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Auch die letzten Zahlen sind geprüft

Hessentagsdefizit Auch die letzten Zahlen sind geprüft

Nach etwas mehr als sechs Jahren lässt sich gesichert sagen, welches Minus Stadtallendorf seinerzeit beim Jubiläums-Hessentag gemacht hat. Auch das Finanzamt hat seine Prüfungen abgeschlossen.

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Überragend war das Konzert von Weltstar Pink auf dem Open-Air-Gelände Stadtallendorf.

Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Unter dem Strich hat die Stadt Stadtallendorf rein haushaltstechnisch ein Minus von 5,2 Millionen Euro beim Hessentag 2010 eingefahren. Das sind rund 300000 Euro weniger, als bei allen Planungen und vorläufigen Zahlen dereinst veranschlagt wurde. Diese Zahlen stammen aus dem von der Revision der Kreisverwaltung geprüften Jahresabschluss für 2010.

Er allein hätte aber noch nicht die letzte Gewissheit über die tatsächlichen Kosten des 50. Hessentages in Stadtallendorf gebracht, wie Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) und Mitarbeiter der Stadtverwaltung gegenüber der OP erläuterten.

Hinzu kam eine Sonderprüfung der Marburger Finanzbehörden. Denn die Stadt Stadtallendorf hatte zwangsläufig wie andere Hessentagsstädte bei diesem Ereignis wie ein Unternehmen agieren müssen - sprich, sie hatte gekauft und verkauft, Eintrittskarten zum Beispiel.

Das führte zu Umsatzsteuer. Im Ergebnis habe die Sonderprüfung ergeben, dass Stadtallendorf eine sechsstellige Summe zurückerhalten habe, fasst Klaus-Peter Riedl von der Finanzabteilung zusammen. Mit dieser Rückzahlung hatten die Buchhalter der Stadtkasse allerdings auch gerechnet.

Gesamtinvestitionen von 10 Millionen Euro

Warum das erwartete Defizit ganz am Ende aller Prüfungen um 300000 Euro geringer ausfiel, lässt sich sehr genau sagen. Die Stadt verkaufte deutlich mehr Eintrittskarten bei Konzerten von Stars wie Pink, Silbermond oder den Fantastischen Vier als erwartet. Am Ende knackte der Jubiläums-Hessentag bei der Gesamtbesucherzahl schließlich auch die magische Millionengrenze.

Das jetzt ermittelte Defizit ergibt sich folgendermaßen: Die Aufwendungen lagen bei 10,7 Millionen Euro, geplant waren 8,36 Millionen. Aber auch die Gesamteinnahmen lagen deutlich höher als vorab berechnet, nämlich bei 5,47 Millionen Euro statt der erwarten 2,8 Millionen Euro.

So ergibt sich das nun feststehende Minus. Doch die Ausgaben für zehn Tage Landesfest sind nur eine Seite der Medaille. In Stadtallendorf ist im Vorfeld des Jubiläums-Hessentages massiv investiert worden. 7 Millionen Euro Kredit hatte die Stadt dafür aufgenommen. 10 Millionen Euro wurden insgesamt investiert, darauf gab es 4,2 Millionen Euro Zuschüsse aus verschiedenen Fördertöpfen.

Dickster Brocken war die Bahnhofssanierung mit Kosten von ziemlich genau 5 Millionen Euro und Zuschüssen von 2,6 Millionen Euro. An dieser Investition wird aber auch gleich deutlich, wie positiv sich diese Hessentags-Ausgabe noch Jahre danach auswirkt.

Brunnen verursacht hohe Folgekosten

Dass Stadtallendorf über einen barrierefreien Bahnhof verfügt, dürfte auch bei der Intercity-Entscheidung der Bahn AG eine Rolle gespielt haben. Gleich auf Platz zwei der Investitionen folgt die Sanierung des Heinz-Lang-Parks mit Kosten von 2,46 Millionen Euro bei Zuschüssen von 1,31 Millionen Euro.

Einschneidend und auch dem Hessentag geschuldet war der Umbau der Kreuzung Herrenwaldstraße/Wetzlarer Straße (Baukosten 1,4 Millionen Euro bei 251000 Euro Zuschuss) plus dem Pusteblumen-Brunnen. Für den reinen Brunnen (Kosten 352000 Euro) bekam die Stadt 40000 Euro als Geschenk des Landes. Allerdings bleiben die besonders hohen Folgekosten, rund 7000 Euro Strom und 8000 Euro Wartung jährlich plus Abschreibungen.

„Natürlich birgt ein Hessentag ein unternehmerisches Restrisiko, auch vor dem Hintergrund des Wetters, das die halbe Miete darstellt“, sagt Somogyi. Missen möchte er den Hessentag 2010 aber auf gar keinen Fall. Er führt neben der Nachhaltigkeit der Investitionen den Imagezuwachs Stadtallendorfs an. „Bei dem positiven Verlauf war dieser Hessentag für die Stadt und die Region ein absoluter Gewinn“, ist Somogyi überzeugt.

von Michael Rinde

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