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Beim Dribbeln zählt Nationalität nicht

Sportangebot für Jugendliche Beim Dribbeln zählt Nationalität nicht

Die Jugendlichen kennen sich teilweise erst seit vier Wochen. Doch sie vermitteln den Eindruck, als ob sie schon lange zusammen auf dem Spielfeld stehen.

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Gemeinsamer Sport, schneller Kontakt: Stadtallendorfer Jugendliche und junge Flüchtlinge kämpfen im Südstadtkiosk um jeden Ball.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Um jeden Ball wird gerungen. Es geht um den Spaß am Spiel, die Freude am Laufen und auspowern.
Das merkt jeder, der einige Minute in der Freizeithalle im Südstadt-Kiosk steht. Am Donnerstagabend gibt es dort seit wenigen Wochen ein offenes Basketballangebot für Jugendliche ab 16 Jahren. Dahinter steckt Sebastian Habura, Streetworker, sprich „Straßensozialarbeiter“ der Stadt. Es gab gleich Zulauf.

Der 16-jährige Cankildan aus Stadtallendorf ist von Anfang an dabei. „Habu“ habe ihn angesprochen. „Hier lerne ich auch mal Leute kennen“, freut er sich und blickt unentwegt auf das Spielfeld. Er fiebert mit. 23 Jugendliche kamen am vergangenen Donnerstagabend in die Halle. Am Rande steht Sebastian Habura.

Jugendliche auf der Straße in die Freizeithalle eingeladen

Als ein Jugendlicher seinem Gegenspieler zu nahe kommt, ruft er laut „Don’t touch the man“ durch die Halle. Mengesha Gebru Abera versteht erst wenige Worte deutsch. Er ist ein Flüchtling aus Eritrea, erst wenige Wochen in Stadtallendorf.
Etwa ein Drittel der Jugendlichen, die ihren gemeinsamen Spaß am Basketballspielen haben, sind Flüchtlinge. Das dem so ist, hat sich eher durch Zufall ergeben. Habura hat einige von ihnen auf der Straße angesprochen, als er sie dort traf. Sie gingen gerade im Iglauer Weges spazieren. Sie wohnen mit ihren Familien in der näheren Umgebung.

Rund 70 Flüchtlinge hat der Landkreis im Augenblick in Stadtallendorf untergebracht, wie Kreissprecher Dr. Markus Morr auf Anfage mitteilt. Unter den jungen Flüchtlingen hat sich das Sportangebot herumgesprochen. Basketballspielen ist für Mengesha ebenso neu wie seine ganze Umgebung. Aber es macht ihm sichtlich Spaß. „Auch wenn ich eigentlich lieber Fußball spiele“, sagt er.

Junge Flüchtlinge aus vielen Ländern kommen zusammen

Tagsüber hat der Flüchtling noch viel Zeit, er möchte jetzt so schnell wie möglich deutsch lernen. Das kann er je nachdem auch im Südstadtkiosk. Einige Jugendliche kämen mitunter direkt von einem Kurs des Vereins „Asylbegleitung“ zum Sport, sagt Streetworker Habura. Stadtallendorfer Jugendliche hat er zunächst über Facebook oder durch direkte Einladungen zum Basketballspielen gebracht. Er freut sich sichtlich, dass sich die Jugendlichen untereinander sofort verstehen. 

„Wir freuen uns, dass sie mitspielen“, sagt auch der 16-jährige Cankildan, der in Stadtallendorf aufgewachsen ist. Junge Flüchtlinge aus Eritrea, dem Irak, Somalia und Syrien kommen zum Basketballspielen. Ammar aus Syrien kommt am Donnerstagabend etwas später zum Spiel. Er lebt seit zwei Monaten in Stadtallendorf und ist am Donnerstag rundherum glücklich, wie er auch gleich erzählt, als er angesprochen wird. „Ich habe grad die Erlaubnis bekommen, drei Jahre hierzubleiben, danke Deutschland“, sagt er.

Sportsachen für junge Flüchtlinge gesucht

Ammar hat in den ersten Wochen bereits intensiv Sprachunterricht gehabt, er ist schon gut zu verstehen, muss nur noch vereinzelt in die englische Sprache wechseln. Sein Weg von Damaskus nach Stadtallendorf war sehr lang, hat Monate gedauert. Er war unter anderem im Libanon, der Türkei und Russland. „Wir verstehen uns prima, wenn englisch nicht geht, schaffen wir das mit Zeichensprache“, erzählt Peter.
Für die jungen Flüchtlinge hat Sebastian Habura in den vergangenen Wochen kurzfristig Turnschuhe organisiert, Spenden. „25 Paar habe ich schon verteilt“, sagt Habura. Er kann aber noch mehr Sportsachen gebrauchen, damit die Jugendlichen angemessen gekleidet mitspielen können, Jacken oder T-Shirts zum Beispiel.

Dass sich die Jugendlichen schon gut verstehen, ist beim Rausgehen nicht zu überhören: „Denk dran, bald gibt es Mitternacht s-Basketball“, ruft Peter einem jungen Somalier hinterher. Der versteht nicht gleich, was er meint. Wort und gestenreich erklärt er es ihm. Das neue Mitternachtsbasketball-Angebot für Jugendliche startet am Freitag, 5. Dezember, um 22 Uhr in der Bärenbachhalle.

von Michael Rinde

  • Kontakt: Stadtallendorfer Jugendliche, die mit Sebastian Habura in Kontakt kommen möchten, haben dazu gleich mehrere Möglichkeiten: per Telefon unter der Nummer 06428 / 443890 oder mobil unter 0172 / 6368531 per Mail an sebastian.habura@stadtallendorf.de oder via Facebook unter Streetwork Stadtallendorf. Über diesen Weg können sich auch Bürger, die die jungen Flüchtlinge mit Sportsachen unterstützen möchten, an Sebastian Habura wenden.
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