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Beirat ist von "Kleinigkeiten" genervt

Zoff Beirat ist von "Kleinigkeiten" genervt

Die "Bürger für Rüdigheim" treten aus Protest gegen die "schlechte Zusammenarbeit mit der Stadt" bei der Kommunalwahl im März 2016 nicht mehr an - für den Bürgermeister ein falsches Zeichen zur falschen Zeit.

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Als er von der Kritik von Martin Bieker aus Rüdigheimerfährt, greift Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg sofort zum Telefon, um das Gespräch mit dem unzufriedenen Ortsvorsteher zu suchen.

Quelle: Florian Lerchbacher

Rüdigheim. Michael Richter-Plettenberg fällt aus allen Wolken, als diese Zeitung ihn mit der Nachricht konfrontiert, dass vier von fünf Mitgliedern des Rüdigheimer Ortsbeirates die politischen Segel streichen wollen. „In der aktuellen Situation ist das ein bisschen blöd“, kommentiert der Bürgermeister und erinnert daran, dass der Stadtteil derzeit aufgrund des Umbaus des Treffpunktes ein Investitionsschwerpunkt ist -und vorerst wohl noch bleiben wird. „Ich will nicht öffentlich einen Streit ausfechten, der nicht existiert“, sagt das Stadtoberhaupt konsterniert und greift zum Telefon, um sofort das Gespräch mit Ortsvorsteher Martin Bieker zu suchen.

Der wiederum sieht die Situation - unabhängig von den Treffpunkt-Arbeiten - ganz anders: „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist schwierig. Es geht uns um die Kleinigkeiten, hinter denen wir ständig her-rennen müssen. Wir haben keine Lust mehr, gegen Windmühlen anzukämpfen“, erklärt er im Namen von sich, Stefan Krähling, Carsten Dörr (alle „Bürger für Rüdigheim“) sowie Heiko Herz (CDU) - die allesamt nicht mehr kandidieren wollen, um „ein Zeichen zu setzen“.

Ein Grund sind die Verzögerungen

Unter anderem moniert er, dass es immer wieder Verzögerungen gebe - zum Beispiel, beim Aufbau einer Rutsche auf dem Spielplatz am Warthügel, die vom abgebauten Spielplatz auf dem Knorren stammt. Zudem warteten die Rüdigheimer weiterhin auf die für dieses Jahr geplanten Reparaturarbeiten am Parkplatz des Friedhofs oder an der Wasserableitung des Radweges 6, der bei Regen voller Pfützen sei. Von Straßensanierungen ganz zu schweigen: „Da wird immer nur Kleinkram gemacht“, ärgert sich Bieker und zweifelt an, dass der Bürgermeister noch echtes Interesse am Ort habe - schließlich habe er seit langem keine Ortsbeiratssitzungen mehr besucht, sondern maximal Vertreter geschickt. Zudem nehme er auch nicht mehr regelmäßig an den freitäglichen Baubesprechungen für den Treffpunkt teil.

Spätestens an diesem Punkt platzt Richter-Plettenberg der Kragen: „Es ist doch schon außergewöhnlich, dass ein Bürgermeister an solchen Besprechungen teilnimmt und sich für ein spezielles Projekt in diesem Maße einsetzt.“ Es sei unfair, dafür kritisiert zu werden, nicht an allen der Sitzungen teilzunehmen. Die Ortsbeiratssitzungen habe er nicht besucht, weil entweder andere Termine dies verhindert hätten oder er seine Anwesenheit nicht für notwendig gehalten habe, da die Themen von seinem Standpunkt aus eher unwichtiger Natur gewesen seien.

Die Verzögerungen bei der Umsetzung von Projekten kommentiert er mit dem Hinweis, dass die Stadt unter „knallhartem Personalmangel“ leide. „Der Aufbau der Rutsche - es gibt auf dem Spielplatz bereits eine - ist nun wirklich keine Notsituation. Wenn wir sie nicht sofort aufbauen, sondern Dinge umsetzen, die wichtiger sind, dann ist das einfach so.“ Er könne nachvollziehen, dass „jeder auf seine Pauke haue: „Man muss aber auch das Gesamte sehen.“

Rüdigheimer wollen „neutrale Liste“ aufstellen

Die Mitarbeiter der Stadt bemühten sich, um alle Projekte umzusetzen - dies sei aber leider aufgrund der dünnen Personaldecke nicht möglich, sagt der Bürgermeister und gibt noch einen kleinen Einblick in die Interna: „Wir machen eine Gefährdungsbeurteilung zum Thema psychische Belastung am Arbeitsplatz - und das geschieht nicht ohne Anlass.“

In Rüdigheim läuft derweil die Suche nach neuen Ortsbeiratsmitgliedern: „Wir wollen eine parteineutrale Gemeinschaftsliste aufstellen und suchen noch engagierte Bürger“, sagt Dirk Wieber (CDU), der die Federführung innehat, und berichtet, dass sich bisher niemand gefunden habe, der den Posten des Ortsvorstehers von Bieker übernehmen würde. Der Amtsinhaber würde maximal als „normales Ortsbeiratsmitglied“ weitermachen - aber nur, wenn die Zusammenarbeit mit der Stadt einfacher werde, erklärt der 47-Jährige auf Nachfrage.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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