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Barrierefreiheit kostet 3,8 Millionen

Neue Überlegungen zur Modernisierung des Bahnhofs Barrierefreiheit kostet 3,8 Millionen

Die Arbeiten zur Aufwertung des Kirchhainer Bahnhofsumfelds sind mit Ausnahme des Marktgebäudes abgeschlossen, und an der Restaurierung des Empfangsgebäudes wird gearbeitet. Fehlt nur noch der barrierefreieZugang zu den Zügen.

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Wegen der Kurvenlage lässt sich kein barrierefreier Zugang zum Zug vom jetzigen Bahnsteig verwirklichen. Das Problem ließe sich durch eine Verlängerung des Bahnsteiges Richtung Brücke oder durch den Neubau eines Bahnsteigs zwischen Brücke und Stellwerk lösen. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Der soll folgen, aber das wird für die Stadt ein langer und vor allem teurer Weg. Das berichtete Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr.

Eine Einlasskarte für ein zeitgemäßes Bahnambiente hat die Stadt mit der Aufnahme in ein bis 2019 laufendes Förderprogramm bereits gelöst. Aber die gilt gewissermaßen nur für das Foyer - nicht für den Kinosaal. Ein Blick auf die Leinwand mit den ersten Bildern, wie denn diese Zukunft aussehen könnte, kostet die Schutzschirmkommune stolze 100000 Euro. An dieser Summe ist nicht zu rütteln. Den Preis macht die Bahn.

Jochen Kirchner konfrontierte die Stadtverordneten gleich mit einem ganzen Bündel von Problemen, die sich aus einer entsprechenden Präsentation der Bahn in Kirchhain ergeben.

n Die Rahmenbedingungen: Der Bund gibt über 5 Jahre jährlich 2,5 Milliarden Euro für die Ertüchtigung von Bahnhöfen. 100 Bahnhöfe wurden in das Programm aufgenommen. Voraussetzung für die Umsetzung: Alle Beteiligten beteiligen sich an den Investitionskosten. In Kirchhain sind dies DB Netze, DB Station & Services, der RMV und die Stadt Kirchhain. n Der Zeitplan: Höchste Eile ist geboten, denn die Arbeiten am Kirchhainer Bahnhof machen eine Vollsperrung der Strecke erforderlich. Diese muss fünf Jahre vor Baubeginn beantragt werden. n Die Baukosten: Die von der Bahn für Kirchhain prognostizierten Baukosten sind immens: 3,8 Millionen Euro. Riesenkröte für die Stadt: Die Planungskosten betragen satte 25 Prozent - weit höher als bei sonstigen Bauvorhaben. Die Bahn plant hier selber und nutzt ihre Monopolstellung. Das ist bitter für die Stadt, denn Planungskosten sind nicht förderfähig. Zu teuer: Günter Schrantz plädiert für die Sänfte n Die Förderung: Das Land Hessen beteiligt mit 85 Prozent an den förderfähigen Baukosten. Längst nicht alle Baukosten sind förderfähig. Der RMV beteiligt sich an den Planungskosten.

Die örtlichen Gegebenheiten: Diese gestalten sich äußerst schwierig, denn der hinter den beiden Durchfahrtgleisen liegende Inselbahnsteig liegt mitten in einer Kurve. Das bedeutet: Der Weg zum Bahnsteig kann mit Aufzügen barrierefrei gestaltet werden, nicht aber der Zugang ins Zuginnere. Wegen der Kurvenlage bleibt ein Spalt zwischen dem um 30 Zentimeter zu erhöhenden Bahnsteig und den Waggontüren. Rollstuhlfahrer können ohne fremde Hilfe nicht in das Zuginnere gelangen.

Die Lösungen: Denkbar sind zwei Varianten: Eine Verlängerung des Bahnsteigs aus dem Kurvenradius heraus Richtung Eisenbahnbrücke. Dann wäre ein barrierefreier Zugang zumindest an der Zugspitze beziehungsweise am Zugende möglich. Die aufwändigere Alternative dazu: Der bestehende Bahnsteig nebst Unterführung wird aufgegeben, ein neuer hinter der Eisenbahnbrücke im geraden Gleisfeld Richtung Stellwerk gebaut. Die Erschließung könnte durch einen Turmaufzug von der Brücke erfolgen. Für beide Varianten müssten mehrere Gleise verlegt werden, um Platz für den neuen Bahnsteig beziehungsweise die Bahnsteigverlängerung zu schaffen

Der Bürgermeister sieht die Stadt im Zugzwang: Um sich ein einigermaßen vernünftiges Bild von diesen Varianten machen zu können, müsse die Stadt schon in den nächsten Haushalt 2015 rund 100000 Euro Planungskosten einstellen. Wenn nicht, sei das Projekt für die nächsten 20 Jahre gestorben.Der Stadtverordnete Günter Schrantz (FDP) sprach sich wegen der hohen Kosten dagegen aus. Es sei ungleich preiswerter, zwei 450-Euro-Kräfte anzuheuern, die bei Bedarf Reisende mit der Sänfte auf den Bahnsteig trügen, sagte er mit einem Anflug von Defätismus. Der Stadtverordnete Olaf Hausmann (SPD) wollte davon nichts wissen. Nach den Investitionen vor dem Bahnhof müsse zur Stärkung der Wohnstadt Kirchhain jetzt auch etwas hinter dem Bahnhof geschehen. Das gebiete allein die demografische Entwicklung. Auch der Erste Stadtrat Dietmar Menz warb für den Versuch. Der große Vorteil des Förderprogrammes sei, dass die Stadt an jedem Punkt aussteigen könne.

von Matthias Mayer

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