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Ausschüsse sagen Ja zum Freibad

Sanierung Ausschüsse sagen Ja zum Freibad

Eigentlich wollten sich die Ausschüsse Umwelt und Soziales sowie Wirtschaft und Verkehr bei ihrer gemeinsamen Sitzung nur mit Zustand und laufenden Kosten des Freibads befassen. Dann tauchte ein zweites Problem auf.

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Das Archivbild zeigt Werner Jesberg, der im Beisein von Inge Pfeiffer den Chlorgehalt des Wassers im Kirchhainer Freibad überprüft.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. „Wie sieht es mit dem Freibad-Personal im kommenden Jahr aus?“, wollte die Stadtverordnete Dorothea Schmidt von Bürgermeister Jochen Kirchner wissen. „Genauso wie in diesem Jahr“, lautete die ernüchternde Antwort des Stadtoberhaupts.

Während der vergangenen Saison hatte sich einer von zwei Fachangestellten für Bäder beruflich verändert. Das hatte Auswirkungen auf den Badebetrieb im vergangenen Sommer, weil allein die Angehörigen dieser Berufsgruppe die Berechtigung haben, eine Chlorgasanlage zu steuern und zu überwachen. Das Bad blieb an Dienstagen ganz geschlossen und schloss ansonsten abends bis zu zwei Stunden früher. Dieses Szenario sollte sich 2015 nicht wiederholen, doch wie der Bürgermeister berichtete, hat die Stadt keinen Ersatz für den ausgeschiedenen Mitarbeiter gefunden.

„Der Arbeitsmarkt für diese Fachkräfte ist wie leergefegt. Wer diese Ausbildung absolviert hat, sucht sich eine ganzjährige Beschäftigung in Wellness-Bädern und ist nicht bereit, außerhalb der Freibad-Saison für den Bauhof zu arbeiten“, erläuterte Jochen Kirchner. Versuche, die Lücke aus den eigenen Reihen zu schließen, seien gescheitert. Unter den städtischen Mitarbeitern sei niemand für diesen Ausbildungsgang gefunden worden. Er hoffe, dass sich das Problem in Zusammenarbeit mit der Betreibergesellschaft des bürgerschaftlich betriebenen Kirchhainer Hallenbades lösen lasse, sagte der Bürgermeister.

Personalproblem lässt sich nicht kurzfristig lösen

Dessen ehrenamtlicher Geschäftsführer und CDU-Stadtverordnete Peter Bittner merkte an, dass sich das Problem über Ausbildung kurzfristig nicht lösen lasse, da der Ausbildungsgang drei Jahre dauere. Zudem sei die Ausbildungsquote hessenweit niedrig. Überdies seien in diesem Jahr extrem viele Prüflinge durchgefallen.

Im Landkreis seien allein die mit Meistern besetzten Schwimmbad-Betriebe in Marburg und Stadtallendorf ausbildungsberechtigt. Diese bildeten aber knapp aus für den Eigenbedarf, sagte Bittner in Beantwortung einer Frage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Uwe Pöppler.

Pöppler schlug vor, einen regionalen Ausbildungsverbund zu gründen, und Gerd Althainz regte an, sich an Ausbildungskosten in Marburg oder Stadtallendorf zu beteiligen. Der Bürgermeister entgegnete, dass für derartige Projekte die wichtigste Grundlage fehle: die Kooperationsbereitschaft.

Für die wichtige Personalfrage brachten die Ausschüsse folglich keine Lösung auf den Weg, wohl aber für die Zukunft des Freibades. Das soll unbedingt erhalten werden. Dieser gemeinsame Wille aller Beteiligten prägte die konstruktive und zielorientierte Diskussion, die Helga Sitt (Bündnisgrüne) und Professor Erhard Mörschel als Ausschuss-Vorsitzende leiteten.

Bittner: 50-Meter-Becken ist Kostenfresser

Diese hob der Bürgermeister gleich auf das richtige Gleis, als er für einen Grundsatzbeschluss für eine schrittweise und grundhafte Erneuerung des Freibades warb. Mit Flickschusterei sei es nicht mehr getan, sagte Kirchner und beschrieb das Grundproblem: Schwimmbecken und Durchschreitebecken sind Sanierungsfälle. Das Leitungsnetz ist es auch. Fatalerweise liegen die Rohrleitungen unter dem Schwimmbecken und unter den Durchschreitebecken. Ohne den Abriss der Becken lässt sich das Problem nicht lösen.

Karl-Heinz Geil sprang als Erster auf den Zug. Für ihn sei das Freibad nach den Bauvorhaben Bahnhof, Bürgerhaus und Feuerwehr-Stützpunkt das nächste große Investitionsprojekt der Stadt, sagte der Sozialdemokrat aus Niederwald. Peter Bittner bezeichnete den vom Bürgermeister vorgeschlagenen Weg als richtig. „Es wäre Unfug, am alten Becken herumzudoktern. Das 50-Meter-Becken ist für Kirchhain zu groß und ein Kostenfresser“, sagte er und warb für ein kleines Becken mit Abdeckung. Allein eine Abdeckung reduziere die Energiekosten eines Freibades um 60 Prozent.

Die Ausschussmitglieder kamen überein, eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden, die Vorschläge für eine schrittweise Sanierung und Erneuerung des Bades erarbeiten soll. Das spontane Interesse an dieser AG war so groß, dass in den Fraktionen und im Ältestenrat über deren Besetzung beraten werden soll.

Da die SPD-Fraktion ihre Wünsche zum Freibad als erfüllt ansieht, zog Wolfgang Budde für diese einen SPD-Antrag zur Freibad-Zukunft zurück. Hinfällig sind mit der neuen Entwicklung die Zahlen und Fakten zum Schwimmbad, die der Magistrat für die Beantwortung einer großen Anfrage der Koalitionsfraktionen vorgelegt hatte.

von Matthias Mayer

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