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Ausgebremst nach optimistischem Start

Bauhofsneubau Ausgebremst nach optimistischem Start

Vor fast einem Jahr beschloss das Stadtallendorfer Stadtparlament das Millionenprojekt Bauhofsneubau. Inzwischen ist der Zeitplan komplett durcheinander geraten. Keiner wagt die Prognose, wann die Arbeiten beginnen.

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Auf dem Gelände des Betriebshofs II soll der Neubau für einen gemeinsamen Baubetriebshof entstehen. Altlasten eines früheren Schrottplatzes bereiten aber Probleme.Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Der Wertstoffhof ist bereits in eine angemietete Halle umgezogen. Die Stadt, vielmehr ihre Eigenbetriebe Dienstleistungen und Immobilien und Stadtwerke, haben schon rund 180000 Euro für Planungen ausgegeben. Doch wann die Bagger tatsächlich anrollen werden, das weiß zurzeit niemand. Denn: Bisher war es noch nicht möglich, einen Bauantrag für das Gebäude auf dem Grundstück des jetzigen Bauhofs II zu stellen. Eine Abrissgenehmigung und die Erlaubnis für Baumrodungen gibt es schon. Doch auf dem Gelände gibt es ein Altlastenproblem, wie sich aus der Antwort einer großen Anfrage der FDP-Fraktion an den Magistrat ergab. Es geht dabei nicht um das Thema Rüstungsaltlasten, sondern um Bodenbelastungen aus Zeiten eines späteren Schrottplatzes. Der Schrottplatz bestand bis 1977. Bodenuntersuchungen gab es in den vergangenen Jahren zwar schon mehrere, zum Beispiel im Jahr 2008. Schließlich wurden sogenannte Altstandorte systematisch untersucht und bewertet.

Das Regierungspräsidium (RP) Gießen hatallerdings weiteren Klärungsbedarf gesehen. Offenbar geschah das nicht ohne Grund, wie sich inzwischen gezeigt hat. Bei einer Nachuntersuchung durch ein Institut im Auftrag der Stadt zeigte sich ein „sehr uneinheitliches und kleinräumiges Bild“ der Schadstoffbelastungen. Es ging auch um die Frage, wie mit Bodenaushub umgegangen werden muss, wenn dort gebaut wird. Die Einstufungen der Proben reichen von frei verwertbar bis „gefährlicher Abfall“.

Da die Altlast zum einen schon als solche bekannt war und das Gelände außerdem in der Trinkwasserschutz-Zone IIIa liegt, sind eine Reihe von Behörden eingebunden: zwei verschiedene RP-Abteilungen, die Hessische Landesanstalt für Umwelt und Geologie (HLUG) und die Kreisverwaltung. Dass es zu Bauauflagen wegen der Bodenbelastungen kommt, bezweifelt bei der Stadtverwaltung offenbar keiner mehr. Die Frage ist nur, wie weitreichend diese Auflagen sein werden. Derzeit wartet die Verwaltung auf eine endgültige Stellungnahme vom RP Gießen. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, will Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) bei einer Ortsbegehung mit den RP-Vertretern die offenen Fragen klären. Der Termin ist für den 6. Dezember geplant. Über ein mögliches Ergebnis will Somogyi auf Anfrage der OP nicht spekulieren. „Von kleineren Auflagen bis hin zu einer kompletten Neuausrichtung des Projekts ist alles möglich“, sagt der Stadtallendorfer Bürgermeister. Gänzlich offen ist auch noch die Antwort auf die Frage, ob das mit 4,9 Millionen Euro veranschlagte Bauvorhaben am Ende nicht deutlich werden wird. Auch das hängt vom Umfang möglicher Auflagen ab.

Behörde: Abfall entfernen,Boden untersuchen

Beim RP gibt es klare Vorstellungen zum Umgang mit der Altlast, wie die Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung zeigte. Das Regierungspräsidium geht davon aus, dass es sich bei den Altlasten vom früheren Schrottplatz weniger um Schwermetalle, sondern um organische Verbindungen handelt. Sie rühren von zehn verschiedenen Abfall.arten her, die das Grundstück laut RP belastem. Die Behörde erwartet, dass die Stadt die Überreste des Schrottplatzes komplett beseitigt. „Der Standort wäre ok. Allerdings müsste der dort lagernde Abfall entfernt und der mit Abfall vermischte Boden näher untersucht, ausgehoben oder wenigstens gesichert werden“, heißt es in der Auskunft der Behörde gegenüber der OP. RP-Sprecherin Gabriele Fischer zählt allein neun Punkte auf, wie mit dem belasteten Boden umzugehen wäre.

Auf den Neubau, der aus zwei Bauhöfen einen machen soll, warten die mehr als 30 Mitarbeiter seit inzwischen mehr als 10 Jahren. Die Arbeitsbedingungen im Bauhof I waren bereits Anlass für Beanstandungen von Aufsichtsbehörden.

von Michael Rinde

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