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Ausbruch aus der schönen neuen Welt

Musical Ausbruch aus der schönen neuen Welt

Rund 200 Zuschauer ­sahen in der Aula der Alfred-Wegener-Schule die Premiere des Musiktheaters „Schöne neue Welt“.

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Großes Spektakel auf der Bühne: „Schöne neue Welt“.

Quelle: Yanik Schick

Kirchhain. Es ist die Inszenierung eines perfekten Lebens, einer perfekten Gesellschaft. In bunten, glitzernden Kostümen tanzen die Menschen miteinander, lachen, sind übertrieben glücklich. Produktivität, Fortschritt, Digitalisierung - das sind die Zutaten der schönen, neuen Welt, die im Jahr 623 nach Steve Jobs spielt.

Der „Apple“-Mitbegründer nimmt die Rolle des Übernatürlichen ein, wird von den Menschen gottgleich verehrt („Geheiligt werde deine Innovation“). In dieser Welt gibt es keine Kriege oder Krankheiten, keine Angst vor dem Tod und keinen Hunger - denn ihre Bewohner werden künstlich nach dem „Bokanowski-Verfahren“ herangezüchtet, unterliegen einer Konditionierung und dem ständigen Konsum der Glücksdroge „Soma“. Sie leben in verschiedenen Kasten, sind somit Teil des Kollektivs - aber keine Individuen.

„Schöne neue Welt“, so heißt das Musiktheater, das der Grundkurs Darstellendes Spiel und der Leistungskurs Musik aus dem 13. Jahrgang der Alfred-Wegener-Schule auf die Bühne bringen. Neben dem Titel sind dabei auch Figuren und Handlung weitgehend aus dem 1932 von Aldous Huxley verfassten Roman entnommen.

Zuschauer sollen sich identifizieren können

Anders als im Buch ist allerdings nicht Henry Ford, sondern eben Steve Jobs das angebetete Vorbild aller Menschen. „Wir wollten es so darstellen, dass es in die heutige Zeit passt, dass sich der Zuschauer damit identifizieren kann“, erklärt die AWS-Lehrerin und Regisseurin Silke Trux, die gemeinsam mit ihren Kollegen Isabel Heßberger, Julia Popovic und Torsten Mihr für das Musical verantwortlich ist.

Seit Ende des vergangenen Jahres feilten die knapp 50 Schüler an der Umsetzung des Stücks, studierten die einzelnen Szenen immer wieder ein. „Wir haben den Unterricht genutzt, aber auch unzählige Wochenenden hier verbracht. Zur intensiven Probe waren wir sogar eine Woche lang in der Jugendherberge in Lauterbach“, erzählt Trux.

Aufgrund des besonders kleinen 13. Jahrgangs müssen in den Tanzgruppen in diesem Jahr ausnahmsweise jüngere Schüler aushelfen. Doch an Qualität büßt die Aufführung dadurch nichts ein.

Die Hauptdarsteller beeindrucken in ihren Rollen. Bernard Marx, gespielt von Niklas Kehl, ist unzufrieden mit der Lebensweise in der schönen, neuen Welt. Er sieht sich als „Sklave seiner Konditionierung“, möchte glücklich sein - aber „nicht auf die Art, auf die jeder hier glücklich ist“.

Ein Starkstromzaun trennt die beiden Gebiete

Aus Neugier reist er in die „äußere Zone“ - ein kleiner Fleck, der noch nicht ergriffen ist von der Digitalisierung. Wo Menschen auf natürliche Weise gezeugt werden und leben. In „Brave New World“ gelten sie als Abschaum, ein Zaun mit Starkstrom trennt die beiden Gebiete voneinander. Lenina (Tessa Schönfeld) begleitet Bernard Marx auf seiner Reise.

Sie macht Bekanntschaft mit John (Benjamin Imhof) und dessen Mutter Linda (Bardha Hajrizi). Bernard und Lenina nehmen die beiden mit auf ihrem Weg zurück nach Hause - dort treffen schließlich eindrucksvoll zwei verschiedene Lebenswelten aufeinander. Kritik wird laut: an übermäßiger Nutzung moderner Tech­nologien, am Verlust menschlicher Werte. „Das war den ­Schülern ganz wichtig. Sie wollten etwas darstellen, das ­eine Botschaft enthält“, sagt ­Silke Trux.

Weitere Aufführungen finden heute und morgen um 20 Uhr in der Aula der Alfred-­Wegener-Schule statt.

von Yanik Schick

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