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Auf neuem Weg zu Butter und Brot

Nahversorgung Auf neuem Weg zu Butter und Brot

Läden in den Dörfern schließen, gerade ältere Menschen tragen die Konsequenzen. Zwei gebürtige Stadtallendorfer haben ein Konzept, wie sich die Situation verbessern ließe.

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Manuel Weitzel (links, neben der Leinwand) und Felix Müller präsentierten dem Seniorenbeirat ihre Idee für ein Nahversorgungskonzept.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Woher bekomme ich mein Brot, die Butter oder mein Schnitzel? Vor dieser Frage stehen immer mehr Menschen, die auf dem Land leben. Zuletzt berichtete die OP ausführlich über die vorgesehene Schließung des Großseelheimer Lebensmittelgeschäfts zum 30. September.

Gestern stand das Thema „Nahversorgung“ auf der Tagesordnung des Stadtallendorfer Seniorenbeirates, der dieses Mal in Schweinsberg tagte. Zwei gebürtige Stadtallendorfer, Manuel Weitzel und Felix Müller, stellten dort ihr gemeinsam entwickeltes Konzept für eine bessere Nahversorgung vor.

Sie wollen zusammen einen neuen, anderen Weg einschlagen. Beide sind keine Unbekannten. Vielen Menschen sind sie im Ostkreis von ihren „Dorfmystery“-Filmen bekannt. Das ist aber eher das Hobby der beiden. Bei den Recherchen für ihre Filme ist ­ihnen mehr denn je bewusst geworden, wie sehr fehlende Einkaufsmöglichkeiten die Menschen beschäftigen.

„Heimatonauten“ nennen sich Müller und Weitzel. In der Wortschöpfung steckt das Wort Heimat. Etwa 20 Minuten lang stellten beide die Grundzüge ihres Konzepts erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vor. Im Kern fußt die Idee der Heimatonauten an einer Kooperation von Händlern und Unternehmen.

Lieferkosten finanzieren sich über Pauschalen

In den Dörfern, so die Idee von Weitzel und Müller, entstehen zugleich „Dorfpunkte“. Dort könnten Kunden die Waren, die sie bei einem beteiligten Geschäft irgendwo in der Region bestellt haben, schließlich abholen. Ganz wichtiger Teil der Idee: „Für die Kunden wird es nicht teurer, als ob sie im Laden gekauft hätten“, betonte Weitzel. Die Lieferkosten finanzieren sich über Pauschalen, die beteiligte Unternehmen in einen gemeinsamen Topf einzahlen. Geliefert wird an 300 Tagen im Jahr, täglich drei Mal.

Die Ausstattung jener Dorfpunkte wäre zunächst sehr einfach gehalten: Kühlschrank, Kasse, Tiefkühlschrank und ein Computer. Kleine, noch vorhandene Geschäfte vor Ort wären ebenso mögliche Partner für einen solchen „Heimatonauten“-Punkt wie Privatleute.

Unternehmen und Händler, die sich an dem System beteiligen, könnten es auch als Werbemöglichkeit nutzen. Ein weiteres Plus für die Beteiligen. Weitzel und Müller sind selbst bereits erfahrene Unternehmer. Zwei Jahre lang haben sie an ihrer Idee gearbeitet, bisher rein ehrenamtlich.

Eine gute Nahversorgung für alle Menschen auf dem Land sehen sie auch als soziale Aufgabe. Bisher haben sie bereits etliche Gespräche geführt, unter anderem mit der Industrie- und Handelskammer oder der Wirtschaftsförderung des Kreises.

Gespräche mit Unternehmen und Handelspartnern

Jetzt geht es für beide darum, Partner zu finden: zunächst Unternehmen, dann im zweiten Schritt natürlich auch Kunden, sprich Verbraucher. Im Seniorenbeirat gab es am Dienstag erwartungsgemäß viele Rückfragen und erste Einschätzungen. Vor allem gab es aber von vielen Seniorenbeirats-Mitgliedern gute Wünsche für das Gelingen.

Schweinsbergs Ortsvorsteher Adolf Fleischhauer nahm als Gast an der Sitzung teil. Er weiß um die Kraftakte, die der Verein „Unser Schweinsberg“ seinerzeit unternahm, um die Situation im Ort zu verbessern. Er erinnerte an Überlegungen für eine Genossenschaft, die am Interesse scheiterte oder dem Versuch, einen Laden oder einen Lebensmittelwagen in den Ort zu holen. „Damals sind wir mit fünf Leuten ins kalte Wasser gesprungen, ihr seid Profis, ihr schafft das“, sagte Fleischhauer.

Ermutigung gab es auch von Bernd Waldheim oder Helmut Heyn. „Wir müssen neue Wege gehen, Rückschritte können wir Senioren uns nicht leisten“, sagte beispielsweise Heyn.

Es gab auch kritische Stimmen. Schließlich besteht das Konzept bisher nur auf dem Papier. Dieses Problem ist beiden bewusst. Ein Jahr, so schätzen sie, werden sie brauchen, um das Projekt wirklich auf den Weg zu bringen. Stadtallendorf ist dabei ­einer der möglichen Start­punkte.

Jetzt werden Felix ­Müller und Manuel Weitzel weitere Gespräche führen, vor allem mit Unternehmen und Handelspartnern. „Und dann hoffen wir, dass die Verbraucher das Angebot auch nutzen“, sagt Weitzel.

Wer sich für das Projekt der „Heimatonauten“ interessiert oder es bereits konkret unterstützen möchte, kann sich unter Telefon 06422/922657, E-Mail info@heimatonauten.de, an die beiden Initiatoren wenden.

von Michael Rinde

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