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Behinderte finden Hilfe an einem Ort

Neubau Behinderte finden Hilfe an einem Ort

Der "Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen", kurz "fib", hat eines seiner größten Projekte, den Neubau in Stadtallendorf gestemmt. Alle Angebote sind jetzt an einem Platz.

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Der Neubau des Vereins fib befindet sich in der Wetzlarer Straße 7. Das Gebäude hat drei Stockwerke und einen barrierefreien Eingangsbereich. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. In der Wetzlarer Straße 7 findet sich jetzt die Koordinations- und Beratungsstelle des fib. Von Dezember 2012 bis Januar hat es gedauert, das Gebäude mit der einladenden Glasfassade zu errichten. 1,3 Millionen Euro hat es gekostet. Damit sind jetzt alle Angebote des Vereins in Stadtallendorf beziehungsweise dem Ostkreis an einem Ort zu finden: die Kontaktstelle „Hilfen im Alltag/Persönliche Assistenz“ und das „Unterstützte Wohnen“. Nun werden alle ambulanten Dienste des Vereins von dort aus koordiniert. Der Neubau verfügt außerdem über Veranstaltungsräume, in dem zum Beispiel Selbsthilfegruppen tagen können. „Das Gebäude ist vor allem barrierefrei, was in unseren früheren Räumen in der Behringstraße und der Tirpitzstraße eben nicht durchgängig gegeben war“, sagt fib-Geschäftsführer Wolfgang Urban im Gespräch mit der OP. Wer den Neubau besucht, merkt es auch gleich: Die Eingangstür schwingt gleich auf, wenn sich ihr Besucher nähern, der Aufzug in die höheren Stockwerke ist zu sehen. Dieser Neubau war für den Verein, der sich seit mehr als einem Jahrzehnt in Stadtallendorf engagiert, finanziell gesehen ein „großer Brocken“. Doch es gab Hilfe. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der „Aktion Mensch“. Sie fördert das Bauprojekt auf einen Schlag mit 245000 Euro. Hinzu kommt ein günstiges Darlehen der Sabine-Rademacher-Stiftung und weitere Förderungen. Auch einige Privatspenden haben fib geholfen. Am hilfreichsten war jedoch das derzeit historisch niedrige Zinsniveau, das eine sehr gute Finanzierung für den Verein ermöglicht hat. „Deshalb kann ich ruhig schlafen“, sagt Geschäftsführer Urban.

Dass der Verein gebraucht wird und seine Angebote dringend nötig sind, zeigen einige Zahlen für den Raum Stadtallendorf. Der Verein hilft aktuell rund 100 Personen, die Hälfte davon bei der Familienunterstützung, weitere 20 beim betreuten Wohnen. Bei Baubeginn waren es rund 80 Menschen, die die Hilfen von fib nutzten. Auch personell ist der Verein gewachsen, von 10 Mitarbeitern Ende 2012 auf nunmehr 13 Mitarbeiter. Im Neubau in der Wetzlarer Straße gibt es eine weitere Neuheit: eine Übergangswohnung. Sie ist schon belegt von einer syrischen Flüchtlingsfamilie, die drei Kinder hat, die auf Rollstühle und Hilfen angewiesen sind. Sie haben zunächst in einem Hotel gewohnt, unter großen Schwierigkeiten, weil sich für sie keine Bleibe fand. Jetzt hilft fib bei der Suche nach einem endgültigen Quartier.

Denn die Wohnung ist schon stark nachgefragt und soll wirklich nur eine „Hilfe in der Not“ darstellen. Wolfgang Urban nennt weitere Beispiele: So braucht ein Mann im Rollstuhl dringend ein Übergangsquartier, weil seine Wohnung wegen Schimmels saniert werden muss. „Die Wohnung ist schon jetzt bis zum Herbst belegt“, sagt Urban.

Das führt zu einem grundsätzlichen Problem, das Menschen mit Behinderungen auch in Stadtallendorf plagt. Es fehlt an barrierefreien Wohnungen. „Manche Behörden sind da schon weiter als so mancher Privateigentümer oder die ein oder andere Wohnungsbaugesellschaft“, bekennt der fib-Geschäftsführer. Deshalb ist es für ihn auch eine positive Entwicklung, dass der Vermieter der bisherigen fib-Räume in der Tirpitzstraße darüber nachdenkt, dort behindertengerechte Wohnungen zu schaffen.

Die Koordinations- und Beratungsstelle plant für den 4. April einen Tag der offenen Tür, um sich der Bevölkerung in größerem Rahmen vorzustellen.

von Michael Rinde

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