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Auftakt-Sanierung startet verspätet

Stadtallendorf Auftakt-Sanierung startet verspätet

Die Natur hat sich das gerodete Gelände rund um die frühere Abfüllstelle I des WASAG-Werkes inzwischen zurückgeholt.

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Das gerodete Gelände rund um die frühere Munitions-Abfüllung ist wieder komplett zugewuchert. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Eine Fläche von 400 mal 400 Metern hatte das hessische Baumanagement seinerzeit roden lassen. Sie liegt auf Bundeswehr-Gelände, ist somit „militärischer Sicherheitsbereich“. Auf dieser Fläche befand sich ab April 1940 die Abfüllstelle I des „Werks Herrenwald“ der Westfälisch-Anhaltischen-Sprengstoff-Aktiengesellschaft, bekannt unter dem Kürzel WASAG. In eben jenen Füllstellen wurde der Sprengstoff TNT unter anderem in Minen oder Sprengbomben, aber auch in Torpedoköpfe gefüllt.

Vor ziemlich genau einem Jahr hätte die Sanierung dieses Geländes eigentlich beginnen sollen. Doch es kam zu einigen Verzögerungen, zunächst bei der bodenrechtlichen Genehmigung durch das Regierungspräsidium in Gießen. Seit Mai liegt dieses Genehmigung vor. Sie sieht einige weitere Auflagen für den Bund vor, wie das hessische Baumanagement gestern mitteilte. Und die führen zu einer Verteuerung. Das zusätzliche Geld musste zunächst vom Bundesverteidigungsministerium bereitgestellt werden. Unter dem Strich wird die Sanierung 4,8 Millionen statt der bisher erwarteten 4 Millionen Euro kosten. Die allerersten Schätzungen lagen sogar noch bei „nur“ 3,1 Millionen Euro. Während der Arbeiten, die jetzt voraussichtlich im Spätherbst beginnen sollen, wird es nun zusätzliche Schutzzäune geben. Außerdem gehen die Planer vorsichtshalber von größeren Erdmengen aus, die bewegt werden müssen. Ursprünglich war von rund 13000 Tonnen die Rede. Sämtliche Transportcontainer sollen jetzt in Richtung Übungsplatz abgefahren werden und nicht mehr durch die Stadt. Außerdem wurden Brunnen gebohrt, um während der Sanierung Veränderungen beim Grundwasser registrieren zu können. Im Laufe der nächsten Monate sollen die Anwohner noch einmal über die geplanten Arbeiten informiert werden. Die betroffene Fläche liegt östlich des Finkenwegs, zwischen Artilleriestraße und Scharnhorststraße. Zivil genutzte Grundstücke waren bereits vor neun Jahren unter Verantwortung des Landes saniert worden. Dennoch sollen jetzt während der Sanierung auch weitere direkt angrenzende Zivilgrundstücke untersucht und gegebenenfalls gleich mitsaniert werden. Dies erklärte gestern die Frankfurter Pressestelle des Baumanagements gegenüber der OP. Auch das ist gegenüber den früheren Plänen neu.

Die Sanierung der Füllstelle I ist aus Sicht des Bundes ein Auftakt für weitere Sanierungsvorhaben auf seinen Grundstücken in Stadtallendorf. Das Gesamtkonzept werde derzeit mit verschiedenen Fachbehörden wie der Oberfinanzdirektion erörtert, hieß es dazu seitens der Pressestelle des Baumanagements. Kostenschätzungen aus dem vergangenen Jahr belaufen sich auf rund 20 Millionen Euro, könnten aber zwischenzeitlich durchaus überholt sein. Das Land Hessen hatte den Bund in der Vergangenheit immer wieder zu der Sanierung der auf seinen Grundstücken liegenden Rüstungsaltlasten gedrängt. Zu Beginn dieses Jahrtausends hatte es sogar behördliche Anordnungen gegen den Bund gegeben.

Dass der Bund beim WASAG-Werksgelände überhaupt in der Pflicht ist, geht bis in das Jahr 1959 zurück. Seinerzeit kaufte die Bundesrepublik rund 300 Hektar des insgesamt 400 Hektar großen Werksgeländes für die Bundeswehr. Bei der Sanierung der Füllstelle I wird auch das frühere Kanalnetz des Werkes untersucht. Es soll nach bisher bekannten Zahlen allein eine Länge von etwa zehn Kilometern haben.

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