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Bauarbeiter gestalten Klein barrierefrei

Renaturierung Bauarbeiter gestalten Klein barrierefrei

Nur den Ortschronisten wird gegenwärtig sein, seit wann die B62 als Schnellstraße durch das Ohmtal führt - schon zu lange für das normale Gedächtnis rollt der Verkehr über die dreispurige Piste.

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Bei Dauerregen lud Kurt Moog ein fachkundiges Publikum in den Matsch zur Bauabnahme der renaturierten Klein ein.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Bemerkenswert: Die beiden letzten Bauvorhaben im Zusammenhang mit diesem Straßenbauprojekt wurden erst in dieser Woche fertiggestellt. Das sagte Kirchhains Erster Stadtrat Dietmar Menz am Rande der Bauabnahme gegenüber der OP.

Die Bauabnahmen galten zwei Renaturierungsprojekten am Unterlauf der Klein - die wie auch der Bau der Radenhäuser Lache - zu den sogenannten Ausgleichsmaßnahmen gehört, zu denen der Bund als Bauherr der B62 wegen der mit dem Straßenbau verbundenen Eingriffe in die Natur verpflichtet ist. Und da für den Bau der Straße große landwirtschaftliche Flächen benötigt wurden, kam es zum Flurbereinigung Kirchhain 2, die ebenfalls mit den Arbeiten am kürzesten Fluss Hessens ausläuft. Deshalb lud auch Kurt Moog vom Amt für Bodenmanagement zur Bauabnahme ein. Moog ist bei der Behörde unter anderem für die Gewässer zuständig.

Abriss alter Bausünden

Beseitigt wurden zwei Bausünden aus den 1950er-Jahren: Betonriegel, die wie eine kleine Staustufe quer in die Klein bei der Fortebach-Mühle und kurz vor der Einmündung in die Ohm eingebaut worden waren. Mit diesen Querriegeln habe man früher versucht, die Tiefenerosion in den Gewässern zu minimieren, erläuterte Meike Bonsa, die bei der Kirchhainer Stadtverwaltung unter anderem für Gewässer zuständige Fachfrau, gegenüber dieser Zeitung. Die Betonsperren wurden für die wandernden Fische, ebenso wie die vielen Wehre und Staustufen, zu unüberwindbaren Hindernissen.

Deshalb wurden die Querriegel innerhalb von nur zwei Wochen abgerissen, von der Bad Endbacher Firma Hinterlang, und der Höhenunterschied im Gewässer durch den Einbau sogenannter rauer Gleiten sanft überwunden. Zudem wurden nach Planungen von Ingo Pfeiffer Pfosten tief in die Sohle der Klein eingebaut, um das Gewässer hinter den Gefällstrecken vor Tiefenerosion zu schützen.

Fluss steht vor Veränderungen

Auf den rauen Gleiten erweist sich die Klein als sehr dynamisches Gewässer. Das Wasser rauscht zwischen den zum Teil mächtigen Basaltbrocken und dem eingebauten Totholz talwärts. Gleichwohl können flussaufwärts schwimmende Fische dieses naturnahe Hindernis überwinden - auch bei Niedrigwasser, denn in beide Gleiten wurden Flachwasserrinnen eingebaut. Der Einbau verschiedener Störsteine vervollständigt das Bauprogramm.

Die Klein dürfe und werde sich in den renaturierten Abschnitten verändern. Der Fluss werde Flachwasserzonen und Ruhebereiche für die Wasserfauna bilden, sagte Meike Bonsa. Ein erfreulicher Nebeneffekt der Renaturierung sei, dass die Klein nun den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie entspreche.

Mit der Bauabnahme ging die Verantwortung für Pflege und Erhalt der Einbauten an die Stadt Kirchhain über. Die wird den Wasserverband Lahn-Ohm mit den vermutlich geringen Pflegearbeiten beauftragen.

von Matthias Mayer

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