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Auf der Suche nach Elliots Körper

"Ich sammle..." Auf der Suche nach Elliots Körper

Regina Fischer (65) kocht gerne, kümmert sich liebevoll um drei Töchter und drei Enkeltöchter, pflegt Freundschaften - und sammelt leidenschaftlich alles, was in Überraschungseiern zu finden ist.

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„Elliot, das Schmunzelmonster“ ist Regina Fischers Lieblingsfigur. Allerdings ist ihr Körper abhanden gekommen und aufwendige Suchaktionen blieben erfolglos.Foto: Florian Lerchbacher

Roßdorf. "Wie viele Figuren ich habe?“, fragt Regina Fischer noch einmal nach, hebt beide Hände, lacht und flötet: „Unmengen! Ach, Unmengen! Ich habe ganze Kisten voll und sie übereinandergestapelt.“

Aber: schön sortiert nach Modellen. Das ist der Roßdorferin wichtig, denn sie hortet nicht, sie sammelt. Und so finden sich in ihrem Keller Flugzeuge, Autos, Schiffe, Asterix-Figuren, Puzzles - kurz: alles, was aus Überraschungseiern kommt.

Um das Jahr 1974 habe sie damit angefangen, erinnert sich die 65-Jährige. „Ich fand die Figuren einfach schön. So exakt bemalt - das ist herrlich.“ Als Heiligtümer behandelte sie ihre kleinen Schätze aber nicht, sondern sie kamen als das zum Einsatz, was sie sind: Regina Fischers Töchter Miriam, Monique und Marietta durften nach Herzenslust sich mit dem Spielzeug amüsieren.

Ganze Paletten voll Überraschungseiern habe sie gekauft, um an die unterhaltsamen Kleinigkeiten zu kommen, berichtet Fischer: „Manchmal wog ich die Eier auch. Waren sie 34 oder 35 Gramm schwer, so enthielten sie wahrscheinlich eine Figur.“ Der „Kleinkram“ sei leichter. Manchmal versuchte sie auch, durch Schütteln schon vor dem Öffnen Klarheit zu bekommen.

Ihre Begeisterung hat über die Jahre hinweg jedenfalls kaum abgenommen. Mit leuchtenden Augen präsentiert Fischer kleine Figuren oder blättert auf der Suche nach Details und dem heutigen Wert in ihren Überraschungsei-Preisführern.

Dann bleibt ihr Blick an einer Reihe von Fußballschlümpfen von 1988 - dem Jahr der Europameisterschaft in Deutschland - hängen. Ein Torwartschlumpf trägt ein gelbes Trikot, ein ähnlicher ein orangenes: „Das ist Fehldruck“, sagt sie und deutet auf den Schlumpf in den Farben des späteren Champions und beantwortet eine Rückfrage mit gespielter Entrüstung: „Klar habe ich beide. Ist doch logisch!“

Anschließend verweist sie darauf, dass bei manchen Figuren der Beipackzettel noch wertvoller als das eigentliche Spielzeug sei. Und Aufkleber sollten Ü-Ei-Laien nicht auf das Spielzeug aufkleben - dann steige der Wert. „Das ist eben eine Philosophie für sich.“

„Hier und da fehlt mir noch eine Figur, um einen Satz zu komplettieren“, berichtet Fischer, die sich meist auf Flohmärkten auf die Suche begibt. Echte Schnäppchen seien nicht mehr machbar: „Die meisten Verkäufer sind über die Preise informiert.“ Zumeist setze sie sich ein Limit - wenn dies überschritten wird, übt sie sich in Verzicht. Eins kommt für sie ebenfalls nicht in Frage: der Einkauf im Internet. „Da traue ich mich nicht ran, denn so gut kenne ich mich mit diesem Medium nicht aus.“

Und so bleibt manchmal nichts übrig, als weiter zu hoffen und zu suchen - so wie sie schon mindestens fünfmal ihre Sammlung nach dem Körper von „Elliot, dem Schmunzelmonster“ durchwühlt hat. Der Kopf ist da, der Rest ist weg, was die herzensgute Roßdorferin schier zur Verzweiflung bringt: „Das ist der Kerl, der mir eben am Herzen liegt. Ich habe versucht ihn nachzukaufen, doch er ist unerschwinglich.“ Dass die 65-Jährige manchmal überraschte oder ungläubige Blicke erntet, stört sie derweil nicht: „Man ist beim Sammeln ja irgendwie bekloppt - aber eigentlich hat jeder Mensch so seine Macken.“

von Florian Lerchbacher

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