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Bei Telefon-Terror hilft Ruhe bewahren

Betrugsversuch Bei Telefon-Terror hilft Ruhe bewahren

Den Festnetzanschluss hat Jürgen Kister ausgestöpselt, sein Handy macht er nur zeitweise an. Seit drei Wochen versuchen Trickbetrüger, ihn zu zermürben und ihm Geld aus der Tasche zu ziehen.

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Immer wieder wird Jürgen Kister von einem angeblichen Inkassounternehmen angerufen – von unterschiedlichen Nummern, vor denen im Internet bereits gewarnt wird.Foto: Florian Lerchbacher

Mengsberg. Kaum macht Jürgen Kister morgens sein Mobiltelefon an, kommt die Nachricht, dass er drei Anrufe verpasst hat. Von immer der gleichen Nummer. Einer Nummer, die dem Mengsberger eigentlich unbekannt ist – die er aber inzwischen ganz genau kennt: Seit drei Wochen ruft eine Frau bei ihm an und gibt sich als Mitarbeiterin eines Inkassobüros aus. Von dieser aber auch von anderen Nummern. Zunächst auf dem Festnetz, inzwischen auf dem Handy.

Er habe im Jahr 2010 an einem Gewinnspiel teilgenommen und sich nicht ordnungsgemäß abgemeldet, will die Frau dem Frührentner weismachen. Angeblich habe er Post von der Staatsanwaltschaft bekommen mit der Mitteilung, er müsse eine Strafe in Höhe von 800 Euro zahlen. Er könne aber auch einfach 290 Euro an ihr Inkassounternehmen überweisen, dann sei der Fall schnell und unbürokratisch erledigt – sonst drohe ihm eine Kontenpfändung.

"Die Masche ist nichts Neues"

Die angebliche Post von der Staatsanwaltschaft hatte der Mengsberger nie erhalten. Und auf das Angebot der Anruferin ließ er sich nicht ein, sondern forderte sie auf, ihm die entsprechenden Unterlagen zuzuschicken – was nie geschah. Stattdessen folgte ein Anruf auf den nächsten. Wenn er eine Nummer ignorierte oder sperrte, kamen die Anrufe von einer anderen Durchwahl. Als er seinen Festnetzanschluss ausstöpselte, rief die Frau plötzlich auf dem Handy an. Wieder und wieder.

„Die Masche ist nichts Neues“, kommentiert Polizeisprecher Martin Ahlich und spricht von einer Zermürbungstaktik. Die Anrufer versuchten, auf ihre Opfer Druck auszuüben. Wenn diese sich durch die angebliche Forderung der Staatsanwaltschaft nicht aus der Ruhe bringen ließen, würden sie mit Telefonterror beginnen und darauf setzen, dass ihre Opfer irgendwann entnervt aufgeben und zahlen.

„Auf gar keinen Fall Geld überweisen“, lautet der unmissverständliche Rat des Polizeisprechers, der betont, dass Kister genau richtig gehandelt habe, indem er die Anruferin aufforderte, ihm die schriftlichen Unterlagen zuzuschicken. Kein seriöses Unternehmen stelle Forderungen dieser Art über‘s Telefon.

"Die Täter sind eigentlich nie da, wo sie laut Nummer sitzen"

Wen die Trickbetrüger ins Visier genommen haben, für den gibt Ahlich folgende Marschroute aus: die Anrufe ignorieren und die Nummer sperren – oder über den Telefonanbieter sperren lassen, was jedoch zumeist gebührenpflichtig ist. Wer das vermeintliche Inkassobüro dennoch am Apparat habe, solle entweder auflegen und/oder die Ruhe bewahren: „Fordern sie den Anrufer auf, die Forderung schriftlich zu schicken. Und geben sie am Telefon auf gar keinen Fall ihre persönlichen Daten wie die Anschrift raus, sondern betonen sie, dass der Anrufer diese ja schon kennen müsste.“

Im Falle Kisters wusste die Anruferin die Adresse sogar. Woher sie diese kennt, ist dem Mengsberger schleierhaft. Eine schriftliche Forderung erhielt er nie, doch der Telefonterror reißt nicht ab. Zwar kennt er die Nummern inzwischen in- und auswendig, die Polizei kann ihm laut Ahlich allerdings nicht helfen. Die Anrufe zurückzuverfolgen, sei nahezu zwecklos: „Die Täter sitzen eigentlich nie da, wo sie laut Nummer sitzen.“

Letzte Maßnahme: Nummer wechseln

Im Notfall helfe nur, die eigenen Nummer zu wechseln: „Das ist zwar ärgerlich, hilft aber. Dann sollte man dafür sorgen, dass die neue Nummer nicht in öffentlichen Medien auftaucht“, sagt der Polizeisprecher.

Genau das will Kister auch machen. Beeindruckend ist, mit welcher Gelassenheit er die Angelegenheit hinnimmt: „Es bringt ja nichts, wenn ich ausflippe.“ Zu seinem Glück handelte er instinktiv richtig: „Ich möchte aber nicht wissen, wieviele Menschen auf solche Tricks reingefallen sind und gezahlt haben.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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