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Beim größten Schatz fehlt die Titelseite

Serie: Ich sammle... Beim größten Schatz fehlt die Titelseite

Seit weit über 30 Jahren ist Thomas Groll großer Zirkus-Fan. Am besten findet er Tierdressur-Nummern - solange die Auflagen des Tierschutzes erfüllt werden.

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Zwar fehlt der Einband, doch das Programmheft vom ersten Zirkusbesuch ist der größte Schatz in Thomas Grolls Sammlung.
Foto: Florian Lerchbacher

Neustadt. Mit der Direktorin des Zirkus Krone würde er gerne einmal für einen Tag tauschen. Das hatte Thomas Groll gegenüber dieser Zeitung während des vergangenen Wahlkampfes gesagt und als Traum ausgegeben, dass er gerne einmal das „Circusfestival in Monte Carlo“ besuchen würde. Zudem hatte er beim Neustadt-Treffen im Jahr 2011 dafür gesorgt, dass auch ein Zirkus im Bürgerpark sein Zelt aufschlägt.

Das Thema ist im Leben von Neustadts Bürgermeister omnipräsent - und zwar bereits seit seiner Kindheit. Noch äußerst lebhaft ist die Erinnerung an den ersten Zirkusbesuch im Jahr 1977 und den Geruch der Manege: Mit seinem Großvater ging er damals in eine Vorstellung des Zirkus Barum. Das dazugehörige Programmheft hütet er wie seinen Augapfel. Zumindest inzwischen: Den Einband habe er als Kind in seinem Zimmer aufgehängt. „Ich glaube, es waren Tiger darauf“, erklärt er die fehlende Titelseite.

Mehr als 100-mal war der 42-Jährige im Zirkus. Und an jede Aufführung erinnert ein Programmheft. Die Freude spiegelt sich in seinen Augen wider, wenn er die Heftchen in die Hand nimmt, voller Begeisterung darin blättert und die Umgebung zu vergessen scheint.

„Früher gab es zehn Großzirkusse in Deutschland“, sagt er und beginnt zu schwärmen von Hagenbeck, Sarrasani oder Universal Renz, der erst kürzlich Insolvenz anmelden musste. Die Mischung aus Artistik. Clownerie und Tierdressur sei das Faszinierende - „mit all den Eisbären oder den gemischten Raubtiergruppen“.

„Heute ist die Ausgangslage eine ganz andere. Die Zirkusse konnten die Auflagen des Tierschutzes kaum noch erfüllen - wobei ich die kleinen Wagen der Eisbären von damals natürlich auch sehr skeptisch betrachte“, betont Groll. Aber auch ansonsten habe sich einiges geändert: „Die großen Zirkusplätze wie den Marktplatz in Kirchhain oder den Afföller in Marburg gibt es nicht mehr.“ Noch dazu habe sich früher die ganze Stadt gefreut, wenn der Zirkus kommt: „Heute beschäftigen sich eher die Tierschutzorganisationen damit.“

Groll ist und bleibt jedoch Zirkus-Fan - und kann sich auch mit den Veränderungen anfreunden: „Mir ist es lieber, dass der Zirkus gut geführt wird und es nur einige wenige Tierdressur-Nummern gibt, für die die Auflagen jedoch erfüllt werden.“ Gute Beispiele dafür seien die Zirkusse Probst (Ost) und Krone - weniger interessant seien indes Shows wie die des Cirque du Soleil: „Die Verpackung ist toll und ich habe größten Respekt vor der Leistung der Künstler - aber es ist eben nicht dasselbe wie im klassischen Zirkus.“

Keine Aufführung sei wie die andere, berichtet der heutige Bürgermeister und erinnert sich an seine Studentenzeit: Damals habe er zwei- bis dreimal im Jahr das 35-Mark-Ticket der Bahn gekauft und zwei Leidenschaften miteinander verknüpft: die für Städtereisen und die für Zirkusse. „Ich bin zum Beispiel nach Würzburg und Halberstadt gefahren, als ein Zirkus dort gastierte, habe mir die Stadt angeschaut und dann eine Vorstellung besucht“, erinnert er sich und zieht aus einem mehr als 100 Programmheften die beiden Exemplare heraus, die an die Besuche erinnern. Ganz besonders sei jedoch ein Trip Mitte der 1990er Jahre gewesen: Samstagsmorgens um 4 Uhr sei er von Neustadt in Richtung München aufgebrochen, um die Stadt und eine Vorstellung des Zirkus Krone zu besuchen. Dann ging es weiter nach Leipzig, um sich die Stadt anzuschauen und in den Zirkus Probst (Ost) zu gehen. Sonntagabends war Groll zurück in Neustadt - erschöpft aber glücklich.

Ob das Mitglied der Gesellschaft der Zirkusfreunde seine Leidenschaft an seine Tochter Leonie weitervererben kann, steht noch in den Sternen: „Ich war einmal mit ihr in einer Tierschau - aber da hat sie sich eher für die kleinen Häschen interessiert als für die Kamele, die ich so beeindruckend fand.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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