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Beim Kulturspektakel kommt‘s zum großen Knall

Zoff Beim Kulturspektakel kommt‘s zum großen Knall

Einen wutentbrannten CDU-Vorsitzenden, einen FWG-Mann, der Klartext spricht, und einen Vorsitzenden, der nur noch eine Forderung wiederholen kann - all das gab es im Haupt- und Finanzausschuss zu erleben.

Roßdorf. Am Montagabend legte Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses erstmals eine Auflistung der Kosten vor, die durch den Einsatz des Bauhofes beim Kulturspektakel entstehen -im Detail allerdings nur für die vergangenen zwei Jahre. Daran lässt sich erkennen: In dem vom Stadtoberhaupt beispielsweise für die Veranstaltungsreihe des Jahres 2013 kolportierten Minus in Höhe von 443 Euro sind verwaltungsinterne Kosten nicht enthalten. „Das Spektakel war also teurer. Schreiben Sie das“, lautete das Fazit von Rudi Rhiel (FWG), dem Vorsitzenden des Ausschusses, der seine - ob der zahlreichen Wiederholungen an eine Arie erinnernden - Worte allerdings nicht an die Ausschussmitglieder richtete, sondern ungewöhnlicherweise ausschließlich an die Presse.

Richter-Plettenberg räumte ein, dass bei den Kosten „etwas die Transparenz fehlte“. Peter Greib (AWG) kommentierte die in den vergangenen beiden Jahren durch den Bauhof-Einsatz für das Spektakel entstandenen Kosten in Höhe von jeweils fast 12000 Euro (für rund 225 Stunden Arbeitsleistung und etwa 160 Stunden Einsatz von Fahrzeugen) mit dem Hinweis: „Kultur kostet eben.“ Winfried Kaul - Vorsitzender der SPD und Kassierer des Kulturspektakel-Vereins - ergänzte zynisch, wer wolle, könne das Defizit noch höher treiben: Zum Beispiel habe sich der Bürgermeister auch engagiert, was aber nicht separat aufgelistet wurde. Der Einsatz des Bauhofs sei ganz normal - zum Beispiel lieferten die Mitarbeiter Materialien an, wenn Heimat- und Verschönerungsvereine Aktionen hätten: „Und da werden auch keine Rechnungen gestellt.“

Schick: „Wenn‘s zu teuer ist, wird‘s plattgemacht“

Die Mitglieder der CDU-Fraktion nahmen die von ihnen und der FWG angeforderten Zahlen derweil nur hin und verwiesen zum erneuten Mal darauf, dass das Ziel ihrer Anfrage nicht gewesen sei, das Ende des Spektakels herbeizuführen. Sein wahres Gesicht offenbarte dann allerdings Ewald Schick (FWG), der polterte: „Als dieses Drumherumgeschwätz. Wenn‘s zu teuer ist, wird‘s natürlich plattgemacht.“

Und dann ging es richtig rund: Kaul, der im Ausschuss während der Beratungen rund um den Haushaltsplanentwurf bereits mehrfach die Finanzpolitik der CDU kritisiert hatte, warf ein: „Das ist die Amöneburger CDU!“ Das wiederum ließ den Geduldsfaden von Jan-Gernot Wichert reißen. Der Vorsitzende der Christdemokraten schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, erzeugte einen fulminanten Knall und hielt dem SPD-Vorsitzenden vor, dieser würde ihn bereits die ganze Sitzung über persönlich diffamieren. Anschließend verließ er wutentbrannt die Sitzung - in seinem Fahrwasser Elisabeth Orth, die Kaul noch daran erinnerte, dass Schick kein CDU-Mann sei. „Aber Ihr macht gemeinsame Sache“, gab der Sozialdemokrat der Stadträtin mit auf den Weg.

Weitere Diskussionen blieben anschließend aus. Auf Nachfrage dieser Zeitung, warum er die Kosten für den Bauhof verschwiegen habe, sagte Richter-Plettenberg, dass diese zur internen Leistungsverrechnung gehörten - und nicht zu den kassenwirksamen Leistungen. Als die Frage nach den Kosten für den Einsatz des Bauhofs aufgekommen sei, hätten diese noch nicht festgestanden - sie sei zum falschen Zeitpunkt gestellt und später nicht wiederholt worden, versuchte er, sich rauszureden.

Bei den Kosten des Kulturspektakels hatte sich der Bürgermeister ohnehin stets gewunden wie ein Aal. Zumeist lautete die Antwort, eine Endabrechnung liege noch nicht vor. Oder er drückte sich vage aus: Nach dem Spektakel 2011 hatte er von einem Minus im „niedrigen vierstelligen Bereich“ gesprochen. Laut vorgelegten Zahlen steht nun fest, dass es genau 6194 Euro waren - nicht eingerechnet die Kosten für den Bauhof.

Zum Abschluss legten die Ausschussmitglieder fest, dass es sich bei dem Gremium, das sich mit der Erstellung einer Kulturfördersatzung beschäftigen wird, nicht um einen Ausschuss, sondern um eine Arbeitsgruppe handeln solle. Kaul teilte im Namen des Kulturspektakel-Vereins mit, dass dieser sich in einen Förderverein mit neuer Satzung verändern werde, Ziel sei, nicht in die Pflicht genommen werden zu können, die Trägerschaft über das Spektakel zu übernehmen.

von Florian Lerchbacher

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