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Auf Friedhöfen sollen neue Regeln herrschen

Beschluss Auf Friedhöfen sollen neue Regeln herrschen

Vor etwas mehr als fünf Jahren lehnte es die FWG neben der CDU noch ab, bei Grabstätten von Erwachsenen die Liegezeit über 30 Jahre hinweg zu verlängern. Nun haben die Fraktionen ihre Meinung geändert.

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Auf Wunsch der Stadtverordneten soll es bald möglich sein, die Liegezeit von allen Gräbern zu verlängern. Bisher sind 30 Jahre das Maximum.Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Bisher gibt es auf den Friedhöfen der Stadt Amöneburg nur bei Grabstätten von Kindern die Möglichkeit, die Liegezeit über 30 Jahre hinaus zu verlängern. Das soll sich nun ändern - und zwar auf Wunsch der FWG, die sich vor fünf Jahren noch dagegen ausgesprochen hatte.

Im vergangenen Jahr sei auf dem Roßdorfer Friedhof ein Feld mit Gräbern geräumt worden. Mehrere Bürger hätten ihn zuvor angesprochen, ob es nicht möglich sei, die Liegezeit über 30 Jahre hinaus zu verlängern, berichtete Stadtverordneter Karl Jennemann (FWG), der selbst auch betroffen war. Wenn es seitens der Stadt keine stichhaltigen Gründe gebe, die dagegen sprächen, sollte eine solche Verlängerung möglich sein, ergänzte er.

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses hätten sich auch schon dafür ausgesprochen, betonte Vorsitzender Rudi Rhiel (FWG). Im „Beerdigungsbereich“ habe es eine große Weiterentwicklung gegeben, sodass die vor einigen Jahren aufgebrachte Platzfrage nicht mehr zur Debatte stehe.

Die SPD brachte sogleich noch einen Änderungsantrag ein, den Hildegard Kräling, Vorsitzende des Seniorenbeirates und Stadtverordnete der Sozialdemokraten in Personalunion, initiiert hatte: Vielerorts sorgten sich ältere Mitbürger um die Pflege von Grabstätten - insbesondere, da junge Menschen oft wegzögen, Familien daher nicht mehr an einem Ort lebten und es schwerer werde, sich um die Gräber zu kümmern. Aus diesem Grund wäre es sinnvoll, Rasengräber zu ermöglichen, sagte Fraktionsvorsitzender Winfried Kaul. Diese bestünden lediglich aus einer rund 40 x 40 Zentimeter großen, in die Erde eingelassen Platte mit den Daten des Verstorbenen: „Das hat für die Hinterbliebenen den Vorteil, dass sie sich keine Sorge mehr um den Grabschmuck und die Pflege machen müssen, denn dann kann einfach um die Platte herumgemäht werden.“

Die Stadtverordneten befürworteten sowohl den Änderungsantrag als auch das von der FWG aufgebrachte Anliegen. Der Magistrat solle eine entsprechende Änderung der Friedhofssatzung auf den Weg bringen und ihnen vorlegen. So weit waren sich die Stadtverordneten einig. Diskussionen entbrannten aber dennoch.

Dirk Wieber (CDU) pochte auf Gleichberechtigung, die beim Thema Friedhof extrem wichtig sei: Alle Gräber, die bis zum Inkrafttreten der neuen Satzung angemahnt werden, müssten dann auch entfernt werden -sonst seien Streits vorprogrammiert. Fraktionskollege Wolfgang Rhiel pflichtete ihm bei und sprach aus Erfahrung: Trotz der Entwidmung des alten Erfurtshäuser Friedhofs hätten einige Bürger den Auftrag ignoriert, Gräber zu entfernen - und der Magistrat unternehme nichts. „Die Leidtragenden sind wir, die Mitglieder des Ortsbeirates, denn viele beschweren sich, dass sie der Anordnung gefolgt seien, während andere sie ignorierten.“

Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg kommentierte: „Einige Erfurtshäuser wollen nicht akzeptieren, dass der alte Friedhof kein Friedhof mehr ist.“ Geplant sei, dort eine Art Park anzulegen, der sich rund um das Leben drehe. Einige Grabsteine könnten daher bleiben, die Gräber an sich jedoch nicht. „Wir müssen erstmal sehen, was noch passiert. Wegmachen geht immer noch, wieder hinmachen allerdings nicht.“

Der Einzige, der noch einen Einwand hatte, war wiederum Jennemann. Wenn die neue Satzung vorliege, sollten die Stadtverordneten noch einmal darüber diskutieren, ob bis zu diesem Zeitpunkt angemahnte Gräber dann auch wirklich - wie von Wieber im Zuge der Gleichberechtigung gefordert - entfernt werden müssten.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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