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Baubehörde beginnt die Planungen

Rüstungsaltlasten Baubehörde beginnt die Planungen

Bei der laufenden Sanierung der früheren Füllgruppe I im Stadtallendorfer Wasag-Gebiet geht es voran. Momentan laufen wichtige Zwischenuntersuchungen zu weiteren Schadstoffbelastungen.

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Ein Bagger beginnt mit dem Abriss des früheren Lagergebäudes der Füllgruppe I. Inzwischen sind alle Gebäude der früheren Produktionsstätte abgebrochen. Archivfoto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Allen Zusatzarbeiten zum Trotz lässt sich der ursprüngliche Zeitplan bei der Sanierung einhalten. Im März 2017 ist die Baustelle „Füllgruppe I“ Geschichte. Das erwarten die Verantwortlichen beim Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH).

„Danach geht es um die Wiederaufforstung“, erläuterte Volker Gebhardt gegenüber der OP. Er ist Bereichsleiter Bundesbau beim Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (früher Baumanagement/Staatsbauamt).

Derzeit laufen Probebohrungen durch die Bodenplatten der früheren Produktionsgebäude, in denen Munition mit Sprengstoff gefüllt wurde. Teilweise lagen diese Bodenplatten jahrzehntelang unter Erdhalden, teilweise standen ebenso lang Gebäude darauf. Das Ergebnis der Probebohrungen wird zeigen, in welche Richtung sich diese Altlastensanierung weiterentwickelt. Denkbar ist, dass sich tief im Boden „polyaromatische Kohlenwasserstoffe“, die unter Altlastensanierern berüchtigten „Paks“, befinden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Die ehemalige Füllgruppe I liegt auf Bundeswehrgelände, allerdings in direkter Nachbarschaft zu Wohnhäusern im Finkenweg und der Scharnhorststraße. Die eigentlichen Sanierungsarbeiten hatten nach dem Jahreswechsel begonnen. Zwischenzeitlich wurden die früheren Halden abgetragen und auch die alten Gebäude abgebrochen (die OP berichtete).

Auf Nachfrage dieser Zeitung hatte Gebhardt jedoch noch eine weitere positive Nachricht parat. Seine Behörde hat grünes Licht für einen gewichtigen Planungsauftrag des Bundes. Es geht nach derzeitigem Stand um mehr als 50 Millionen Euro. Damit soll der übrige Teil der von der Bundeswehr genutzten früheren Wasag-Flächen Zug um Zug saniert werden. In das über Jahre hinweg entwickelte Gesamtkonzept ist auch der „Kirtorfer Acker“, der Standortübungsplatz, einbezogen.

Nächstes Projekt braucht etwa zwei Jahre Vorlauf

Die Vorgeschichte dieses Großprojektes reicht bis in die 1990er-Jahre zurück. Erst auf Druck des Landes hatte sich der Bund seinerzeit überhaupt zur Erkundung der Rüstungsaltlasten auf seinem Gebiet entschlossen.

Wie es jetzt mit der eigentlichen Sanierung des weiteren Wasag-Areals genau weitergeht und in welcher Reihenfolge, muss in den nächsten Monaten erarbeitet und vor allem zwischen allen Beteiligten abgestimmt werden, wie Gebhardt erläutert. Er erwartet, dass in Zukunft jährlich etwa 5 Millionen Euro bereitstehen, sprich, die Gesamtsanierung wird 10 Jahre dauern. Bis wieder Baustellen eingerichtet werden und Bagger rollen, dürfte es wohl 2019 werden, prognostiziert der Bereichsleiter. „Allein die Vorplanung für ein konkretes Projekt dürfte zwei Jahre dauern“, sagt Gebhardt.

Welcher Teil von Wasag-Gelände und „Kirtorfer Acker“ dabei Priorität bekommt, ist noch zu entscheiden. Sehr wahrscheinlich ist es, dass sich die Füllgruppe II des ehemaligen Sprengstoffwerkes anschließt. Sie liegt nur wenige hundert Meter entfernt von der jetzigen Sanierungs-Baustelle. Die Füllgruppe II liegt an und teilweise auf der geplanten Trasse der Autobahn 49. Allein deshalb dürfte dieser Teilbereich des Wasag-Geländes besondere Bedeutung bekommen. Denkbar ist auch, dass die Füllgruppe II sogar separat saniert wird, wenn klar ist, dass die Autobahn tatsächlich über Privatinvestoren weitergebaut wird. Derzeit läuft die vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsprüfung durch den Bund.

Natürlich begrüße die Bundeswehr vor Ort die Entwicklung, erklärte Oberstleutnant Friedrich Wilhelm Luchtenberg als Kasernenkommandant gegenüber der OP. Luchtenberg ist für die Bundeswehr seit Jahren in die Sanierungsplanungen eingebunden. Auch für ihn steht die Füllgruppe II angesichts des A-49-Weiterbaues zunächst an.

An zweiter Stelle der Prioritätenliste der Bundeswehr steht - auch das ist wenig überraschend - der Standortübungsplatz, der „Kirtorfer Acker“. Er ist zwar nicht Teil des früheren Wasag-Geländes, aber ebenfalls teilweise schwer belastet.

Wie diese Zeitung berichtete, sieht das Gesamtkonzept des Bundes allein für den „Kirtorfer Acker“ Sanierungskosten von mehr als 20 Millionen Euro vor. Ein großer Teil des vom Bund in Aussicht gestellten Gesamtbudgets dürfte also dorthin fließen. Die Division Schnelle Kräfte will den Standortübungsplatz zumindest in Teilen wieder nutzen.

von Michael Rinde

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