als nächstes Projekt steht dann die Füllstelle II an. Sie liegt in direkter Nachbarschaft zum früheren Mobilmachungs-Stützpunkt. Dass es bei deren Sanierung schnell vorangeht, ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Trasse der Autobahn 49 zwei der vier Gebäude durchschneiden wird. Deshalb teilen sich auch der Landesbetrieb Bau und Immobilien und die in Sachen A49 beauftragte Firma Deges. Deren Eigentümer sind der Bund und zwölf Bundesländer.

Jene zwei Produktionsgebäude direkt auf der Trasse werden komplett abgebrochen, die beiden weiteren folgen im Zuge des Gesamtprojekts Wasag-Sanierung. Die Arbeiten werden gemeinschaftlich ausgeschrieben, Deges und Landesbetrieb haben Sanierungspläne erstellt. Schütz rechnet damit, dass die Sanierungsarbeiten Ende nächsten Jahres starten. Weitere Erkundungen hat es bereits gegeben. „Wir rechnen mit einer ähnlichen Situation wie bei der Füllstelle I“, sagt Schütz aufgrund der Ergebnisse. Wie bisher auch wollen die Planer Anwohner in der Umgebung schonen. So führt der Lkw-Verkehr weiterhin über das Bundeswehrgelände und nicht etwa durch den früheren Stützpunkt und über die Scharnhorststraße. Wie auch beim Pilotprojekt wird es Grundwasser-Messstellen geben. Bei den Arbeiten an der Füllstelle I haben die Proben gezeigt, dass die Sanierung keine Folgen für die unterirdischen Wasserspeicher hatte. Die Erdbewegungen hätten theoretisch Schadstoffe mobilisieren können.

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