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Auf dem Weg zum Bürgerbad

Ohne Hauptamtlichen duirch die Saison Auf dem Weg zum Bürgerbad

Im kommenden Jahr soll Rauschenbergs Freibad mit der Bildung eines Fördervereins ein Bürgerbad werden. Die erforderlichen Strukturen gibt‘s schon jetzt. Ohne diewäre das Bad nicht durch die Saison gekommen.

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Während einige Freibad-Gäste in der Abendsonne entspannen, geht im Becken der Punk ab: Das Aqua-Zumba-Angebot mit Gianna und Rita aktivierte etliche Frauen und einen mutigen männlichen Teilnehmer. Fotos (4): Matthias Mayer

Rauschenberg. Die Wege der Stadt und der erst im Frühjahr für die Badeaufsicht und die Schwimmbad-Technik in Vollzeit eingestellten Fachkraft haben sich mitten in der Saison getrennt. Das hätte zwangsläufig zur Schließung des Bads im Hochsommer geführt, wenn sich nicht Manfred und Marlon Barth bereit erklärt hätten, die Badeaufsicht komplett zu übernehmen. Vater und Sohn Barth verfügen über die notwendige Lizenz, waren ursprünglich aber nur als Aushilfen eingeplant.

„Eine solche Situation darf es im kommenden Jahr nicht noch einmal geben“, stellt Altbürgermeister Manfred Barth fest, der wegen der zusätzlichen Belastung in seinem eigentlichen Job zeitlich in Verdrückung kam. Deshalb wird das Freibad in diesem Jahr auch mit dem späten Ende der Sommerferien schließen. „Am Sonntag, 6. September, ist der letzte Badetag. Am Samstag zuvor wird es noch eine Badeparty geben, die um 21 Uhr endet“, beschreibt Manfred Barth die Planungen für das Saisonfinale.

Mehrere Eventsbeleben das Freibad

Das ehren- und nebenamtlich agierende Freibad-Team hat das von einer eigenen Quelle gespeiste und kontinuierlich auf 23 Grad aufgeheizte Bad mit mehreren Aktionen belebt. Es gab ein Spielfest, bei dem vom Gewerbeverein finanzierte Wasserspielzeuge erstmals erprobt wurden. Eine Badeparty, ein Nachtschwimmen und zweimal Aqua-Zumba mit Gianna und Rita belebten den Schwimmbad-Alltag. Das letztere Fitness-Training kam so gut an, dass das Duo zum Abschluss am Sonntag, 6. September, ab 11 Uhr nochmal zu schnellen Beats zum schweißtreibenden Training ins Wasser bitten wird.

Zudem brachte sich die Grundschule Rauschenberg mit einem Sponsorenschwimmen ein. Bei diesem schwammen die Schüler stolze 2000 Euro für das Freibad zusammen. Für Manfred Barth ist völlig klar, dass die Kinder bestimmen werden, für was das Geld ausgegeben wird.

All die Anstrengungen dienten dem Ziel, wieder mehr Besucher ins Freibad zu bringen. Das ist auch mit freundlicher Unterstützung des Sommers 2015 gelungen. Im Vorjahr gab es nur 9000 Besucher. In dieser Saison kamen schon deutlich mehr als 15000 Badegäste. Am Sonntag begrüßte das Freibad-Team Kathy Schein als die 15000. Besucherin. Die zum Stammpublikum zählende Rauschenbergerin erhielt ein Geschenk und eine Saisonkarte für 2016.

Marlon und Manfred Barth berichteten von mehreren Badetagen mit 500 bis 600 Besuchern. Am Spitzentag suchten 720 Gäste Abkühlung im Freibad. Und ausgerechnet an diesem Tag musste Marlon Barth, der seine Semesterferien im Freibad verbringt, die Besucher schon um 16 Uhr wegen einer herannahenden Gewitter-Front nach Hause schicken.

Wie verschafft man sich an einem solchen Großkampftag gegen die hochfrequente schwimmbad-typische Geräuschkulisse ohne Lautsprecher-Anlage Gehör? Familie Barth setzt auf das Leuten einer großen Kuhglocke. „Einmal läuten, und es ist mucksmäuschenstill im Bad“, schildert Marlon Barth den verblüffenden Effekt. Am fraglichen Tag war das vollbesetzte Bad innerhalb von 15 Minuten geräumt. Üblicherweise erklingt die Glocke täglich gegen 17 Uhr. Dann moderiert Barth-Senior mit launigen Worten und stets neuen Sprüchen die letzte Bestellrunde für heiße Gerichte im Imbiss an, bevor das Frittier-Öl entsorgt und die Fritteuse gereinigt wird.

Durchschnittsbesucher schätzen den Komfort

Das Bad wurde ursprünglich als Sportbad konzipiert. Davon zeugen noch die Startblöcke und das in einer Becken-Bucht angesiedelte Sprungbrett. Für Manfred Barth hat sich diese Funktion zum Teil überholt. Allein um des Schwimmens willen kämen nur noch Früh- und Feierabend-Schwimmer. „Die Laufkundschaft schätzt eher die Annehmlichkeiten unseres Bades“, sagt Manfred Barth. Dazu zählen der Kiosk mit seinen verlässlichen Öffnungszeiten, seinem breit aufgestellten Sortiment und der möblierten Terrasse, die vielen Bänke, die zahlreichen Sonnenschirme, die der Eislieferant spendierte, die Sonnenliegen, die eine Frühschwimmerin spendete die „Jugend-Terrasse“ und natürlich das unentgeltlich nutzbare WLAN-Netz.

Dementsprechend verfolgt der Altbürgermeister das Ziel, das Bad noch schöner und attraktive zu machen. Erste Schritte: Der Kultur- und Verschönerungsverein hat 1500 Euro für den Ankauf neuer Pflanzen bereit gestellt, und eine Fachfrau wird im Herbst schauen, wie sich das an einen Landschaftspark erinnernde Areal optimieren lässt.

Was danach kommt? Manfred Barth setzt auf die für 2016 geplante Gründung des Fördervereins: „Viele Köpfe, viele Ideen“, sagt er und ist überzeugt, dass es dem Verein wegen der hohen Identifikation vieler Badbesucher mit dem Freibad nicht an Mitgliedern mangeln wird. Selbst Besucher von außerhalb interessierten sich für den Verein und wollten an den nächsten Arbeitseinsätzen teilnehmen. Die werden kommen, denn es gibt viel zu tun. Manfred Barth nennt nur einige Projekte: Aufstockung des Schwallwasserhauses für ein Materiallager, Renovierung der Sanitärräume, Anstricharbeiten, Gartenarbeiten . . .

von Matthias Mayer

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