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Bauhof stellt Arbeit auf evangelischen Friedhöfen ein

Empörung in Betziesdorf Bauhof stellt Arbeit auf evangelischen Friedhöfen ein

Im Betziesdorfer Ortsbeirat herrscht Empörung. Auslöser ist ein Schreiben von Bürgermeister Jochen Kirchner, in dem er die sofortige Einstellung der Bauhofarbeiten auf dem Friedhof mitteilt.

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Noch sind in Betziesdorf die Friedhofsgebühren um ein Vielfaches niedriger als im benachbarten Anzefahr. Das könnte sich bald ändern. Archivfoto: Matthias Mayer

Betziesdorf. „Im Moment bietet sich ein schlimmes Bild dort oben“, konstatierte Ortsvorsteher Gunther Decker resigniert auf der ersten Ortsbeiratssitzung in diesem Jahr. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der städtische Bauhof bereits seit gut einem Monat nicht mehr auf dem Gottesacker des Kirchhainer Stadtteils betätigt.

Am 3. April war ein Brief des Kirchhainer Magistrats bei Gunther Decker eingegangen. Darin kündigte Bürgermeister Jochen Kirchner dem Ortsvorsteher an, der Magistrat habe „in seiner Sitzung am 2. April im Rahmen der Haushaltskonsolidierung beschlossen, (…) alle Arbeiten des städtischen Bauhofs auf den selbstverwalteten Friedhöfen einzustellen.“ Ein Schock für Ortsbeirat, Kirchenvorstand und Friedhofsausschuss in Betziesdorf.

Schließlich hätten sich die Verantwortlichen im Stadtteil seit 2011 „permanent Gedanken gemacht und nach Lösungen gesucht“, befand Decker, um die teuren Bauhofleistungen zu reduzieren, mehr Eigeninitiative zu ergreifen und damit kontinuierlich den Kostendeckungsgrad im Friedhofswesen zu erhöhen. Aus diesen Überlegungen entstand die Drei-Stufen-Regelung, der zufolge Freiwillige nach und nach das Laubrechen, Heckenschneiden und Rasenmähen übernehmen sollten. Auch dieser Plan ist mit dem Schreiben, das auch in die evangelischen Stadtteile Kleinseelheim, Großseelheim, Burgholz, Langenstein und Niederwald versandt wurde, hinfällig. Mit dieser Regelung wollten die Friedhofausschüsse vermeiden, dass die Gebühren auf das dramatisch höhere Niveau der städtischen Friedhöfe in der Kernstadt und den katholischen Stadtteilen angehoben wird, wie die OP mehrfach berichtete. „Das hat viele Leute tief ins Mark getroffen. Ehrenamtliches Engagement wird mit Füßen getreten“, kritisierte Gunther Decker.

Auf Nachfrage der OP stellte sich Jochen Kirchner dieser rauen Kritik: Der Bürgermeister entgegnete, dass er kein Verständnis für die Unzufriedenheit der Betziesdorfer habe. Acht Jahre lang sei die Stadt den Friedhofsausschüssen hinterhergelaufen und habe auf die Verpflichtung hingewiesen, die Kosten zu verringern. „Da hat Betziesdorf viel zu wenig getan“, monierte Kirchner.

Die Entscheidung des Magistrats, den selbstverwalteten Friedhöfen die Bauhof-Unterstützung zu versagen, habe sich nicht vermeiden lassen. Vorgaben des kommunalen Schutzschirms und des Regierungspräsidiums müssten eingehalten, die Personaldecke beim Bauhof verkleinert, geforderte Sparziele erreicht werden. Die bis dato ergriffenen Schritte hätten bei weitem nicht genügt.

Es vor allem um Gerechtigkeit: „In Emsdorf zum Beispiel sind die Friedhofsgebühren 20 Mal höher als in Burgholz. Wie soll ich das den Bürgern erklären? Das ist nicht hinzunehmen“, betonte das Stadtoberhaupt. In der Verantwortung stünden jetzt die Friedhofsausschüsse. „Entweder legen sie uns tragbare Konzepte vor, mit denen sie ihre Ziele erreichen können. Langenstein und Burgholz haben das schon geschafft. Oder wir bieten ihnen an, den Friedhof zu übergehen.“

In diesem Fall würden sich gerade für die Betziesdorfer die Gebühren drastisch erhöhen. Aktuell liegen die Gebühren für ein Doppelgrab in Betziesdorf bei 340 Euro. Ab dem 1. Januar 2015 zahlt der Bürger dafür auf einem städtischen Friedhof 2240 Euro. Das weitere Vorgehen will der Ortsbeirat bei einer Bürgerversammlung besprechen.

von Yanik Schick

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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