Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Badeaufsicht verzweifelt gesucht

Personalnot Badeaufsicht verzweifelt gesucht

Es sind nicht die enormen Unterhaltungskosten sondern Personalprobleme, die auf Sicht den Bestand von Schwimmbädern im Ostkreis gefährden könnten. Das wurde am Rande der jüngsten Kirchhainer Stadtverordnetenversammlung deutlich.

Voriger Artikel
Eine deutliche Geste an die Soldaten
Nächster Artikel
Nach langem Warten geht es los

Der (Alt-) Bürgermeister als Bademeister: In dieser Rolle wird Manfred Barth auch in diesem Jahr wieder im Rauschenberger Freibad zu sehen sein. Archivfoto: Matthias Mayer

Ostkreis. „Kann das Kirchhainer Freibad pünktlich in die Saison starten?“, wollte der SPD-Fraktionsvorsitzende Olaf Hausmann von Bürgermeister Jochen Kirchner wissen. Das könne er nicht garantieren, antwortete das parteilose Stadtoberhaupt unter Hinweis auf ein großes Problem mit der Badeaufsicht. Die Stadt habe sich in der Vergangenheit für die Freibadsaison stets einen Mitarbeiter des privatisierten Hallenbads „ausgeborgt“. Das gehe in diesem Jahr nicht, da die Hallenbad-Betreibergesellschaft selbst verzweifelt eine Fachkraft suche.

Ersatzbademeister gesucht

In seiner Not habe er sich an die Stadt Stadtallendorf mit der Bitte um Hilfe gewandt, da dass dortige Hallenbad wegen der Grundsanierung zum 1. Juni geschlossen werde. Dort habe er erfahren, dass die Stadt nur zwei von vier Bademeister-Planstellen besetzt habe, die beide für die Freibad-Saison benötigt wurden. Anfragen in Marburg und Ebsdorfergrund hätten das gleiche Ergebnis gebracht, erklärte Kirchner.

Aus dem Parlament kam der Vorschlag, es in Neustadt zu versuchen. Dort gehe das Hallenbad Mengsberg in die Sommerpause. Den Anruf im Neustädter Rathaus kann sich Jochen Kirchner sparen, denn als die OP gestern bei Neustadts Bürgermeister Thomas Groll in Sachen Badeaufsicht vorsprach, brach dieser in Gelächter aus, war doch die Stadtverwaltung just zu dieser Stunde mit einer Stellenausschreibung für einen Bademeister beschäftigt.

„Einer unserer beiden Bademeister ist langfristig erkrankt. Seine Rückkehr ist nicht absehbar. Deshalb suchen wir zunächst befristet vom 1. Mai bis zum 30. September eine Ersatzkraft“, erklärte Groll. Und was passiert, wenn der offenbar abgegraste Markt für Bademeister auch für Neustadt nichts hergibt? „Dann drohen uns Beschränkungen bei der Öffnungszeit des Freibades“, sprach Thomas Groll Klartext. Er werde sich auf keinerlei fragwürdige Experimente einlassen.

In Rauschenberg ist die Freibad-Saison für diese Jahr noch gesichert. „Marlon Barth wird sich über einen Saisonvertrag die Badeaufsicht mit Armin Köhler teilen. Ob das sein Studium auch im nächsten Sommer noch zulässt, ist offen“, sagte Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) auf Anfrage der OP. Wie soll es weitergehen? Michael Emmerich hat kein Patentrezept, kann sich aber vorstellen, dass bei der nächsten Ausschreibung für eine Stelle am Bauhof die Befähigung für die Badeaufsicht, der Deutsche Rettungsschwimmpass in Silber, Einstellungskriterium sein wird.

Prüfung: Hart, schwer und kompliziert

Doch der Erwerb dieses Befähigungsnachweises hat es in sich, sagt Rauschenbergs Alt-Bürgermeister Manfred Barth. Der ehemalige Leistungsschwimmer muss es wissen, denn in seiner Familie „hat jeder den Rettungsschwimmpass – außer dem Hund“, wie er im Gespräch mit der OP erklärt. „Ausbildung und Prüfungen sind hart, schwer und kompliziert. Und die Hälfte fällt durch“, nennt Barth einen Grund für den offenkundigen Engpass, von dem er aus persönlichen Erleben weiß. Selbst Ebsdorfergrund Bürgermeister Andreas Schulz habe schon versucht, ihn als Aushilfe für das Grundbad zu gewinnen. Einen zweiten Grund sieht er in der alle drei Jahre fälligen Wiederholungsprüfung, die im Alter zu einer ständig wachsenden Hürde werde. „Ohne eine gute Konstitution schaffen Sie es nicht“, stellt Manfred Barth klar. Für seine Verlängerung vor Jahresfrist habe er sechs Wochen lang trainiert und kräftig abgespeckt. Ein Blick in den Anforderungskatalog verdeutlicht, warum: 400 Meter Schwimmen auf Zeit in drei Lagen, 25 Meter Streckentauchen, dreimal Tieftauchen in Tiefen von drei bis fünf Metern, 50 Meter Schleppen in Bekleidung auf Zeit sind einige der anstrengendsten Prüfungsteile.

Barth verteidigt die Prüfungsinhalte. „Sie müssen in der Lage sein, im Springerbecken einen 110-Kilo-Mann aus 3,80 Meter Tiefe zu holen. An dem müssen Sie ganz schön zerren, damit das klappt“, stellt Manfred Barth fest, der im Sommer gemeinsam mit seiner Frau in Rauschenberg Badeaufsicht macht, bis für seinen Sohn Marlon die Semesterferien beginnen. Der große Trainingsaufwand für die Prüfung war es, der Peter Bittner dazu bewog, seiner ohne Rettungsschwimmpass agierenden Mitarbeiterin eine Karenzzeit von acht Wochen bis zum Erlangen der Lizenz einzuräumen. „Sie braucht die Zeit für das Training“, sagte der Geschäftführer der Kirchhainer Hallenbad-Betriebsgesellschaft.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr