Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Baugebiet Am Friedhof bleibt aktuell

Kehrtwende in Kleinseelheim Baugebiet Am Friedhof bleibt aktuell

Die Kirchhainer Stadtverordnetenversammlung befasste sich am Montagabend gleich im halben Dutzend mit dem Thema Bauleitplanung. Das ­brisanteste Thema stand nicht auf der Tagesordnung.

Voriger Artikel
Pumpen könnten Hochbehälter ersetzen
Nächster Artikel
Grüner Verkehrsminister hat das Heft in der Hand

Dieses zwischen Friedhof und Ziegeleistraße gelegene Feld ist Bestandteil eines potenziellen Baugebiets, für das es einen gültigen Flächennutzungsplan gibt. Das kleine Foto zeigt das Areal eines Kleinseelheimer Bürgers, der dort auf eigene Kosten ein kleines Baugebiet entwickeln möchte. Fotos: Matthias Mayer

Kleinseelheim. Zahlreiche Kleinseelheimer waren nur gekommen, um die Beantwortung einer kleinen Anfrage zu hören. Deren Gegenstand: Das noch nicht entwickelte Kleinseelheimer Baugebiet Am Friedhof, für das es seit 20 Jahren einen Flächennutzungsplan gibt.

Während der Bauausschusssitzung am 20. April wurde eine Flächennutzungsplanänderung für ein privates Baugebiet auf den Weg gebracht. Ein Vorhaben, dass der Ausschuss mit erheblichen Bedenken in Sachen Genehmigungsfähigkeit begleitete. Diese sind: In Kleinseelheim gibt es 22 unbebaute Bauplätze im Ortskern. Mehr als ein Baugebiet wird das Regierungspräsidium nicht genehmigen. Warum konzentriert sich die Stadt nicht auf das angestammte Baugebiet Am Friedhof?

Ob diese Frage im Ausschuss beantwortet wurde, ist dem Chronisten nicht mehr erinnerlich. Kleinseelheimer Bürger, die am 20. April zugegen waren, erklärten beim Ortstermin mit dieser Zeitung, dass die mangelnde Verkaufsbereitschaft der Grundstückseigentümer als Grund genannt wurde.

Grundeigentümer zeigen sich verkaufsbereit

Der kann unmöglich ziehen, denn dieser Zeitung liegen schriftliche Erklärungen von allen Grundeigentümern Am Friedhof vor, die allesamt ihr Interesse an einem Verkauf bekundeten und versicherten, nie einen Verkauf der Flächen abgelehnt zu haben.

Genau dies soll der Kleinseelheimer Ortsbeirat laut der OP-Gesprächspartner in seiner Sitzung am 2. Mai als Begründung seines Votums für das private Baugebiet angeführt haben. Aus Sicht der Betroffenen gehört es zu den Merkwürdigkeiten der Geschichte, dass die Kleinseelheimer Nahwärmegenossenschaft bereits im April ein Info-Blatt mit Ortsplan an alle Haushalte verteilte, der den Trassenverlauf der Nahwärmeleitung zeigt. In diesem ist das private Baugebiet trotz seines fragilen Status‘ eingezeichnet, das Baugebiet Am Friedhof nicht. Weiß der Genossenschaftsvorstand mehr als alle anderen Bürger? Die Verwunderung und Verärgerung der Betroffenen ist groß.

Ortsvorsteher Professor Rainer Waldhardt brachte gestern im Gespräch mit der OP Licht ins Dunkel der Geschichte. Der Ortsbeirat sei tatsächlich von einer fehlenden Verkaufsbereitschaft der Grundeigentümer Am Friedhof ausgegangen, weil sich 20 Jahre lang auf dem Gebiet nichts gerührt habe. Es habe keinerlei Initiative für die Verwirklichung des Baugebiets gegeben.

Als falsch bezeichnete der Ortsvorsteher die Darstellung einer Kleinseelheimerin in einem Schreiben an alle Kirchhainer Fraktionsvorsitzenden zum Sachverhalt, dass der Ortsbeirat vor geraumer Zeit die Grundeigentümer vom Ortsbeirat zu möglichen Verkaufsabsichten befragt worden seien. Diese Befragung habe es nie geben, sagte Professor Rainer Waldhardt. Das wiederum bestreitet die Autorin nicht. Sie habe lediglich geschrieben, dass berichtet worden sei, diese Befragung habe es gegeben.

Kommunikation hättebesser sein können

Rainer Waldhardt räumte ein, dass es aus heutiger Sicht besser gewesen wäre, im Vorfeld mit den Eigentümern über ihre Absichten zu sprechen. Die Kommunikation hätte deutlich besser sein können. Zugleich stellte er klar, dass der Ortsbeirat keinerlei Präferenzen für eines der beiden Baugebiete habe und für eine ergebnisoffene Diskussion in der Sache eintrete.

Diese Haltung zeigte auch Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) am Montagabend. Er nutzte die Stadtverordnetenversammlung, um Druck aus dem Kessel zu nehmen und versicherte den anwesenden Kleinseelheimern, dass die Stadt das Gespräch mit jedem einzelnen Grundstückseigentümer suchen werde, um dann das Projekt ohne Vorfestlegungen zu beraten.

Die Beschlüsse zum Thema Bauleitplanung:

n Durchführung des Umlegungsverfahrens sowie Aufstellungs- und Offenlage­beschluss für den Bebauungsplan Röthe 0: Die Beschlüsse wurden mit den Stimmen von SPD und Linke und gegen die Stimmen der CDU gefasst. Hartmut Pfeiffer begründete die ablehnende Haltung seiner Fraktion mit dem aus ihrer Sicht unfairen Umgang mit dem Bauherrn. Im Bauausschuss sei mehrfach erklärt worden, die Verwaltung brauche den Umlegungsbeschluss als Druckmittel gegenüber dem Bauherrn. Das sei ein schwer erträglicher Umgang mit einem Bürger, den die Umlegungsabsicht mitten in der Entwicklungsphase erreicht habe. Die städtische Zusage, ihm die Kosten zu erstatten, sei nicht eingehalten worden. Deshalb sei er heute vergrätzt, aber noch einigungswillig, sagte Pfeiffer.

n Vorhabenbezogener Bebauungsplan Im Riedeboden. Auf dem Gelände hinter dem Rewe-Markt soll eine Seniorenanlage entstehen. Der Investor trägt sämtliche Kosten für die Bauleitplanung. Das Parlament fasste einstimmig den Satzungsbeschluss. n Bebauungsplan Bei der Papiermühle, städtebaulicher Vertrag und Erschließungsvertrag: Das neue Baugebiet wird in zwei Phasen entwickelt. Bei Enthaltung der CDU-Fraktion fasste das Parlament einstimmig den Satzungsbeschluss. n Bebauungsplan Betziesdorf Süd: Der lang gehegte Wunsch der Betziesdorfer nach einem Neubaugebiet geht in Erfüllung. Weil mit einem Grundeigentümer keine Einigung erzielt wurde, fällt das Baugebiet etwas kleiner aus und wird mit einer Stichstraße statt mit einer Ringstraße erschlossen. Einstimmiger Satzungsbeschluss. n Nahwärmetrassen in Stausebach und Kleinseelheim: Die Stadt Kirchhain erlaubt über einen Gestattungsvertrag den beiden Genossenschaften, Nahwärmeleitungen auf ihrem Territorium zu verlegen. Zur Förderung regenerativer Energien legt die Stadt den Pachtzins auf null Cent fest. Das wurde einstimmig beschlossen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr