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Aufwind für Mardorfer Windkraftpläne

Statutenänderung Aufwind für Mardorfer Windkraftpläne

16 Windräder waren einst für einen Amöneburger Windpark angedacht - gebaut wurden schließlich fünf Anlagen in Roßdorf. Doch auch in Mardorf könnte nun wieder Bewegung in die Sache kommen.

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Eines der fünf Windräder, die bereits bei Roßdorf entstanden sind.

Quelle: Thorsten Richter

Mardorf. Gescheitert war der Bau von Windrädern im Wald bei Mardorf im Januar 2014 am Widerstand einiger Waldbesitzer. Für die Zustimmung der Waldinteressensgemeinschaft Mardorf wäre ein einstimmiges Votum aller im Grundbuch eingetragenen Mitglieder nötig gewesen, wie es das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) vorsieht. Da der Grundbesitz jedoch seit mehreren Generationen vererbt wird, ist er stark verstreut, berichtet Amöneburgs Bürgermeister Michael Plettenberg. Darunter seien auch viele „Leute, die weit weg sind“ und von ihrem Besitz zum Teil gar nichts wüssten. Gemeinsam mit einigen Windkraft-Gegnern sorgten sie dafür, dass eine hundertprozentige Zustimmung - anders als in Roßdorf - nicht erreichbar war.

Künftig wird diese aber möglicherweise auch nicht mehr nötig sein. Laut einer Gesetzesklarstellung in Hessen gilt das BGB nur dann, wenn das Eigentum bei den Flächen nicht bereits vor dessen Einführung im Jahr 1900 gesetzlich geregelt war. Da die Waldinteressensgemeinschaft schon im 19. Jahrhundert gegründet wurde, gälte dann weiterhin preußisches Landrecht. Eine „qualifizierte Mehrheit“ von 75 Prozent würde für Entscheidungen ausreichen. Auf einer nicht öffentlichen Mitgliederversammlung vergangene Woche sollten die Statuten der Waldinteressensgemeinschaft dahingehend angepasst werden. Damit diese Änderung wirksam wird, muss allerdings erst das Grundbuchamt zustimmen.

Plettenberg: „Potenziale auf dem Hügel abgreifen“

Dass bereits Weichen in Richtung Windkraft gestellt wurden, weist der Vorsitzende Josef Kräuter von sich. „Wir haben lediglich die Statuten geändert und rechtliche Voraussetzungen geschaffen“, sagt er. Mehr gebe es noch nicht zu vermelden. Dass der mögliche Bau von Windrädern jedoch bald wieder auf die Tagesordnung gerät, „könnte passieren“, gibt er auf OP-Nachfrage zu. „Wir werden sehen, wie sich das entwickelt und dann gegebenenfalls nochmal darüber abstimmen lassen“, so Kräuter.

Plettenberg signalisiert einem neuerlichen Wind-Projekt bereits sein Wohlwollen. „Die Windkraft ist für Amöneburg nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht vorteilhaft“, sagt er. Zwar wird laut Energiebilanz bereits jetzt im Stadtgebiet mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, als in Amöneburg verbraucht wird, doch lohne sich ein besonderer Beitrag zur Energiewende auch finanziell. Drei Millionen Euro Einnahmen seien über einen Zeitraum von zwanzig Jahren zu erwarten.

Weiter Windkraftgegner in Mardorf

Bundesweit gehe es darum, „zu gucken, wo Flächen sind, bei denen es sich lohnt und wo die Bevölkerung nicht stark dagegen ist“. Deshalb gelte es „die Potenziale hier auf dem Hügel abzugreifen“. Nach OP-Informationen gibt es allerdings wie schon vor einigen Jahren auch weiterhin Gegner der Windkraft in Mardorf. Vereinzelt gebe es „natürlich Leute, die Windräder nicht mögen“, so Plettenberg. Überwiegend sei die Stimmung jedoch positiv. Auch in der Vergangenheit seien nur „wenige dagegen gewesen“. Aus seiner Sicht sei „die Akzeptanz letztlich davon abhängig, dass die Leute finanziell partizipieren“. Im Gegenzug könne sich die Stadt dafür beispielsweise eine niedrige Grundsteuer leisten.

Sturmschäden aus den vergangenen zehn Jahren hätten in dem Gebiet der Vorrangfläche ohnehin ihre Spuren hinterlassen - die geringeren Einnahmen aus der Holzernte könnten durch Konzessionen und Pacht ausgeglichen werden. Um eine „dauerhafte Verschandelung“ der Landschaft handele es sich zudem ohnehin nicht, denn die Laufzeit der Nutzung liefe erst einmal nur 30 Jahre. „Und wer weiß, welche Energieträger es dann gibt“, sagt Plettenberg.

von Peter Gassner

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