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Beide Standorte dürfen bleiben

Grundschule Hatzbachtal Beide Standorte dürfen bleiben

Die Ortsvorsteher von Erksdorf und Hatzbach reagierten am Donnerstag frustriert und verärgert auf die Aussagen des Kreis-Schuldezernenten Marian Zachow zum angedachten Ganztagsprojekt. Das wird es nämlich nicht geben.

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Keine akute Gefahr mehr für einen der Standorte der Grundschule Hatzbachtal, sagt der Kreis.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Was wird aus den beiden Grundschul-Standorten Hatzbach und Erksdorf? Seit 2014 trieb diese Frage die Verantwortlichen um, aber hat vor allem auch die Bürger in den Stadtteilen und die Ortsbeiräte bewegt. Der Grund seinerzeit waren die sinkenden Schülerzahlen und die Befürchtung, dass einer der beiden Standorte nicht mehr zu retten ist.

Heraus kam nach erheblichen Kontroversen eine „Zukunftskonferenz“ mit sehr umfassenden Vorschlägen (die OP berichtete mehrfach), die darin gipfelten, in Hatzbach das Betreuungsangebot, in Erksdorf den Unterrichtsbetrieb zu etablieren. Dies wäre ein besonderes Ganztagsmodell geworden.

Es wäre allerdings mit erheblichen Investitionen in das Hatzbacher Schulgebäude verbunden gewesen. Eingebunden in die Diskussionen waren Kreis, Schulamt, Stadt, natürlich die Schule und die Ortsbeiräte.

Ganztagsmodell wird es nicht geben

Am Mittwochabend verkündete der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow bei einem „Abschlussgespräch“ die Neuigkeiten eben jener „Zukunftskonferenz“: Zum einen ergebe sich aus den Schülerzahlen, dass der Status quo an beiden Standorten nun doch erhalten bleiben könne, wie Zachow der OP gestern erläuterte. Die jüngsten Prognosen zeigten eine positive Schülerzahlen-Entwicklung ab 2020. All das gilt, wenn sich die Bedingungen vor Ort nicht verändern, schränkt der Schuldezernent ein.

Im Schuljahr 2019/2020 sei die Dreiklassigkeit, sprich dass an einem Standort nur noch eine Klasse unterrichtet werden kann, nicht zu vermeiden. „Das Schulamt hat zugesagt, das personell zu überbrücken“, sagt Zachow.

So weit die gute Nachricht aus seiner Sicht: Das von der „Zukunftskonferenz“ erarbeitete Ganztagsmodell mit zwei Standorten wird es nicht geben. „Der Investitionsbedarf ist finanziell nicht zu schultern“, sagt Zachow. Der hätte wohl bei rund 1,5 Millionen Euro gelegen, wie Zachow auf Nachfrage erläuterte. Er habe bei allen Beratungen immer betont, dass alles unter dem Finanzierungsvorbehalt stehe.

Mit diesen Ergebnissen löste der Kreis als Schulträger am Mittwochabend aber wohl keine große Freude bei den Ortsvorstehern aus, im Gegenteil. „Was Herr Zachow uns verkündet hat, ist eigentlich gar nichts“, reagierte Erksdorfs Ortsvorsteher Udo Krebs gestern beim Anruf der OP auf die Neuigkeiten. Auch die Aussagen zur Zukunft beider Standorte will er nicht überbewertet wissen: „Es gibt keine Zusagen darüber, wie lange das gelten wird.“ Die aktuellen Prognosen zur Schülerzahlen-Entwicklung reichten bis 2021 (siehe Infokasten).

Ortsvorsteher beklagt generelle Betreuungssituation

Der Erksdorfer Ortsvorsteher spricht noch eine weitere negative Entwicklung an: Nach den Sommerferien falle die Frühbetreuung weg, deshalb habe eine Familie ihr Kind schon an der Grundschule Langenstein angemeldet. Generell beklagt Krebs die Betreuungssituation an der Grundschule Hatzbachtal. Zachow hatte sich dazu am Mittwochabend wohl schon einiges anhören müssen.

„Was die Frühbetreuung angeht, werden wir das noch einmal prüfen“, sagte er gegenüber der OP zu. Laut Krebs soll es zum Thema Betreuung bis Ostern Aussagen des Kreises geben.

Dabei war es in dem gemeinsam erarbeiteten Konzept der Ortsbeiräte, entstanden auf Wunsch von Kreis und Schulamt, um mehr gegangen als um Investitionen. Ein zentrales Thema sei die Verbesserung des Betreuungsangebotes gewesen. „Jetzt droht gar der Rückschritt“, kommentiert Hatzbachs Ortsvorsteher Frank Drescher, auch er enttäuscht und wütend. Die Ortsbeiräte hätten „ihre Hausaufgaben gemacht und sogar selbst noch Fachleute hinzugezogen, um sich in die Thematik einzuarbeiten“, erinnert Drescher. Der Einsatz reichte von Ortsbeiratssitzungen bis hin zu einem eigenen Workshop mit Mediator. Eigentlich habe der Kreis mal von „Pilotprojekt“ und „Leuchtturm“ gesprochen. Geblieben sei nichts. Wolferodes Ortsvorsteher Armin Naumann setzte einen anderen Akzent. Festzuhalten sei zunächst vor allem, dass beide Standorte erhalten blieben. Damit habe sich der Einsatz auch des Bürgermeisters gelohnt. „Ich glaube, nach alledem wagt es der Kreis nicht, einen Standort zu schließen“, betont Naumann. Allerdings sei bei der Frühbetreuung gemeinsamer Einsatz gefordert, um sie zu erhalten. Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi hatte nach eigener Angabe das Gespräch angeregt, um zu erfahren, in welche Richtung der Kreis agieren will. Schließlich hätte die Stadt den Workshop organisiert und finanziert. Sein Fazit: „Das Engagement für ein Pilotprojekt war umsonst, das ist sehr schade.“ Jetzt liege der Ball beim Kreis, sich dem Problem der Betreuungssituation anzunehmen und Vorschläge zu unterbreiten.

Schülerzahlen
Nach der Prognose 2016/2017 auf Basis der amtlichen Geburtenzahlen geht der Kreis als Schulträger von den folgenden Schülerzahlen an der Grundschule Hatzbachtal in den nächsten Jahren (jeweils zum 1. August berechnet) aus: 51 im Jahr 2017, 54 im Jahr 2018, ebenso im Folgejahr 2019, 60 im Jahr 2020, 67 im Jahr 2021 und 62 im Jahr 2022. Eine Abweichung gegenüber der Prognose 2015/2017 gibt es in 2021. Hier werden jetzt zwei Schüler mehr als bislang vorhergesagt erwartet.

von Michael Rinde

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