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Ausflug in prachtvolle Vergangenheit

Paramente-Ausstellung Ausflug in prachtvolle Vergangenheit

Erstmals hatte der Förderverein Stiftskirche die Schatzkisten in der Sakristei geöffnet und zeigte in einer Paramenten-Ausstellung prächtige historische Gewänder und Textilien von der Mitte des 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

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Wo zuerst hinschauen? Die Paramente-Ausstellung im Amöneburger Rabanushaus bot den Besuchern überall optische Reize. Foto: Karin Waldhüter

Amöneburg. Beim Betreten des Rabanushauses entfuhr manchem Besucher beim Anblick der ausgestellten Kostbarkeiten ein überraschtes „Ahh“. Der zweite Blick der Besucher ging tiefer und vor allem näher, um die ausgestellten Paramente und die feinen wert­vollen Handarbeiten genauer zu begutachten.

Paramente sind die im Kirchenraum aufgehängten und die während der Liturgie verwendeten Textilien. Dazu zählen Stola, Manipel und die Obergewänder (Kasel, Dalmatik) der Liturgen sowie unter anderem das Kelchvelum und Pultvelum, die sich nach der jeweiligen liturgischen Farbe richten und ebenfalls in der Ausstellung zu sehen waren.

„Ich bin überwältigt von dieser Schönheit. Es ist ein Wunder, dass die Gewänder so gut erhalten sind. Das ist eine unvorstellbare Kostbarkeit und ein großer Wert, sie hier zu sehen“, erklärte Besucherin Zumeri Dragica. Sie ist Küsterin in der Stadtallendorfer Kirchengemeinde Christkönig und zeigte sich beim Betrachten der Ausstellung überwältigt. „Die Ausstellung versetzt mich in die Vergangenheit, gerade die schönen Stickereien gibt es heute ja nicht mehr“, sagte die 70-Jährige.

Besonders die mehr als 250 Jahre alten Messgewänder aus Seide, Brokat und kostbarem Damast hatten es den Besuchern angetan. Der Ornat in roter Seide ist zum Beispiel versehen mit einer aufwendigen handgearbeiteten Brokatstickerei und zeigt auf dem Kasel (Messgewand aus dem Jahr 1751) den guten Hirten. Eingestickte Initialen weisen auf den Stifter Johann-Franz Huth hin. Als einer von neun Stiftsherren wirkte er als Dechant, Kommissar und Pfarrer von 1737 bis 1751 in Amöneburg.

Jedes Gewand zeigteine andere Symbolik

Während der damaligen Zeit bildete die Rückenpartie die Schauseite der Messgewänder. Aufwendige Stickereien in feinster Handarbeit zieren die Rückansichten der prächtigen liturgischen Gewänder und zeigen biblische Motive. „Es ist erstaunlich, wie vielfältig die Ausdrucksformen sind, auf keinem der Gewänder gibt es die gleiche Darstellung, jedes Gewand ist mit einer anderen Symbolik bestückt“, berichtete die Vorsitzende des Fördervereins der Stiftskirche Antonie Köhl. Gemeinsam mit Küster Markus Ruhl, Dr. Paul Lang und weiteren Unterstützern stand sie während der Ausstellung für Fragen bereit.

Einige der historischen Messgewänder weisen gerade auf der Vorderseite Abnutzungserscheinungen auf. „Der Pfarrer stand mit dem Bauch direkt am Altar“, erläuterte Markus Ruhl. Dies habe zu Reibung und Abnutzung an dieser Stelle geführt.

Um die Entwicklung der Messgewänder aufzuzeigen, sind auch solche zu sehen, die in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Aus dem Jahre 2004 stammt das rote Bonifatius-Messgewand. Die Applikationen zeigen Mitra mit Bischofstab und Kreuz, Messbuch mit Dolch für den Märtyrertod, Feuerzungen für das Firm-Sakrament und eine Silhouette des Bergs.

Am Sonntagnachmittag ist die Ausstellung sehr gut besucht. „Ich freue mich, dass so viele gekommen sind“, berichtete Antonie Köhl zufrieden. Gleich nach der Messe seien viele Gottesdienstbesucher in die Ausstellung gekommen. Doch auch später riss der Besucherstrom nicht ab.

Wie auch heute noch Paramente gefertigt werden, demonstrierte Stickmeisterin Maria Baum bei ihrer Arbeit an einer Kanzelpultdecke. Die Künstlerin lebt in Oberrosphe und betreibt dort eine Werkstatt für Paramentik und Textilkunst.

Ob die prächtigen historischen Gewänder in Zukunft wohl noch einmal getragen werden? Sie habe gehört, erzählt Antonie Köhl, dass Pfarrer Marcus Vogler daran denke, dass ein oder andere Gewand wieder einmal zu tragen.

von Karin Waldhüter

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