Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Aus der Kaserne an den Hindukusch

Stadtallendorf Aus der Kaserne an den Hindukusch

Seit 2009 ist Brigadegeneral Volker Bescht stellvertretender Kommandeur der Division Spezielle Operationen mit Sitz in Stadtallendorf. Am Donnerstag wird Bescht in den Ruhestand verabschiedet.

Voriger Artikel
Bürger bringen Heimat auf Vordermann
Nächster Artikel
Neuer Anlauf für Vermarktung

Brigadegeneral Volker Bescht (links) schüttelt seinem Nachfolger Brigadegeneral Reinhardt Zudrop vor dem Divisionswappen die Hand. Foto: Michael Rinde

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Sein Büro ist beinahe leergeräumt, Bescht sagt am vorletzten Tag im Dienste der Bundeswehr von sich selbst, dass er „relativ entspannt“ in den Ruhestand wechselt. Vor mehr als drei Jahren kam er an den damals neuen Divisionsstandort Stadtallendorf. Er gehörte zum „Vorauskommando“, das die Herrenwald-Kaserne für die Aufnahme des Stabes der DSO vorbereitete.

„Die Herrenwaldkaserne ist in gutem Zustand“, sagt er jetzt, kurz vor seiner Verabschiedung. Doch Bescht macht keinen Hehl daraus, dass ihm vieles viel zu lange gedauert hat und einiges auch noch ungeklärt, nicht abgearbeitet ist. Bei der Bundeswehr dauere es von der Idee für einen Gebäude-Neubau bis zum Bezug derzeit sieben Jahre, gibt er ein Beispiel.

Dabei ist durchaus etwas Eile notwendig, denn im Zuge der Bundeswehrreform entsteht in der Herrenwaldkaserne die Führung der neuen Division Schnelle Kräfte. „Von daher muss man hier noch etwas tun“, sagt er mit Blick auf den 1. Januar 2014, wenn die neue Division offiziell aufgestellt werden soll. Die DSK entsteht dabei aus der Division Luftbewegliche Kräfte und der Stadtallendorfer DSO. Sie umfasst künftig auch Heeresflieger und die Leitstelle des SAR (Search and Rescue), des Such- und Rettungsdienstes der Bundeswehr (die OP berichtete). Bescht verweist im Gespräch mit dieser Zeitung auch auf noch andere „Baustellen“ am Standort Stadtallendorf, der auch noch die Hessen-Kaserne und den Truppenübungsplatz und Teile des Wasag-Geländes umfasst. Für Soldaten fehlt es nach wie vor an Betreuungseinrichtungen, Besserung scheint kaum in Sicht, zumal das Soldaten-Freizeitheim, das Bescht gerne gerettet hätte, keine Zukunft haben wird. Auch bei der Unterbringung von Soldaten, freiwillig Dienenden, Zeit- und Berufssoldaten, sieht Bescht noch Probleme. „Man kann heute, wenn man die Bundeswehr attraktiv machen will, keine sechs Soldaten mehr in eine Stube legen“, bringt es Bescht auf den Punkt.

Voraussichtlich Mitte August bezieht Bescht sein neues Büro in Kabul in Afghanistan. Er wird dort Regionalmanager der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit 15 Mitarbeitern. Hinzu kommen die derzeit acht Projektteams, die Bescht leitet.

Bescht: Einsatz darf nicht umsonst gewesen sein

Warum hat er diese Aufgabe angenommen? „Weil wir nicht in einigen Jahren vor die Angehörigen vieler gefallener oder schwerstverwundeter Soldaten treten dürfen, um ihnen sagen zu müssen, dass der Einsatz umsonst gewesen ist“, antwortet Bescht. 53 Soldaten der Bundeswehr sind bisher in Afghanistan gefallen. Zuletzt fiel ein 32-jähriger Elitesoldat des zu Beschts Division gehörenden Kommandos Spezialkräfte bei einem Gefecht südlich von Kundus.

Er wolle mit seiner Arbeit im Zivilleben dazu beitragen, Strukturen zu stärken - und damit zu verhindern, dass Taliban nach dem weitgehenden Abzug der internationalen Soldaten wieder die Macht in dem Staat am Hindukusch übernehmen, sagt Bescht

Eines der acht Projekte, Bescht hofft, dass es noch mehr werden, läuft am mit deutschen Hilfsgeldern ausgebauten Flughafen Masar-i-Sharif. Er soll nach dem Abzug der Bundeswehr ein zentraler Regionalflughafen werden. Dafür muss das nötige afghanische Fachpersonal ausgebildet und vorbereitet werden, eine Aufgabe der deutschen Mitarbeiter der GIZ.

Bescht geht es bei seiner Aufgabe darum, „mehr als Ankündigungen zu leisten.“ Für ihn ist Hilfe für eine junge Schicht von Afghanen, im Ausland ausgebildet, möglicherweise die künftige Landeselite, besonders zentral. „Mit ihnen stärken wir die richtigen Strukturen“, sagt Bescht, der gerade einen zehntägigen Afghanistan-Besuch hinter sich hat.

Und was von seiner Bundeswehrzeit wird er vermissen? „Die Kameradschaft, sie ist für uns beim Friedensdienst wie auch im Einsatz das A und O.“

Beschts Nachfolger wird Brigadegeneral Reinhardt Zudrop, zuletzt Kommandeur der Luftlandebrigade 31 in Oldenburg. Er freue sich darauf, mitzuhelfen, die neue Division Schnelle Kräfte „zum Laufen zu bringen“, sagte Zudrop gestern.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr