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Bagger räumen die Schutthalden ab

Rüstungsaltlasten Bagger räumen die Schutthalden ab

Große Teile der Baustelle im Wasag-Gelände der Bundeswehr sind von Kampfmittelexperten ­inzwischen noch einmal untersucht worden. Gefunden haben sie nichts.

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Unter diesen Hügeln liegen die Reste von Schmelz- und Gießhäusern der Füllgruppe I des „Werkes Herrenwald“. Fotos: Michael Rinde

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Das Gelände rund um die einstige Produktionsstätte des „Werkes Herrenwald“ ist komplett von einem Bauzaun umgeben, auch im Wald. Seit Herbst laufen dort Vorarbeiten für die eigentliche Sanierung dieser Rüstungsaltlast. Nichts soll am Ende mehr darauf hindeuten, dass dort Munition verfüllt wurde. Dann wäre zumindest dieser Teil des Wasag-Geländes im Bereich der Bundeswehr altlastenfrei.

Eine Anordnung des hessischen Kampfmittelräumdienstes hatte den eigentlichen Sanierungsstart noch einmal verzögert. Vor Beginn der Bodenarbeiten untersuchten Kampfmittelexperten das Gelände ein weiteres Mal. „Zwei Mann haben Quadratmeter für Quadratmeter geprüft“, erläutert Karl-Wilhelm Schütz. Er ist Projektleiter des hessischen Baumanagements (früher Staatsbauamt), das im Auftrag des Bundes die Sanierung leitet. Dabei mussten zunächst Elektrokabel und Wasserleitungen aus dem Boden geholt werden. Sie hätten die Sonden der Munitionsexperten ansonsten irritiert.

Riesige Schutthalden

Nachdem alle im Wege stehenden Bäume verschwunden sind, wird das Ausmaß der Arbeiten klarer. Riesige Schutthalden sind die Überbleibsel der einst gesprengten, teilweise dreigeschossigen Produktionsgebäude der Füllgruppe I. Bei den Voruntersuchungen fanden sich alte Gießkanäle und Fahrstuhlschächte. Der Boden ist belastet. Ab voraussichtlich Mitte Februar kommen Spezialbagger zum Einsatz. Sie ziehen Betonplatte für Betonplatte aus den Halden. Vorsicht ist geboten, weil sich nicht ausschließen lässt, dass Munitionsreste darunterliegen könnten. Bei allen Bodenarbeiten steht ein Munitionsexperte der Kampfmittelräumer daneben. Dieser Bagger ist besonders geschützt.

Ein weiterer Bagger zerkleinert die Betonreste dann schließlich. Begonnen wird damit an den Gebäudehalden, die nicht in der Nähe von Wohngebäuden liegen. Finkenweg und Scharnhorststraße grenzen an die Gesamtbaustelle. „Wir wollen Erfahrungen sammeln“, sagt Schütz.

Alle Baufahrzeuge nutzen wie angekündigt die Artilleriestraße der Bundeswehr, zweigen von dort auf einen Zufahrtsweg ab, um die Anlieger nicht zu belasten.

Wasser, mit dem es die Baufirmen während der Arbeiten zu tun bekommen, wird kontrolliert und untersucht. Eine Reinigungsanlage steht bereits an der Herrenwaldkaserne. Alle Böden, die die Bagger herausholen, werden untersucht und währenddessen in Containern zwischengelagert.

Zweite frühere Füllstelle liegt an der A-49-Trasse

Belasteter Boden wird entsorgt, wobei es auch dabei Abstufungen gibt. Alles läuft also vergleichbar mit Bodensanierungen im zivilen DAG-Gebiet ab. Mit einigen Unterschieden: In der Wasag bekommen es die Sanierer mit anderen Problemstoffen zu tun. Positiv: Es geht nicht um Schadstoffe, die flüchtig sind, also in die Luft entweichen, wenn sie einmal freigelegt wurden. Deshalb sind bisher auch keine Zelte oder Einhausungen vorgesehen. „Wenn wir anderes finden, müssen wir unsere Pläne ändern“, sagt Projektleiter Schütz.

Die Arbeiten an der Füllstelle I, der Produktionseinheit, die am längsten in Betrieb war, sind ein Pilotvorhaben, mit dem Baumanagement und Bund Erfahrungen sammeln wollen. Zum Wasag-Gebiet auf dem Bundeswehrgelände gehören noch zahlreiche weitere Areale. Als nächstes Sanierungsvorhaben ist die frühere Füllgruppe II vorgesehen. Bei ihr zeigten sich ähnlich hohe Belastungen wie bei der Füllgruppe I. Auch dort wird zunächst der Kampfmittelräumdienst aktiv werden. Die einst gesprengten Gebäude liegen deutlich weiter entfernt von Wohnhäusern. Die Füllgruppe II hat auch aus einem anderen Grund Vorrang bekommen. Sie liegt im Gebiet der A-49-Trasse. Und dort muss der Bund vor dem Bau bescheinigen, dass es keine Rüstungsaltlasten mehr im Boden gibt.

Auch der „Kirtorfer Acker“ soll saniert werden

Außerdem stehen Bereiche in der Hessen-Kaserne wie auch der Herrenwaldkaserne, die übrigen beiden Füllgruppen, weiteres Wasag-Gelände und auch der Standortübungsplatz im Gesamtkonzept. Rund 66 Millionen Euro sind für die Sanierungen insgesamt veranschlagt. Hinzu kommen 3,83 Millionen Euro für das "Pilotprojekt Füllgruppe I". Bis zum Spätsommer 2017 will das Baumanagement mit dem Pilotvorhaben fertig sein.

Bei einer Sanierung des Übungsplatzes wird die Freude bei der Division Schnelle Kräfte besonders groß sein. Sie drängt seit ihrem Umzug nach Stadtallendorf auf eine Sanierung, weil sie Teile des Geländes wieder nutzen will.

Volker Gebhardt vom Baumanagement begleitet das Gesamtprojekt Wasag-Sanierung seit etwa 2008. In einigen Monaten fallen weitere Entscheidungen über die Sanierung der übrigen Wasag, erläutert Gebhardt beim Besuch der Baustelle an der Füllgruppe I. Er rechnet damit, dass das gesamte Sanierungsprojekt etwa zehn Jahre dauern wird, wenn alles wie vorgesehen verläuft.

von Michael Rinde

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